Predigten

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Flensburg online: Predigt "Liebe ist möglich" von Matthias Dahl
  Gebetswoche 10. - 16. Januar
"Liebe ist möglich"
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Flensburg online: Matthias Dahl
Pastor i.R. Matthias Dahl
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Das tägliche Bibelwort der Evangelischen Allianz Flensburg und von weiteren Pastorinnen und Pastoren aus Flensburg und Umgebung bei "Flensburg online"
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Die Liebe wird niemals vergehen.
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Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen
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Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
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Die Liebe hört
niemals auf.
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Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
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Eine Gesellschaft, in der nicht mehr gebetet wird, droht zu verflachen und zu zerfallen.
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Liebe ist möglich!
  
     Vom 10. bis 16. Januar 2000 trafen sich Christen aus neun Konfessionen in neun Kirchen von Flensburg zum gemeinsamen Gebet. Hier weitere Informationen…

"Flensburg online" stellt Ihnen hier die Ansprache von Pastor i.R. Matthias Dahl beim Abschluß der weltweiten Gebetswoche 2000 am 16. Januar 2000 in der Christuskirche Mürwik bereit.



Liebe Gemeinde! Liebe Brüder und Schwestern!

Viele gute und erhebende Lieder von der Liebe haben wir gesungen. Ich schließe ein kleines Solo an, ein Gegenlied sozusagen:
"Die Menschen sind schlecht, sie denken an sich, nur ich denk' an mich."
Man könnte dieses Vers'chen auch im Kanon singen. Wir wollen es jetzt nicht tun. Aber ich kann Ihnen versichern, es würde sehr überzeugend klingen, wenn wir alle miteinander diese leidvolle Klage herausstoßen: "Nur ich denk' an mich."

Denn das ist ja eine in uns sehr verwurzelte Überzeugung, daß wir schon selbst an uns denken müssen, wenn wir zu etwas kommen wollen. Die anderen tun es ja doch nicht.

Ist Liebe möglich? "Nein", sagt dieser Kanon, wenn auch mit einem gewissen selbstironischen Schmunzeln.

      Wahre Liebe ist eine Seltenheit, die kaum zwei- oder dreimal in einem Jahrhundert vorkommen mag, schrieb Albert Camus einmal sehr pessimistisch. Und dann fuhr er fort: "Ich habe in meinem Leben zumindest eine große Liebe gekannt, und ihr Gegenstand war jederzeit ich selbst..."

Diese große Liebe zu uns selbst kennen wir nur zu gut. Der junge Mann, der hinter seiner Liebsten herschmachtet, denkt er nicht vor allem an sich selbst? Zwar flüstert er: "Ich liebe dich!" Aber dann geht sein Liebesseufzen verräterisch weiter: "Ich brauche dich. Ich kann ohne dich nicht leben", sagt er. Nur zu deutlich entlarvt er damit, daß es ihm vor allem um sich selbst geht.
Genau das ist das Problem vieler Ehen, wie der Kieler Eheforscher Jürgens als Ergebnis von 15.000 Beratungsgesprächen festgestellt hat. Bei Ehekrach spiele immer die "Ich-Bezogenheit" eine auslösende Rolle. Und äußerst gefährlich wirke sich der Hang zur Selbstverwirklichung in der Ehe aus. Vernunft sei so wichtig wie die Liebe, damit eine Ehe über die Runden komme.

So könnte ich noch manche Äußerung über die Schwierigkeit der Liebe anfügen und viele Beispiele von Lieblosigkeit und Egoismus. Das schärft zwar das Bewußtsein für die Probleme und nimmt uns die Illusion, als sei Liebe eine Selbstverständlichkeit. Aber was hilft uns das?

      Viel wichtiger ist doch ein Weg, auf dem wir zu Liebe in unserem Leben und in unserer Welt kommen. Dabei ist so viel sicher: Liebe zu fordern, Liebe zu predigen ist vergeblich. Es mag zwar die eine oder andere sogenannte gute Tat dabei herauskommen. Die ist nicht zu verachten, aber sie ist eben nicht der Ausfluß von Liebe, sondern der Versuch, einer Forderung gerecht zu werden. Solche durch Forderung und Druck hervorgerufenen guten Taten wärmen nicht wirklich.

Aufforderungen bringen also nicht weiter. Liebe aber kann sich entwickeln, dort wo Liebe geschenkt wird. Und - Schwestern und Brüder, jeder einzelner, jedem einzelnen von Ihnen ist Liebe geschenkt worden. Ach ja, ich weiß: Als fleißige Gottesdienstteilnehmer haben Sie das schon oft gehört. Man ist fast schon abgestumpft gegenüber dem Wichtigsten, was es für uns überhaupt zu hören gibt: die Liebeserklärung Gottes.

Und dennoch, bitte, höre es: Gott liebt dich. Gott umfängt dich mit leidenschaftlicher Liebe. Was hat er sich seine Liebe zu dir kosten lassen!
"So sehr hat Gott die Menschen geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für sie hergab." (Johannes 3/16) Es ist so: Liebe ist nicht nur möglich, sie ist Tatsache, die grundlegende Tatsache deines Lebens.

   Israel Harel, ein an Jesus gläubig gewordener Jude, beschreibt die wunderbare Erfahrung, wie die Liebe Gottes ihn erreichte: "In meinem Zimmer las ich die Bibel, und plötzlich spürte ich ganz tief Gottes Liebe. Es schien, als ob diese Liebe durch mich ging, durch meinen Körper floß, um dann durch meine Poren wieder auszutreten. Ich wurde rein. Ich spürte, daß Gott mich wie ein Vater umarmte. Ich war nach Hause gekommen." Für Israel Harel war die Erfahrung überwältigend. Dabei fühlte er sich wie ein rostiges Kabel, das nicht zuviel Spannung auf einmal aushielt.

