Ein „Gipfeltreffen“ der besonderen Art gibt es am Samstag, dem 20. März 2010, um 20 Uhr, im Kurhaus Bad Hamm: Elisabeth Leonskaja, Grande Dame der Pianistenszene, interpretiert Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5.
Ein Werk von dem nicht nur Klavierpapst Joachim Kaiser schwärmt, dass es das großartigste aller Klavierkonzerte überhaupt sei: „Es verlangt vom Pianisten virtuose, stetige Kraft, es wagt manchmal einen dionysischen Rausch. Es billigt dem Solisten dafür freilich auch die glanzvolle Erweiterung des wahrhaft napoleonischen, symphonischen Marschtritts zu.“
Seit Jahrzehnten schon zählt Elisabeth Leonskaja zu den großen Pianistinnen unserer Zeit. Geboren als Tochter russischer Eltern im georgischen Tiflis, galt sie schon früh als Wunderkind.
Mit elf Jahren gab sie erste Klavierkonzerte in der georgischen Hauptstadt, 1964 begann sie ein Studium am Moskauer Konservatorium bei Jacob Milstein, gefördert wurde sie vom legendären Swjatoslaw Richter, der ihr zeitlebens Mentor und Vorbild blieb. Der geniale Pianist erkannte ihr außergewöhnliches Talent und unterrichtete sie nicht nur, sondern spielte auch etliche Duo-Konzerte mit ihr, die musikalische Ereignisse waren.
1978 verließ Elisabeth Leonskaja die Sowjetunion, um Wahlwienerin zu werden. Ihr sensationeller Auftritt bei den Salzburger Festspielen 1979 markierte den Anfang einer eindrucksvollen Konzertkarriere im Westen. Das Pariser Musikmagazin Diapason würdigt sie: „Der Weg Elisabeth Leonskajas ist ein Weg der Gipfel. Indem sie sich immer wieder selbst übertrifft sowie durch ihren hohen Anspruch, ihre Leidenschaft und Intelligenz stellt sie sich in eine Reihe mit den Größten, nicht allein von heute, sondern der ganzen Epoche.“
Ihre fast legendäre Bescheidenheit macht Elisabeth Leonskaja noch immer medienscheu. Betritt sie aber die Bühne, spürt das Publikum die Kraft, die daraus erwächst, dass sie die Musik als ihre Lebensaufgabe empfindet und pflegt.
Klangvoll unterstützt wird Elisabeth Leonskaja vom Württembergischen Kammerorchester unter der Leitung von Ruben Gazarian. Der gebürtige Armenier ist seit 2002 Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn. Im gleichen Jahr gewann er auch den Internationalen Dirigentenwettbewerb „Sir Georg Solti“ und wurde dank seiner Präzision und Intensität als der neue Bernstein gefeiert.
Neben Beethovens letztem Klavierkonzert steht ein weiteres Werk des großen Komponisten auf dem Programm: seine Sinfonie Nr. 3, die „Eroica“, die als musikgeschichtlicher Wendepunkt gilt. Mit ihr ebnete Beethoven den Weg in die „heroische Periode“, schuf ein avantgardistisches Experiment, das die Gesetze der Sinfonik neu bestimmte.
Dass Beethoven die „Eroica“ zunächst dem bewunderten Bonaparte widmete, die Widmung dann in Enttäuschung über dessen Wandlung zum Tyrannen zerriss, ist verbürgt.
Dass er mit der „Eroica“ ein poetisches Tongemälde schrieb, das um die Themen Heldentum, Revolution und Menschwerdung kreist, hat bis heute Bestand. Vieles verweist auf das bonapartische Frankreich wie die Anklänge an französische Revolutionsmusik mit einer völlig neuen Bedeutung der Bläser, Anklänge ans Ballett oder der „Marcia funebre“, dem Trauermarsch, als Hommage an die französische Totenehrung.
Von Anfang an war den Hörern der epochalen Sinfonie bewusst, dass sie Zeugen der „größten, originellsten, kunstvollsten und zugleich interessantesten aller Sinfonien“ waren, die bis dahin geschrieben worden waren.





