Mein Umgang mit Messern ist, äh, nicht ganz ungefährlich. Ich schneide Äpfel in der fahrenden U-Bahn, repariere technische Geräte gern mit scharfer Klinge und werde von Frauen oft hinzugezogen, wenn es darum geht, einen Fisch auszunehmen oder Geflügel zu entbeinen. Nun habe ich mich aber zum ersten Mal tatsächlich mit dem Messer verletzt, und das auf eine Weise, mit der ich nimmer gerechnet hätte. Da mein Manufaktum-gestählter Brot-Zerteiler gerade im Spülbecken lag, griff ich zu einem uralten No-name-Messerchen, um mein Korianderbrot aufzuschneiden. Und kurz vor vollendetem Schnitt brach es einfach entzwei und schnitt mich – nicht etwa mit der Schneide, sondern mit der Bruchkante.
Küchenunfälle (1)
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Millionäre und der Blubb
Kulinarisch kann man sich darüber streiten, denn nicht immer schmeckt das Glatte, Schöne besser als das Rumplige, schief Gewachsene. Ich ziehe immer noch eine faltige Ochsenherz-Tomate jeder stromlinienförmigen Holland-Tomate vor, und auf 24 Karat im Essen kann ich gern verzichten. Auf einer Schmuckpräsentation von Bulgari kam ich einmal in den Genuß von Risotto mit Blattgold, sah nett aus, schmeckte aber kaum nachhaltig. Und war nicht weiter schlimm. Deshalb verstehe ich es auch nicht so ganz, wieso sich alle Welt darüber aufregt, daß es auf der Millionaire Fair dieser Tage güldene Lutscher und in Blattgold gewickelte Zigarren gibt. Wo sonst, wenn nicht auf so einem Protzmarkt? Dekadent ist das nicht. Mich regt es weit mehr auf, wenn reiche Bengel trotz ihrer finanziellen Potenz ihrem Luxuskörper Fast Food von McDonald’s zumuten, wo sie sich doch wirklich besseres leisten könnten. Am Gold können sie von mir aus gerne ersticken.
(Bild: deLafée/Promo)
MTV Designerama – die Show abseits der Bühne
Aber schöner, als vor dem Fernseher zu sitzen, ist es natürlich mittendrin zu sein.
Etwa in zwei Wochen beim MTV Designerama in Berlin. Nicht nur, weil mir das Verhältnis von acht Stunden Party für eine Stunde Sendezeit gefällt. Oder ein Auftritt von Deichkind aus nächster Nähe noch mal so gut ist. Sondern weil manchmal die interessantesten Details gar nicht über den Sender gehen. Die wirklichen Trends. Die heißesten Accessoires. Die Schuhe. Schuhe werden gemeinhin unterschätzt. Dabei könnte man mit einer Bildergalerie all der Schuhe, die während der Emmy-Verleihung getragen werden, viel über deren Träger erfahren. Doch die Kameras halten immer auf die Köpfe. Und selbst bei einer Modeveranstaltung wie dem Designerama gibt es zwar Pressebilder der zu erwartenden Mode – doch die Beine werden gekappt, dabei wüßte ich wirklich gern, was die junge Dame hier zu ihrem traumhaften Rock von IVANAhelsinki trägt: Ankle Boots, Pumps, Sneakers? Nein, Sneakers auf gar keinen Fall. Denn Sneakers sind seit 2006 out. Um das mitzubekommen, mußte ich aber auch erst einmal zum Designerama nach Berlin fahren. Denn während in München alle Szenegänger, Hot Chicks und Entertainmentmuschis noch in Turnschuhen herumliefen, trug bei den hunderten von MTV-Gästen in Berlin keine einzige Frau Sneakers. Im Fernsehen war davon natürlich nichts zu sehen. Weshalb ich heuer wieder unbedingt zur Modenschau nach Berlin muß. Damit ich weiß, was die deutsche Frau 2009 tragen wird.
Senfo Spirito
Nichts gegen das Traumduo Benedetto & Sarko, aber die Begegnung Frankreichs mit der römisch-katholischen Kirche hat schon weit Verführerisches hervorgebracht, nämlich die Moutarde Violette de Brive au mout de raisin. Seine modisch topaktuelle Farbe verdankt der Senf dem beigefügten Traubenmost. Angeblich sollte so verhindert werden, daß sich Kardinäle ihre purpurne Tracht bekleckern. Fakt ist dagegen, daß er verboten gut schmeckt, ob zu Würstchen, kaltem Braten oder Avokado.
FdH bei Apple
Cleanes Weiß, runde Ecken, Steve Jobs hat bei Apple schon immer sehr aufs Optische geachtet, und so gab es heute bei der Präsentation der neuen iPod-, iTouch- und iTunes-Generation im Münchner Showroom auch nicht einfach nur Brezn und Hörnchen, sondern kunstvoll halbierte wie drapierte Brezn und Hörnchen.
