Ingrid Franzen schreibt in "vrowen, kvinder, Frauen - Lebenslaeufe bemerkenswerter Flensburger Frauen", erschienen in der Kleinen Reihe der Flensburger Stadtgeschichte, Heft 23

Emmy Ball-Hennings, 1885-1948

Erinnerungen an Flensburg um die Jahrhundertwende finden sich in dem Buch von Emmy Ball-Hennings "Blume und Flamme", in dem sie in einer ungewoehnlich schoenen und anschaulichen Sprache ihre Kindheit und Jugend schildert. Sie ist als Tochter eines aus Daenemark stammenden ehemaligen Seemanns, der spaeter Rigger auf der Werft war, und seiner aus Flensburg stammenden Frau 1885 geboren und hat nach Beendigung der Schule in verschiedenen Haushalten und bei einem Fotografen gearbeitet, bis sie mit 17 Jahren heiratete. Die Ehe mit dem Schriftsetzer Hennings hat nur kurz gedauert..

Ihr Ziel war es, als Schauspielerin die Welt kennenzulernen. Das ist ihr gelungen. Mit einer Wandertruppe zog sie durch Deutschland, ging mit 23 Jahren in Muenchen zum Kabarett "Simpl", war Weggenossin der Expressionisten in Malerei, Dichtung und Literatur und bei ihnen sehr beliebt. Zu ihrem ersten Gedichtband, der den Titel traegt "Die letzte Freude", schrieb ihr Franz Werfel: "Ich bin geruehrt, Sie auf der Welt zu wissen."

Aehnliches fuehlen die Leser ihrer Buecher auch heute. Es ist schwer zu verstehen, woher sie bei ihrer schmalen Vorbildung diesen Reichtum der Phantasie, der Gedanken und der Sprache gewonnen hat.

Sie heiratete in zweiter Ehe den Dramaturgen, Schriftsteller und Kabarettisten Hugo Ball und lebte mit ihm im ersten Weltkrieg in der Schweiz, wo sie beide zu den Begruendern des Dadaismus gehoerten. Emmy wurde jedoch immer wieder von ihrem unruhigen Wandertrieb auf weite Reisen geschickt.

Im Tessin gewannen Hugo und Emmy Ball die Freundschaft von Hermann Hesse, zu dessen 50. Geburtstag Hugo Ball eine sehr bemerkenswerte Biographie geschrieben hat, sein letztes Werk vor seinem fruehen Tode.

Die Freundschaft zu Hesse begleitete Emmy Balls Leben bis zu ihrem Tode 1948. Hermann Hesse schreibt über sie in einem Vorwort zu ihren Jugenderinnerungen:

"Es waere schwer zu sagen, was wir Freunde und Verehrer dieser Dichterin an ihren Buechern so lieben, denn sie sind Ausdruck eines Menschen und eines Schicksals mit seinen Widerspruechen, ... nicht von seinem Leben und seinen Kaempfen geloeste Dichtungen ... sie sind ein Kampf um Wahrheit, ein Kampf um Verwirklichung menschlicher und christlicher Ideale ... ich glaube, dass diese aufrichtigen erlebten und so schoenen Buecher uns ueberleben werden."