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Flensburg online: Ansprache zur 20. Ökumenischen St.Ansgar-Vesper 2002
  Ansgar-Gedenken
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Flensburg online: Pastor Muhs
Pastor i.R. Hans-Joachim Muhs


Das tägliche Bibelwort der Evangelischen Allianz Flensburg und von weiteren Pastorinnen und Pastoren aus Flensburg und Umgebung bei "Flensburg online"
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Erinnern tut gut
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Nicht nur ein Ansgar-Gedächtnis
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"Ich habe es noch nicht geschafft"

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Von Jesus ergriffen  

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Klares Ziel

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Liebevolle Mission

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Das Beste kommt noch

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Das Vertrauen des Fallschirmspringers

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Es wird Frucht tragen

 


Archiv:
St. Ansgar Ansprache aus dem Jahre 2000

 

   Am 3. Februar 2002 wurde in der vollbesetzten römisch-katholischen Pfarrkirche St.Marien-Schmerzhafte Mutter eine Ökumenische St.Ansgar-Vesper begangen – zum 20. Mal in Flensburg. 27 Pastoren, Pastorinnen, Priester und Diakone aus neun verschiedenen Kirchengemeinschaften zogen in die Kirche ein.
Auch drei Chöre und dazu Sänger aus der griechisch-orthodoxen und serbisch-orthodoxen Kirche wirkten an diesem festlichen. Abendgottesdienst mit. Pastor i.R. Hans-Joachim Muhs, früher Pastor in Sörup und im Ruhestand noch an der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt tätig, hielt die Ansprache.



Liebe Schwestern und Brüder!

   Ein Tourist darf in einem Kloster bei Kartäusermönchen übernachten. Er ist sehr erstaunt über die spartanische Einrichtung ihrer Zellen und fragt die Mönche: "Wo habt ihr eure Möbel?" Schlagfertig fragen die Mönche zurück: "Ja, wo haben Sie denn Ihre?" "Meine?" erwidert darauf der Tourist verblüfft, "ich bin ja nur auf der Durchreise hier." "Eben", werfen da die Mönche ein, "das sind wir auch."

   Ich bin ja nur auf der Durchreise hier… So hätte der heilige Ansgar sein Leben auch beschreiben können. Durchreise, das heißt ja Unterwegs-Sein; wissen, woher man kommt und wohin man geht; die äußeren Bedingungen von Reisenden akzeptieren; ein Ziel vor Augen haben. Vielleicht bietet sich als Lebensmotto an: Ich bin ja nur auf der Durchreise hier...

   Wir begehen heute – seltsam angerührt und betroffen von der Glaubens-Vision des heiligen Ansgar und sehr dankbar für seinen Missionsdienst auch in Schleswig-Holstein – wir begehen heute also zum 20. Mal in Flensburg das Gedächtnis des großen Kirchenmannes Ansgar.

   Es ist für uns ein wahrhaft wichtiges ökumenisches Datum! Heute, am 3. 2. ist Ansgars Todestag. Geboren 801, Klosterschüler bei den Benediktinern, Priester-Mönch, Kirchenführer in der ungeteilten Christenheit, Missionar und Evangeliumsbringer für Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden. 865 stirbt er als Erzbischof des jungen Erzbistums Hamburg-Bremen.

   Es tut gut, sich zu erinnern, denn Vergangenheit ist ja nicht tot – ja, (wie Christa Wolf es einmal sagte) die Vergangenheit ist nicht einmal vergangen. Weil also Ansgar nicht einfach vergangen ist, ja, weil er in besonderer Weise gegenwärtig bleibt, darum versuchen wir eine Annäherung an den "Apostel des Nordens", wie er später genannt wurde.
Diese Annäherung hat auch uns Blick, sie betrifft uns in hohem Maße. Es geht dabei überhaupt nicht um nostalgische Gefühle, sondern die Annäherung wird zeigen, wo wir bei Ansgar gleichsam in die Schule gehen können, und wieviel Grund zu großem Dank wir haben. Wir begehen also nicht nur ein Ansgar-Gedächtnis, sondern wir feiern das Geheimnis unseres Gottes, der durch seinen Knecht Ansgar Großes getan hat.

Ich frage: Wie stellt sich dieses Große dar? Anhand eines Bibelwortes versuche ich, es zu beschreiben.

So schreibt Paulus, der Apostel des Herrn: "Ich meine nicht, dass ich es schon geschafft habe oder gar am Ziel bin. Ich laufe aber auf das Ziel zu und hoffe, es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir schon Besitz ergriffen hat."
(Philipper 3 v.12)

Vier Dinge sind mir im Blick auf Ansgar von diesem Wort her wichtig.

1. Wie Paulus, so ist auch Ansgar ein von Jesus Christus Ergriffener. Er gehorcht nun seinem Heiland ganz und total. Das prägt ihn seit früher Jugend, entwickelt sich weiter im Kloster Corbie an der Somme, das begleitet ihn als Priester und bestimmt seine Glaubens-Existenz auf der Reise durch das Leben. Ansgar lebt diesen Eingriff Gottes; ja, er lebt von diesem Zugriff aus der Höhe. Und das ist wahrlich etwas Großes! Diese Größe zeigt sich bei Ansgar durch ausgeprägte Glaubenszuversicht, starke Heilsgewissheit und brennenden Eifer zur Wortverkündigung.
Wie sieht es bei uns aus? Wo es nur wenig Glaubenszuversicht gibt, da gibt es wohl auch heute wenig missionarisches Tun. Lasst uns diesen Mangel erwartungsvoll vor Gott bringen!

