Die Rede von Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner anlässlich des Besuches des dänischen Kronprinzenpaares im Flensburger Rathaus am 6. Mai 2009 (es gilt das gesprochene Wort! Freie Übersetzung der in Dänisch gehaltenen Rede)
“Ihre Königlichen Hoheiten Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary!
Liebes Kronprinzenpaar!
Es ist mir eine Ehre und Freude Sie im Namen der Stadt Flensburg aber auch ganz persönlich hier bei uns in Flensburg recht herzlich begrüßen zu dürfen.
Heute ist ein ganz besonderer Tag für Flensburg und wir verdanken es der Dänischen Minderheit dieser Stadt, dass wir Dänemarks wahrscheinlich bekanntestes und beliebtestes Paar willkommen heißen können!
Gleichermaßen möchte ich Herrn Botschafter Carsten Søndergaard, Herrn Minister Bertel Haarder, Herrn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und alle weiteren Anwesenden recht herzlich begrüßen.
Ihre Königlichen Hoheiten sind ja hier zu Besuch bei der Dänischen Minderheit – und eben diese Dänische Minderheit und die wechselhafte dänisch/deutsche Geschichte unserer Stadt machen Flensburg so einzigartig. In diesem Jahr feiern wir Flensburgs 725-jähriges Stadtjubiläum – und heute befinden wir uns hier auf deutschem Boden.
580 Jahre lang aber gehörte Flensburg zur Dänischen Krone und die Stadt hatte ihre Blütezeit in dieser dänischen Periode. Deshalb hängen hier im Saal ja auch die Bilder der dänischen Regenten. Denn die Privilegien des dänischen Königshauses machten Flensburg einst zu Nordeuropas wichtigster Handels- und Seefahrerstadt – und zwar im 16. sowie im 18. Jahrhundert.
Mit anderen Worten: nur ganze 20% des Bestehens ist Flensburg deutsch gewesen. Und auch heute noch wissen wir manchmal nicht so genau, ob wir Deutschlands nördlichster oder Dänemarks südlichster Teil sind. In der Praxis sind wir tatsächlich oft beides auf einmal. Ein Beispiel dafür: ich als Oberbürgermeister von Flensburg bin dienstlich öfter zu Besuch in Kopenhagen als in Berlin.
Die dänische Minderheit spielt eine sehr bedeutende Rolle für Flensburg, ersichtlich z.B. daran, dass der SSW -die Partei der Dänischen Minderheit- die zweitgrößte politische Partei im Stadtrat ist. Bei der letzten Wahl fehlte es nur an etwa 70 Stimmen, dann hätte der SSW die Wahl gewonnen.
Politische Zusammenarbeit über geografische und sprachliche Grenzen hinaus – das ist Alltag für uns. Das ist für uns nichts Besonderes. Und gerade dieses Selbstverständnis dürfte wohl das Besondere sein! Wir denken, dass gerade die deutsch-dänische Zusammenarbeit uns eine besondere Stärke, Toleranz und Offenheit verleiht. Wir werden oft als “Stadt der 2 Kulturen” bezeichnet. Selber aber erleben wir uns eher als Stadt mit einer besonderen Kultur, einer dänisch-deutschen Gemeinschaftskultur.
In aller Bescheidenheit möchte ich behaupten, dass die Bürger unserer Stadt über die besten Eigenschaften zweier Nationen verfügen: deutsche Gründlichkeit gepaart mit dänischer Gemütlichkeit.
Die deutsch-dänische politische Zusammenarbeit zwischen Süddänemark und Norddeutschland funktioniert gut. Unser gemeinsamer Regionsrat ist inzwischen schon 10 Jahre alt. Wir haben auch ein gemeinschaftliches Regionskontor und Informationscenter in Padborg. Hier werden besonders Grenzpendler, Arbeitnehmer und Arbeitgeber von beiden Seiten der Grenze beraten – in beiden Sprachen. Im Übrigen ist es sicher erwähnenswert, dass wir hier in dieser Region genau so viele Grenzpendler haben wie in der Øresundsregion, nämlich etwa 19.000 Menschen, die jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit die Grenze passieren. Wir würden uns wünschen, dass diese Tatsache sich größerer öffentlicher Aufmerksamkeit erfreuen würde.
Es gibt weiterhin eine sehr gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Flensburgs Hochschulen und der Syddansk Universitet. Und schließlich haben wir im letzten Jahr auch noch eine Zusammenarbeit im Städtedreieck Appenrade, Sonderburg und Flensburg ins Leben gerufen.
Eine ganz besondere Erfolgsstory ist zudem die international bekannte und erfolgreiche Handballmannschaft SG Flensburg-Handewitt, welche ihre Erfolge nicht zuletzt den dänischen Spielern verdankt.
So darf ich also zusammenfassend feststellen, dass Flensburg zwar offiziell ziemlich deutsch aber eben kulturell auch sehr dänisch ist.
Zum Schluss: Ich habe noch ein kleines Geschenk für Sie, das ich nachher gerne überreichen möchte. Zunächst aber darf ich Ihre Hoheiten bitten, sich in das Goldene Buch der Stadt Flensburg einzutragen.”
