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Der Marsch 1999
Oeversee: Das Gefecht von 1864

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  Jedes Jahr am 6. Februar marschieren vorwiegend Flensburger und einige wenige Flensburgerinnen nach Oeversee und gedenken der Gefallenen des Gefechtes von 1864. Damals haben sich einige Flensburger Kaufleute und vor allem Flensburgerinnen aufgemacht, um die Verwundeten zu versorgen. Die Geschichte zu den Ereignissen ist in dem ausgezeichneten Kochbuch des „Historischen Kruges“ in Oeversee abgedruckt:

Das Gefecht von 1864

Gedenkstätte:Gedenkstätte
Oeversee Flaggen
Historischer Krug

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Quelle: CD-ROM "Flensburg für Entdecker" von Brigitt List

 




siehe auch:
Schlacht bei Idstedt

"Noch am Nachmittag des 5. Februar 1864 hatten die Einwohner von Oeversee nicht die geringste Ahnung von dem, was ihnen bevorstand. Ein langer dänischer Verpflegungstransport bewegte sich nach Süden, dem Danewerk zu, so daß man glauben konnte, diese großartige Stellung würde allen Angriffen trotzen, wie man immer behauptet hatte. Aber welche Überraschung und Bestürzung, als dieser Transport schon gegen Abend wieder zurückfuhr! Er war nicht weiter gekommen als bis Stenderupau (genau halbwegs zwischen Flensburg und Schleswig), als er den Befehl zur Rückkehr bekommen hatte. Nun wußte man Bescheid, die Stimmung am Abend war gedrückt; und dann folgte eine aufregende, unruhige Nacht. An Schlaf war nicht zu denken.

Oeversee Gedenkstätte
Foto: Gedenkstätte

In schier endlosem Strome bewegte sich die vom Danewerk zurückgehende dänische Armee die Chaussee nach Flensburg entlang; ununterbrochen hörte man das Rasseln der Wagen und Geschütze und den schweren Marschtritt der Infanteriekolonnen bis in die Morgendämmerung hinein. Auf der mit gefährlichem Glatteis überzogenen Straße kam es oft zu Stockungen, weil die Pferde stürzten und die Fahrzeuge abrutschten; dann entstand Unruhe, es erscholl ein Rufen und Schreien, bis das Hindernis beseitigt war und die Infanterie, übernächtigt, durchgefroren, halb im Schlafe, sich langsam weiterbewegen konnte.

Die Dorfbewohner taten ihr Möglichstes, um die bedauernswerten Menschen mit Speise und Trank zu erfrischen; waren es auch Soldaten in dänischen Uniformen, es waren doch viele Landeskinder unter ihnen, die nur unfreiwillig diese Uniform trugen.

Wie lange würde es dauern, bis die Letzten dieses Heerzuges das Dorf erreichen und die Verfolger eintreffen?

Viele besonders besorgte Bauern flüchteten mit Weib und Kind in die Nachbardörfer, um bei Verwandten oder Bekannten Schutz zu suchen; denn man konnte nie wissen, was für Leute die hier völlig unbekannten Österreicher waren und wie sie sich verhalten würden.

Es war am späten Nachmittag des 6. Februars, da spielten die Fröruper Jungs noch auf der Straße; auf dem Böckerberg zwischen der Hauptstraße und der Treenebrücke war eine wunderbare Rodelbahn entstanden, daß die Schlitten in toller Fahrt den Abhang hinuntersausten. Das war viel interessanter, als dauernd nach dem nicht enden wollenden Heereszug zu schauen. Man hatte noch festgestellt, daß die letzten Soldaten die Bäume der Pappelallee gefällt und die Stämme als Hindernis quer über die Straße gelegt hatten – zwei Pappeln waren stehengeblieben –, dann war es ruhig geworden.

Da kam der alte Dorfschäfer Matthias ganz aufgeregt angelaufen, um stotternd den Jungs von den anrückenden Verfolgern zu berichten und sie zur schleunigen Rückkehr ins Elternhaus zu bewegen; aber man lachte ihn aus und rodelte munter weiter. Doch dauerte es nicht lange, da pfiffen die Gewehrkugeln über ihre Köpfe, und da hielt man es doch für angebracht, im Laufschritt das väterliche Dach zu erreichen. In der Gegend der Treenebrücke wurde das Schießen stärker, auch Artillerie mischte sich darunter, denn eine kleine dänische Nachhut versuchte, die heranrückende österreichische Reiterei an der Straßensperre aufzuhalten. Da war in einem kleinen Hause, etwa 100 Meter südwestlich dieser Brücke, eine junge Mutter gerade dabei, am Tische in der Wohnstube ihr Kind zu wickeln, als plötzlich eine Kanonenkugel durch das Fenster schlug, eine Ecke des Tisches abriß und in der Ofenecke liegenblieb.

Doch Mutter und Kind war nicht das geringste geschehen. Als es ruhiger wurde, weil die dänische Nachhut nach Norden abzog, kamen die Österreicher über die Brücke vorsichtig ins Dorf. Nicht weit von der Brücke entfernt war ein Kaufmannsladen. Ein Soldat betrat den Laden und verlangte: „Zigar, Zigar!“ Der Kaufmann reichte ihm die volle Kiste hin, daß er sich – wie üblich – bediene; er jedoch verstand diese Geste falsch, klemmte sich die volle Kiste unter den Arm und verschwand, so daß der verdutze Kaufmann ihm nur noch nachrufen konnte: „De verdammte Kirl!“ Am frühen Nachmittag trafen die ersten Österreicher ein. Bei der historischen Wirtschaft war Rast- und Sammelpunkt.