Tag für Tag erfolgreicher
Karriere ist ein steter Prozeß. Eine Beförderung kommt selten über Nacht. Der Job verwandelt sich nicht schlagartig, bloß weil wir gerade den neuesten Ratgeber verschlingen oder eine To-do-Liste abarbeiten. Deshalb sind Blogs die perfekten Coaches. Denn sie begleiten uns kontinuierlich mit neuen Anregungen durch unser Berufsleben.
Für die gerade erschienene Oktober-Nummer des „Maxim“ habe ich mich nach den interessantesten deutschsprachigen Job- und Karriereblogs umgesehen. Vier davon haben es auf Seite 126 ins Heft und auf die Maxim-Homepage geschafft: Die Karrierebibel, die JuraBlogs, der Entscheiderblog und – kein Blog, aber dennoch hilfreich – das Management-Radio. Sechs weitere will ich hier vorstellen:
Glück statt Geld
Andere schielen auf Effektivität, für Wolff Horbach ist aber schlicht der „Faktor G“: das Glück die entscheidende Größe für Erfolg und Zufriedenheit.
Wehret den Zeitdieben
Die Profis des Schweizer Blogwerks füllen ein halbes Dutzend Webseiten, die sich etwa mit der Medienbranche, Frauenthemen oder Testberichten beschäftigen. Aus der Not, diese Arbeit konzentriert zu erledigen, entstand der Job-Blog „imgriff“. Dort verraten vier Autoren, welche Tools und Links ihnen beim Selbstmanagement helfen. Die besten Tips werden zu Serien zusammengefasst und dann als E-Book angeboten.
Mentaltraining
Organisation ist nicht alles. Norbert Haag hilft mit nachhaltigen Fragen vor allem Selbständigen, ihre Motivation zu finden. Hört sich, auch im Titel: „In(Ex)novation – Neues Denken“, anstrengend an, liest sich aber flott.
Meinungsstark
Seit über zehn Jahren liefert „Managementwissen Online“ Buchbesprechungen und Branchennews. Inzwischen bloggt Chefredakteur Olaf Thönneßen auch, blickt dabei hinter die nackten Nachrichten und stellt Zusammenhänge her.
Der Vertriebsstammtisch
Jeder hat etwas zu verkaufen und sei es nur sich selbst und seine Leistung. Deshalb sind die Tips und Tricks der fünf Vertriebsprofis von „No big deal“ eine amüsante wie anregende Lektüre. Der Praxisbezug hat seinen Preis: Da wartet man schon mal eine Woche oder länger auf einen neuen Beitrag.
Einblick in die Personalabteilung
Mäuschen spielen bei den Torwächtern der Human Resources: Im „Personaler Blog“ veröffentlichen mehrere Dozenten, Psychologen, Unternehmensberater und die Personalreferentin von Rolls Royce – mal mehrmals die Woche, dann wieder mit längeren Pausen – Ratschläge für ihresgleichen, und wir dürfen mitlesen.
Abendmahl
Ich habe nie so recht begriffen, warum Hunger der beste Koch sein soll? Weil man dann am kreativsten improvisiert? Oder weil man für alles dankbar ist – nur im Grunde gar nicht als bester Koch, sondern als dankbarster Gast?
Gekocht habe ich heute angesichts leerer Küchenschränke und Kühlfächer gar nicht. Aber Apfel mit Leberwurst kombiniert. Und bin ob dieser einfachen wie leckeren Kombination schlichtwegs begeistert.
Gut geplörrt Löwe
Schöfferhofer Grapefruit. Würg. Mehr muß man nicht sagen. Wäre aber langweilig. Und könnte das Mißverständnis wecken, ich hätte etwas gegen Mischgetränke. Keineswegs. Schließlich gibt es bei uns in Bayern eine Tradition sommerlicher Schaumgeburten wie Radler (Helles/Limo) oder Russ (Weißbier/Limo) – die aber grundsätzlich nicht flaschenfertig, sondern frisch vom Zapfhahn gemischt sein sollten. Überraschend gut war auch Tuborg-Cola, ein Geschmackserlebnis, das ich auf einen Frankfurter Buchmessenabend mit Nane zurückdatiere, wenn mich mein Gedächntnis nicht täuscht. Und das meiner Erfahrung nach auch nur mit Tuborg wirklich gut schmeckt. Andererseits sind Nachmittage im Biergarten oder nächtliche Saufeskapaden mit Nane Momente, die so ziemlich alles munden lassen.
