Vielleicht liest das jemand, der überlegt, ob er sich umbringen soll. Oh bitte, tun Sie es nicht. Ich als Überlebender eines Selbstmörders kann Ihnen gar nicht beschreiben, in was für eine Not & Pein die Angehörigen eines Selbstmörders fallen. Mein Sohn hat gedacht, er würde damit ein Problem lösen und uns helfen. Das Gegenteil ist der Fall.
Ich übertreibe nicht: Die Schmerzen und der Kummer, den ein potentieller Selbstmörder fühlt, ist nicht so schlimm wie das, was die vielen Menschen wie Eltern und Geschwister und Angehörige und Freunde eines Selbstmörders durchmachen. Fallen Sie also nicht auf die Irreführung herein, daß ein Selbstmord irgendwie Probleme lösen würde und Sie irgendwem damit helfen würden. Es macht alles viel, viel schlimmer.
Wenn jetzt vielleicht jemand derart sauer auf andere ist (Liebende haben Sie verlassen; Mitmenschen Sie schlecht behandelt; Eltern Sie verletzt oder fertig gemacht), daß er bei obigen Zeilen denkt ‘Klasse! Dann bring ich mich um, damit es den anderen nach meinem Tod richtig mies geht’ – wenn Sie das denken sollten machen Sie einen großen Fehler. Denn wenn Sie jemandem so wenig bedeuten, daß er Sie schlecht und mies behandelt, dann wird der sicherlich von Ihrem Tod nicht sonderlich betroffen sein.
Also auch in so einem Fall lohnt sich ein Selbstmord nicht.
Freitod? Was ist frei daran?
Zu Selbstmord sagt man auch gerne ‘Freitod’. Aber mal ehrlich, was ist _frei_ daran? So verzweifelt zu sein, daß man nicht mehr mag, daß man meint, man kann einfach nicht mehr. Ist das ‘Freiheit’, wenn man derart von Angst, Sorgen, Verzweiflung, Aussichtslosigkeit niedergedrückt wird, daß man keine Kraft mehr für den nächsten Tag hat? Ne, Freiheit ist das nicht.
Schön und gut. Aber wenn es mir doch sooo schlecht geht?! Was soll ich tun, um mit dem Leben wieder klar zu kommen?
Was tun? Genau das, was ich als Überlebender eines Selbstmörders auch tun muß, um mit dem Schmerz und der Verzweiflung irgendwie fertig zu werden. Nämlich:
Reden. Beten. Versuchen rauszukommen aus Kummer & Schmerz. Bimmeln Sie bei der Telefonseelsorge durch (0800-1110111; anonym, gebührenfei, rund um die Uhr). Bücher von anderen Betroffenen lesen, um zu sehen, wie die damit fertig wurden. Raus zum Spazieren, wenn es unerträglich wird. Die Wände hoch und wieder runterlaufen.
Manchmal – und das ist in diesen Monaten nach dem Selbstmord meines Sohnemannes nicht selten der Fall – kann ich gerade eben nur einen kleinen Schritt tun: Atmen. Aufstehen. Abwaschen. Eine winzige, lächerliche Sache. Und wenn ich die geschafft habe, denke ich: “Siehste, geschafft. Es geht doch”. So kommt man Schritt für Schritt irgendwie aus der Verzweiflung raus.
Die beste Hilfe: Wie finde ich zu Gott? Ganz einfach über Jesus




