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Was tut eigentlich so ein Schiedsmann? Schiedsleute der Stadt Greven

Krähende Hähne, bellende Hunde, unerwünschter Baumschatten – mit diesen und vielen weiteren Themen beschäftigen sich die drei Schiedsleute der Stadt Greven.

Sie trafen sich in dieser Woche zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch im Rathaus. Es war eine lebhafte Runde bei der schnell deutlich wurde: die drei erfüllen diese Aufgabe mit Begeisterung und Freude.

Schiedsfrau Eva Jestädt
“Wenn es mir gelungen ist, zwei Parteien an einen Tisch zu bekommen und eine Einigung zu erzielen, dann fahre ich richtig zufrieden nach Hause”, berichtet Eva Jestädt.

Sie ist seit drei Jahren Schiedsfrau für den Bezirk Greven links der Ems. Vor ihrem Ruhestand war sie im Schuldienst tätig und hatte viel mit dem Thema Streitschlichtung zu tun.

Schiedsfrau wurde sie, weil sie den Wunsch hatte nach ihrer Berufstätigkeit etwas Sinnvolles zu tun.

“Man muss zuhören können, verstehen können, was der andere für ein Problem hat, absolut diskret sein und man darf sich nicht vereinnahmen lassen”. So beschreibt Erika von der Forst die Eigenschaften, die man als Schiedsfrau oder -mann mitbringen sollte. Sie ist bereits seit 15 Jahren Schiedsfrau für Greven rechts der Ems. “Das macht wirklich Spaß – sonst hätte ich das nicht so lange gemacht”, betont sie.

Man muss zuhören können
Früher ging es auch häufiger um strafrechtliche Dinge, aber damit beschäftigt sich heute in der Regel die Staatsanwaltschaft. Heute geht es fast immer um Streitigkeiten in der Nachbarschaft, wenn die Schiedsleute aufgesucht werden.

“Manchmal schwelt der Streit schon seit Jahren oder sogar über Generationen”, weiß von der Forst zu berichten. “Dann ist es natürlich besonders schwierig, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.”

Wann geht man denn zum Schiedsmann oder zur Schiedsfrau?
“Die Leute kommen freiwillig zu uns und schildern ihr Anliegen. Häufig haben sie sich zuvor an das Ordnungsamt gewandt, das sie an uns verweist. Wir hören zu, fahren raus und sehen uns die Situation vor Ort an.

Wenn wir dann den Eindruck haben, wir müssen tätig werden, stellen wir einen entsprechenden Antrag. Diesen Antrag zusammen mit einer Ladung zu einem Termin erhält dann die andere Person in der Regel mit der Post”, schildert Jestädt das Verfahren.

“Ich überbringe die Ladung allerdings grundsätzlich persönlich”, so Frank Näfelt. “Die Person, die die Ladung erhält, kann erstmal ihren Frust loswerden und die Situation aus ihrer Sicht schildern. Ich habe dann einen persönlichen Eindruck von beiden Parteien, das ist für den Schlichtungstermin sehr hilfreich”, erläutert der Schiedsmann, der seit fünf Jahren für den Bezirk Reckenfeld aktiv ist.

Unbürokratisch und kostengünstig
Manche streitende Parteien waren auch zuvor bei Gericht und wurden von diesem an die Schiedsstelle zurückverwiesen. “Bei vielen Privatklagen oder bei nachbarrechtlichen Streitigkeiten ist eine Schlichtungsverhandlung vor Schiedsleuten sogar gesetzlich vorgeschrieben. Wenn die Parteien an uns zurückverwiesen werden, haben sie in der Regel schon ordentliche Anwaltskosten zu begleichen”, weiß von der Forst.

Das Schiedsverfahren hat nach Überzeugung der drei Grevener Schiedsleute viele Vorzüge: “Es ist unbürokratisch und geht sehr schnell. Außerdem ist es sehr kostengünstig, denn Kosten werden erst fällig, wenn es zu einem formellen Schiedsverfahren kommt.”

Aber im Gegensatz zu den Erwartungen, die ihnen manchmal entgegengebracht werden, hauen die Schiedsleute nicht “auf den Putz” und “sagen auch niemandem die Meinung”. “Unsere Aufgabe ist es zu schlichten und zu moderieren. Wir können kein Urteil fällen, wir können nur helfen, eine Lösung zu finden,” beschreibt Jestädt den Charakter des Schiedsverfahrens.

“Wenn die beiden Parteien nicht weiterkommen, mache ich auch schon einmal einen Vorschlag, wie es gehen könnte”, erläutert von der Forst.

“Aber wir stehen unter keinem Erfolgszwang: Wenn die streitenden Parteien keine Lösung finden, dann ist das eben so.”

Wir hauen nicht auf den Putz
“Der Zeitaufwand ist überschaubar”, sind sich die drei einig. Durchschnittlich fünf Stunden pro Fall, inklusive Erstgespräch, Antrag und Protokoll schätzt Frank Näfelt. Zwischen vier und zehn Fällen pro Jahr haben die drei Schiedsleute jeweils zu verzeichnen. Darüber hinaus gibt es allerdings auch viele “Tür-und-Angel-Gespräche”.

“Manche Leute wollen einfach mal Dampf ablassen”, weiß Erika von der Forst. “Andere lassen sich beraten und suchen dann selbst noch einmal das Gespräch mit dem Nachbarn”, so Erika Jestädt. Manchmal melden sich diese Menschen dann später noch einmal bei ihr und berichten, wie das Gespräch gelaufen ist – oft ganz erfreut darüber, dass eine Lösung gefunden wurde.

Juristische Vorkenntnisse muss man nicht haben, um Schiedsfrau oder -mann zu werden. “Aber der gesunde Menschenverstand allein reicht auch nicht. Man muss sich schon juristische Kenntnisse aneignen, denn man will ja auch nichts falsch machen”, so Jestädt. Darum bietet das Land Nordrhein-Westfalen Fortbildungen für die Schiedsleute an.

“Es gibt einen Einführungslehrgang und Fortbildungen zum Straf-, Zivil- oder Nachbarschaftsrecht”, erläutert Frank Näfelt. “Diese Fortbildungen sind wirklich sehr interessant. Und in meine Rechtsbücher schaue ich bei jedem Fall.”

Neue Schiedsperson gesucht
Ein Entgelt erhalten die Schiedsleute für ihre Tätigkeit nicht. Aber alle anfallenden Auslagen werden erstattet, Fortbildungen finanziert und Räumlichkeiten im Rathaus zur Verfügung gestellt. Bei einem Verdienstausfall erhalten Schiedsleute zudem eine Entschädigung.

Ab Januar 2011 wird in Greven für den Bereich rechts der Ems eine Schiedsfrau oder ein Schiedsmann gesucht. Erika von der Forst wird dann nach 15-jährigem Engagement aus persönlichen Gründen nicht mehr dafür zur Verfügung stehen.

Wer sich für diese anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit interessiert, erhält weitere Informationen bei der Stadt Greven, Marita Hemsing, Tel. 02571 920-227.

Hinweise zum Schiedsamt gibt es auch im Internet:
www.streitschlichtung.nrw.de

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