Impressum/Datenschutz

Die Wodka-Nacht mit dir vor 30 Jahren

Ich war mit H. in irgendeiner Kneipe in München-Giesing flippern.
Er erzählte mir von den neuen Schätzen
in seiner Rolling-Stones Bootleg-Sammlung.
Und ich sagte, ich habe keinen Schatz.
Und H. sagte, er würde mich mal mit dir bekannt machen.

Einige Tage später saßen wir an der Theke
in irgendeiner Kneipe im Münchner Westen.
Erst tranken wir einen Champagner mit Wodka.
Dann neun Wodka mit Feige.
Dann machten wir einen Deal mit dem Wirt, bekamen eine ganze Flasche
und tranken nur noch Wodka.

Irgendwann guckte ich nach links rüber
und du warst vom Hocker auf den Boden gefallen.
Lagst da, auf deine Unterarme aufgestützt,
deine Beine waren weit auseinander,
dein Rock deine Schenkel hochgerutscht
und ich konnte deine weiße Unterhose sehen.

Wenn ich jetzt nicht so fürchterlich besoffen wäre,
sagte ich zu dir runter,
dann würde ich jetzt irgendwie erregt werden
und mit dir schlafen wollen.

Und du lachtest und
legtest dich ganz auf den Rücken,
weil du dich nicht mehr aufstützen konntest.
Ich wollte aufstehen und dir helfen,
aber kippte mit dem Hocker zur anderen Seite weg.

Wir torkelten an der Hauswand lang
und wir wußten nicht, wer wen hält auf dem Weg zu deiner Wohnung.
Zwischen dem dritten und vierten Stock
blieben wir im Treppenhaus hängen.

Ich glaub, sagte ich, wir sind falsch gegangen.
Mir geht der Sauerstoff langsam aus.
Wir müssen die Baumgrenze schon lange hinter uns gelassen haben.

Und dann lachten wir über dem Treppengeländer hängend.

In deiner Wohnung fielst du auf dein Bett.
Ich legte mich auf’s Sofa und hätte was drum gegeben,
wenn sich die Welt nicht mehr um mich drehen würde.

Von deinem Bett hörte ich dein schweres Atmen im Schlaf.
Und ich dachte trotz all dem wirren Alkohol in meinem Blut
doch wieder nur an A., mit der nicht nur die Liebe,
sondern sogar das Saufen ganz anders gewesen war:
Und als es 1 war, torkelten wir wirres Zeug lallend runter zum Rhein und lachten uns halb tot, dass wir nicht miteinander schlafen konnten.
“Liebst du mich denn trotzdem?”,
fragtest du.
“Oh ja”, sagte ich.
“Ich dich auch.”

Wie das Lieben zwischen uns war, weiß ich nicht mehr.
Wir brachten es am nächsten Morgen irgendwie hinter uns,
weil es wohl dazu gehörte, wenn man die Nacht zusammen gewesen war.

Wir sahen uns dann Monate später mal im Foyer vom Malteser Filmpalast.
Du am Arm von nem flotten Typen.
Ich mit einem armen Mädel,
das hinterher doch wieder nur fragen würde,
was ich denn habe,
wenn ich am Fenster stehe, den Nachtwolken nachgucke
und nicht einschlafen mag.

Wir waren so entgegenkommend,
daß wir niemanden merken ließen,
daß wir uns kannten.
Was hätten wir unseren Partnern auch erzählen sollen?
Und so lächeltest du nur für einen halben Augenblick.
Ja, blinzelte ich zurück, das war echt lustig mit uns in der Kneipe.


Anzeigen -