Im Krug befanden sich noch dänische Soldaten. Plötzlich läuft einer mit der Waffe vor die Tür und wird tödlich getroffen, seinem Kameraden gelingt die Flucht durch die Hintertür. Als die österreichischen Soldaten den Krug betreten wollen, werden sie erstmal vom Wirt Hans-Peter Clausen ( Hans Hansen-Mörcks Urgroßvater) vor die Tür gesetzt. Ein Offizier zieht seinen Säbel und will ihn niederstechen. Doch ein niedriger Balken macht der kühnen Tat ein jähes Ende, der Säbel bleibt im Balken stecken und hinterläßt eine tiefe Kerbe. Ein Ordonnanzoffizier bringt Ruhe in die Situation, indem er darum bittet, im Krug ein Lazarett einrichten zu dürfen. Unter der Bedingung, daß die Verwundeten beider Seiten hier eine Lagerstatt finden, wird dieser Bitte entsprochen.

Daraufhin wird der Krug-Wirt zugänglicher und erzählt den immer zahlreicher werdenden Österreichern, daß sich die Dänen auf den Sankelmarker See zurückgezogen haben: „Hier dürfte wohl der Gefechtsplatz werden.“ Den zur Erkundung bestimmten Liechtenstein-Husaren wird der Rat gegeben, die verminte Treenebrücke zu meiden. So müssen Pferde und Reiter durch die eiskalte Treene waten. Die Dorfbevölkerung von Oeversee hat während des Anrückens der Österreicher hinter den dicken Mauern der alten Feldkirche Schutz gesucht; aber solange noch kein Gewehr- und Geschützfeuer zu hören ist, sind viele Männer und natürlich auch die Jungs noch draußen, um von dem aufregenden Schauspiel möglichst viel mitzukriegen.

Da kommen die Husaren angeritten und sammeln sich zum Erkundungsritt nördlich der Kirche, und auf ein kurzes Kommando hin braust die wilde Jagd los. Mit ihren weißen Lammfellmützen, den weißen Pelzjacken, den geschwungenen Säbeln und unter dem alten Kampfruf aus den Hussitenkriegen: „Bussum o Schwob“ (Der Teufel hole die Deutschen!) jagen sie über die schneebedeckten Felder nach Norden. Drei alte schleswig-holsteinische Freiheitskämpfer aus den Erhebungsjahren 1848/51, der Bauer Jörn Peter Jensen, der Schuhmachermeister Fritz Christophersen und der Schmied Peter Koß, schauen in aller Ruhe diesem Schauspiel zu und diskutieren mit gelassener Stimme darüber, was sie von diesem Einsatz von Kavallerie gegen geschlossene Infanterieformationen halten sollen. Sie hatten schon 1849 bei Kolding und 1850 bei Oberstolk tapfere dänische Husaren mit blutigen Köpfen zurückgetrieben.

Da tönen vom Sankelmarker See die Infanteriesalven herüber, die Husaren sind ins Gefecht gekommen, und als dann einige verirrte Kugeln gegen die Kirchenmauer klatschen, ziehen es die Beobachter doch vor, sich in Deckung zu begeben, können es aber nicht lassen, aus den Schießscharten des Turmes das Kampfgelände weiter im Auge zu behalten.

Vor ihnen auf dem Platze, von dem vor kurzer Zeit die Husaren losstürmten, ist jetzt das 9 Feldjägerbatallion angetreten und legt die Tornister ab. Nur mit Sturmgepäck und aufgepflanztem Bajonett, in Schützenlinie, als ginge es zur Hasenjagd, eilen die Jäger über die Felder, daß die Spielhahnfedern auf ihren Hüten im stürmischen Nordwind flattern. Doch dann schallt bald ein furchtbares Kampfgetöse vom See herüber, und in den Kampflärm hinein tönen die schmetternden Weisen mehrerer Militärkapellen, die sich dicht vor der Kirche beim Arbeitshause aufgestellt haben. Und wieder Sturmsignale und Kommandorufe – neue Regimenter stürmen in den Kampf - , immer lauter wird das Getöse vom Schlachtfelde her, bis beginnende Dunkelheit und einsetzendes Schneetreiben dem Kampf ein Ende setzen und die Dorfbewohner aufatmend ins Freie treten und in ihre Häuser zurücktreten können."

Bleibt anzumerken, daß der „Historische Krug“ bei diesem Gefecht als Lazarett diente und damit das erste Feldlazarett in der Geschichte des Roten Kreuzes wurde.

Wie bereits erwähnt, hatte Hans-Peter Clausen, der Krugwirt, allerdings nur unter der Bedingung zugestimmt, daß die Verwundeten beider Seiten Aufnahme finden sollen. Was dann auch geschah. Und so pflegten Hans-Peter Clausen und seine Frau Anna Margaretha aufopfernd sowohl Deutsche, Dänen als auch Österreicher, opferten noch ihr letztes Leinenzeug, und Freund und Feind lagen friedlich nebeneinander. Für diese einzigartige humanitäre Tat wurde Hans-Peter Clausen später vom Kaiser Franz-Joseph I. mit dem Österreichischen Kriegsverdienstkreuz in Gold ausgezeichnet.

Zur Stärkung der Verwundeten kochte Anna Margaretha Clausen "Frische Suppe". Frische Suppe wurde in den folgenden Jahren – und wird heute noch – alljährlich zum Gedenken an dieses Ereignis aufgetischt. Hier finden Sie das Rezept zum Nachkochen.



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