2. Paulus gebraucht im Bibelwort das Bild vom Wettlauf. Aber er führt jetzt keine Theoriediskussion über die verschiedenen Bedingungen, Möglichkeiten und Zielvorstellungen bei einem Wettlauf; nein, er läuft, er hat das Ziel klar vor Augen und läuft und läuft: angespannt und ausgerichtet läuft er auf das Ziel zu.
Seitdem Ansgar als junger Mann die Stimme Gottes hörte: "Geh, und verkündige den Heiden das Heil Gottes!" seitdem ist sein irdisches Ziel eindeutig beschrieben:
Auf seiner Durchreise durch das Leben will er viele mitnehmen, mitnehmen zum Heil. Das war Ansgars Ziel.

Und der Weg dahin? In der Kraft Gottes wollte Ansgar Menschen vom Glauben überzeugen, nicht zum Glauben zwingen. Achtsam ging er auch mit Menschen um, die nichts von Christus wussten. Für ihn gibt es keine Bekehrung mit Feuer und Schwert. Von ihm ist auch kein heidnisches Heiligtum zerstört worden. Ansgar konnte warten, bis die falschen Götter ausgedient hatten. Und dabei war er ein eher ungeduldiger Mensch. Aber in seinem Vorgehen, in seiner Methodik zeigte er seine Ungeduld nicht, lebte er keinen hektischen Eifer. Seine Methode beschreibe ich als liebevolle Mission. Ich könnte auch sagen: Bei Ansgar kam "die liebende Art Jesu zu leben" zum Vorschein. Mit dieser Missionsmethode wurde Ansgar bald Vorbild, Vordenker und Lehrer seiner Kirche. Er entwickelte seine Art, Mission zu treiben, zur Meisterschaft. Das ist etwas Großes!
Für unsere brennende Sehnsucht, auch andere Menschen zum Glaube zu locken, gibt es keinen besseren Weg als den Weg des Apostels Ansgar, den "Jesu-geh-voran"-Weg, den Weg der Geduld und der Liebe.

3. Ansgar kam aus dem Kloster Corbie. Rimbert, sein Freund und Nachfolger im erzbischöflichen Amt, schrieb nach Ansgars Tod eben an dieses Kloster einen langen Bericht, eine Vita, über Leben, Wirken und Sterben des großen Missionars. In dem Kapitel über Ansgars Ende wird berichtet, wie er sich auf seinen Tod vorbereitete: Immer wieder betete er: "In deine Hände befehle ich meinen Geist." Und beim Empfang von Christi heiligem Leib und Blut forderte er seine Mitarbeiter auf, geistliche Lieder zu singen und Psalmen zu beten.
Also - nicht nur im Leben, sondern auch beim Sterben lebte Ansgar auf die Verheißung zu: der Seelen Seligkeit. "Unsere Heimat ist im Himmel", dieses paulinische Wort war für ihn Gewissheit. Und Heilsgewissheit zu haben, das ist etwas Großes.
Der alte Pastor von Bodelschwingh, der Gründer der Anstalten in Bethel, sagte das Gleiche später seinen Kranken so: "Das Beste kommt noch."
Schwestern und Brüder, wir haben unsere Lebens-Durchreise noch nicht vollendet. Wir sind noch auf dem Weg, aufgespart und aufbewahrt, ans verheißene Ziel zu kommen. Wenn wir dann dort sind, wird es heißen: Das Beste ist hier!

4. In unserem Bibeltext aus dem Philipperbrief schreibt Paulus von sich: "Ich meine nicht, dass ich es schon geschafft habe oder gar am Ziel bin." Für Paulus eine ehrliche Einschätzung seiner Lage und seiner Möglichkeiten. Bei Ansgar können wir einen ähnlichen Wirklichkeitssinn vermuten. Er kann sagen: "Alles, was ich habe, habe ich von Gott empfangen." Dieser überlieferte Satz zeugt von großer geistlicher Klarheit.
Alles, was ich habe, habe ich von Gott empfangen... wenn ich das leben will, so muss ich ein ganz starkes, eindeutiges Zutrauen zu Gott haben; ein Vertrauen darauf, dass er mich hält, trägt und bewahrt - und zwar für heute, morgen und alle Ewigkeit.
Das Maß dieses Vertrauens lässt sich für uns heute vielleicht mit dem Vertrauen eines Fallschirmspringers beschreiben. Er verlässt sich zu 100% darauf, dass sein Schirm sich im Fall öffnet, dass er sicher zur Erde kommt. Und er springt, voll Vertrauen und kommt gut an.
Ein solches Vertrauen zu Gott hatte der heilige Ansgar alle Jahre seines Lebens. Solche Gelassenheit, Ruhe und Zuversicht ist auch heute denen verheißen, die alles Vertrauen auf Jesus Christus setzen. Seine Hände sind zum Auffangen, Festhalten und Bergen bereit.

Zum Schluss lese ich aus einem Brief, den Bischof Ebo von Reims an den altgewordenen Apostel des Nordens schrieb (Er gilt wohl auch für uns.): "Sei ruhig! Was wir im Namen Jesu zu schaffen begonnen, muss Frucht tragen im Herren. Ich weiß es sogar: Auch wenn unser Unterfangen bei diesen Völkern ob unserer Sünden zuweilen aufgehoben wird, gänzlich ausgelöscht werden kann es nie mehr. Es wird Frucht tragen in der Gnade Gottes und erfolgreich sein, bis der Name des Herrn die Grenzen des Erdreichs erreicht."

Soweit Ebo von Reims.
Und ich sage: Amen!


Flensburg online Ansprache zur 20. Ökumenischen St.Ansgar-Vesper / Feb-2002
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