Eine Gedenkstätte für ungeborenes Leben auf dem Friedhof in Riem (neuer Teil) hat Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt, am Mittwoch, dem 7. Juli 2010, bei einer Feierstunde der Münchner Bevölkerung übergeben.
Nach der Skulptur am Waldfriedhof und der Gedenkstätte am Westfriedhof ist der Friedhof Riem die dritte städtische Anlage mit einem Grabmal für Kinder, die viel zu früh gestorben sind.
Entstanden ist der Ort der Erinnerung in Riem auf Anregung des Erzbischöflichen Ordinariats sowie Truderinger und Riemer Kirchengemeinden.
„Es gibt keinen schmerzvolleren Verlust, als den des eigenen Kindes“, sagte Joachim Lorenz bei der Feier auf dem Riemer Friedhof. Umso wichtiger sei es, Eltern nach einer Fehlgeburt einen Rückzugsort anzubieten. „Dieses Grabmal soll ein Ort werden, an dem Mütter und Väter Abschied nehmen und ihres Kindes gedenken können.“
Das aus Cortenstahl hergestellte Grabmal, auf dem eine Scheibe steht,
hat der Grafinger Bildhauer Robert M. Weber gefertigt. Es versinnbildlicht den „Kreislauf des Lebens“. Auf der Kreisfläche sind Mosaike angebracht, einzelne der vielen hundert Steine sind aus Glas.
Es sind die Tränen der Eltern, die Robert M. Weber eingearbeitet hat. Das Grabmal trägt die Inschrift „Du führst mich hinaus ins Weite. Du machst meine Finsternis hell.“ (Psalm 18)
Den Abschied nannte Lorenz einen intimen Moment. Deshalb müsse auch die Skulptur eine gewisse Intimität vermitteln, was Weber
aus Sicht des Referenten gelungen ist. „Eltern können sich einen Mosaikstein aussuchen und haben so ein individuelles Zeichen, einen persönlichen Ort, an dem sie ihres verlorenen Kindes gedenken können“, erklärte der Theologe und ehemalige Galerist Dr. Andreas Link die Arbeit des Künstlers.
Geweiht und gesegnet wurde die Gedenkstätte bei einer ökumenischen Feier von Pfarrerin Kerstin Scherer und Pfarrer Herbert Kellermann.
„Diese Skulptur ist für Eltern, Geschwister und alle Verwandten der Mädchen und Buben, die nicht auf die Welt kommen durften“, sagte Lorenz.
„Hier dürfen Tränen fließen und die Gewissheit wachsen, dass diese Kinder in der Hand Gottes geborgen sind“, so Pfarrer Theo Seidl von der katholischen Pfarrei Christi Himmelfahrt in Waldtrudering, die, angeregt von betroffenen Familien, die Initiative für die Gedenkstätte in Riem ergriffen hat.
Lobend strich Lorenz das bürgerschaftliche Engagement hervor: „Bastelkreise, Eltern-Kind Gruppen, Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände aus sieben Truderinger und Riemer Pfarreien haben sich für dieses Denkmal eingesetzt.“
Der Gedenkort sollte für alle sieben Kirchengemeinden zentral liegen. „Deshalb haben wir uns für den Riemer Friedhof entschieden“, erklärte Pfarrer Seidl. Bestattet jedoch werden ungeborene Mädchen und Buben im Waldfriedhof.
Die sieben Kirchengemeinden sind:
die katholischen Gemeinden Christi Himmelfahrt,
St. Augustinus,
St. Florian,
St. Franz Xaver,
St. Peter und Paul sowie
die evangelischen Gemeinden der Friedens- und Sophienkirche.
Die Gesamtkosten für das Grabmal belaufen sich auf rund 26.000 Euro,
wovon 13.500 Euro die Pfarreien aufgebracht haben. Die weiteren rund
12.600 Euro hat die städtische Friedhofsverwaltung mit Hilfe von Spenden finanziert. „Ich danke der Münchner Bevölkerung und den Pfarreien“, sagte Lorenz. „Mit diesem Engagement könnte der Gedanke der Nächstenliebe nicht besser zum Ausdruck gebracht werden.“