Ja, sie ist fast nicht auszuhalten, diese Erkenntnis, daß der große Gott mich kleinen Menschen liebt. Unbezahlbar ist seine Liebe, durch nichts zu erwerben, und darum verschenkt er sie.

Solche umwerfende Erkenntnis kann und darf mit erheblichen Bewegungen unseres Gefühls verbunden sein. Aber, liebe Geschwister im Glauben, Gottes Liebe zu uns besteht nicht in einem Gefühl. Sie besteht in dem Geschehen, daß Gottes Sohn Jesus Christus für uns, die Sünder, gestorben ist.

   Nachdenkliche Zeitgenossen fragen wohl: Steckt nicht auch in dem Glauben, daß Gott uns gut ist, ein verkappter Egoismus? Solche Frage darf man nicht von vornherein abweisen. Man kann es sich schon vorstellen, daß sich unser Egoismus meldet, wenn er hört, daß wir durch den Glauben etwas bekommen, daß Gott uns seine Liebe zuspricht, uns inneren Frieden schenkt, uns seine Gnade zuwendet, daß er uns durch Jesus Christus rettet.

Doch wer egoistisch an den Glauben herangeht, den kommt es teuer zu stehen. Die Rettung besteht ja gerade darin, daß wir nicht mehr uns selbst gehören. Wir gehen in das Eigentum Christi über. Wir gehören denen, die Jesus besonders nahestehen, seinen Schwestern und Brüdern, den Armen und Hilfsbedürftigen.

In jeder Liebe ist Tod, denn in der Liebe wird der Egoismus in uns getötet, hat der Kirchenvater Augustin einmal gesagt.

Wie gesagt, daß Gott uns seine große Liebe zusagt, daß seine Liebe uns durchströmt, das wird wohl fast unausweichlich auch mit starken Ausschlägen unseres Gefühls in uns verbunden sein. Gut so!

   Es war gut, daß auch der hartherzige reiche Kaufmann, von dem eine jüdische Anekdote erzählt, zu dem Wanderprediger in die Synagoge ging und sein Herz von dessen eindringlicher Predigt über die Liebe Gottes und über die Liebe zu den Menschen ergriffen wurde. Tief beeindruckt kam er nach Hause und sagte seiner Frau, daß er von nun an mit allen Menschen Erbarmen haben würde.

In der gleichen Nacht kam ein schreckliches Unwetter mit Blitz und Donner und Hagel. Da klopfte es laut an die Tür: "Hilfe, laßt mich herein, ich bin durchnäßt, ich friere, ich bin hungrig." Unser Kaufmann wälzt sich im Bett und stöhnt: "Der arme Mensch, nebbich, er ist hungrig und kalt. So ein Erbarmen! Mir bricht das Herz." Da schreit ihn seine Frau an: "So tu'doch etwas, laß' ihn doch herein!" Sagt ihr Mann: "Wie kannst du so dumm sein, verstehst du denn nicht. Wenn ich jetzt aufstehe und den armen Kerl hereinlasse, wird der doch bei uns in der warmen Küche sitzen, du wirst ihm heißen Tee mit Schnaps und ein Stück Fisch geben, und du wirst seine Kleider trocknen, wird es ihm sehr gut gehen - und dann kann ich doch kein Mitleid mehr mit ihm haben."

Wie diese Anekdote zeigt, wissen natürlich auch Juden davon, daß Gottes Liebe uns zur liebevollen Tat bewegen möchte. Denn Gottes Liebe zu uns ist Tat. Liebe ist keine Frage des Gefühls und keine Frage der Theorie. Liebe ist Tat.

   Es ist gut, wenn wir Gott unsere Liebe zu ihm mit Worten erklären. Aber wenn es wirkliche Liebe zu Gott ist, versuchen wir zugleich, ihm unsere Liebe mit unserem Leben zu erklären. Das Evangelium begreift man nicht mit dem Kopf, auch nicht mit den religiösen Gefühlen. Das begreift man nur, wenn man sich auf die Liebeserklärung Gottes einläßt und mit seiner eigenen Liebe darauf antwortet.

Gelegenheit, in der Liebe zu Gott anderen Gutes zu tun, haben wir mehr als genug.

   Über die Einübung in solches Tun aus Liebe stand vor gut zwei Jahren im "Flensburger Tageblatt" in einem Kommentar von Jürgen Liminski Beachtliches zu lesen. "Wer für andere betet, der ist solidarisch in einem Sinn, der an die Tiefe der Existenz rührt. Deshalb droht eine Gesellschaft, in der nicht mehr gebetet wird, zu verflachen und zu zerfallen. Eine Mutter, die mit ihrem Kind für andere betet, übt Solidarität, stiftet Gemeinsinn und Gespür für Selbstlosigkeit (…)".

Ich lese Ihnen zum Schluß das Hohelied der Liebe, 1. Korinther 13, mit dem der Apostel Paulus auf die überwältigende Liebe Gottes antwortet.

(1) Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

(3) Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

(4) Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, …

(7) sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

(8) Die Liebe hört niemals auf.

(13) Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Also: "Liebe ist möglich."

Flensburg online Predigt "Liebe ist möglich" von M. Dahl / Jan-2000

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