Was bei Stehrumchen nicht unbedingt der Fall ist. Stehrumchen pflegte mein ehemaliger Redaktionsleiter Moritz Müller-Wirth all jene gesellschaftlichen Empfänge zu nennen, die er sich gern ersparte, wenn sie nicht gerade seiner Karriere förderlich waren, und unter anderem mich stattdessen hinschickte. Sozusagen die Sättigungsbeilage im Medienalltag, das Schlaraffenland unterbezahlter Freelancer: Häppchen, Alkohol und notdürftig bedeckte Entertainmentmuschis – nur eben jeden Abend die gleichen Schmankerl, Drinks und willigen Mädels. Nun sind meine Tage als allgegenwärtiger Gesellschaftskolumnist lange passé, weshalb ich gestern nach monatelanger Stehrumchenabstinenz eher zufällig auf die Geburtstagsparty von MGM Deutschland geriet und mich doch gleich heimisch fühlte: Das Büffet. Die Bar. Die Blondinen und Brünetten. Nur eins war neu: Schöfferhofer Grapefruit. Aber man muß ja nicht jeden neumodischen Unsinn goutieren.
Digestive Halbwertszeit
Gestern habe ich binnen zwölf Stunden mehr gegessen als in den zehn Tagen zuvor insgesamt, aber das ist auch nicht verwunderlich, wenn man Geburtstag hat. Alle Mahlzeiten waren aushäusig, wie es bei einer Magical Mystery Birthday-Tour vorkommt, und schlußendlich ist es mir nicht so toll bekommen. Nicht daß mir davon übel geworden wäre, gekotzt habe ich das letzte Mal Mitte der achtziger Jahre, wie ich erst letzte Woche einer Medizinstudentin versichern konnte. Medizinstudentinnen fragen solche Dinge. Und mein Lebensstil ist seit den achtziger Jahren nicht unbedingt besser geworden ist, andererseits mein einziger Filmriß auch in den achtziger Jahren vorkam, aber darum soll es hier und heute nicht gehen. Jedenfalls zog es mich nach diversen Marmeladensemmeln, Cappuccios, Popcorn, Schokomuffins, einem Shrimpscocktail, Lammbraten, wiederaufgetauten Kirschstreuselkuchen, Schokoladenhasen namens Kristina (fragt f.k. wieso), Englischem Kuchen, Misosuppe, Sushi und diversen anderen japanischen Delikatessen aufs Klo. Und immer wenn ich dort sitze und auf Durchfluß programmiert bin, rätsle ich über die Ursache: Das Frühstück? Das Mittagessen? Das Dinner? Das Häppchen zwischendurch? Wie lange, dauert es, bis uns etwas Unverdauliches oder Infiziertes wieder verläßt? „Wenige Stunden“, eine präzisere Angabe fand ich auf die Schnelle beim Googeln nicht.
Prinz Sandmann
Dornröschen und Schneewittchen gibt’s nur im Märchen. Denn im richtigen, also meinem Leben leiden Frauen eher an Schlaflosigkeit. Und das liegt nicht daran, daß ich nachts im Schlaf wie ein Walroß schnaube, schnaufe und für Unruhe sorge, denn ausnahmsweise soll hier nicht von Damen die Rede sein, die bei mir schlafen. Sondern von Mädels, denen ihr Leben den Schlaf raubt und die nachts keine Ruhe finden, weil die Prüfung in Veterinärmedizin bevorsteht, sie mit ihrem Gemälde nicht so richtig weiterkommen oder ihr Liebesleben völlig verquer liegt. Die schlaflose Mehrheit eben. Die mit blassem Gesicht, finsteren Augenringen und unübersehbarer Verzweiflung meinen Weg kreuzt. Und meistens endet es damit, daß ich sie um etwas Geduld bitte, schnell aus meinem Stammcafé in meine Wohnung hochrenne und mit meinem Wundermittel zurückkehre. Mal mit ein paar Kräuterblättern in einem Briefumschlag, bei Examenskandidatinnen auch gern mit der ganzen Großpackung Zitronenverbene (Verveine). Und alle fanden so wieder zu ihrem Schlaf.
Biersünden
So schön entspannt es in Lech am Arlberg war, kam ich doch nicht an der einen oder anderen Sünde vorbei. Erst genehmigte ich mir in der Schneggarei ein Pils im Reagenzglas, und dann nahm ich noch zwei übrig gebliebene Flaschen Zipfer Urtyp aus der Ferienwohnung mit heim ins Land des Reinheitsgebots.
Mercurochrom, Tantum Verde und meine Gesundheit
Nicht daß ich ein Tablettenjunkie wäre, aber ich bin gerne gut vorbereitet. Deshalb habe ich im Ausland stets eine Reiseapotheke dabei, mit der man eine ganze Busladung Touristen wochenlang versorgen könnte, und wenn während eines Pressetrips auf Borneo die Kollegen ihre Insektenstiche zählen, bin ich stets derjenige, der von der Malariaprophylaxe über die langärmeligen, mit Moskitokiller imprägnierten Leinenhemden bis hin zum großflächig aufgetragenen Hautschutz alle Vorkehrungen getroffen hat. Kurzum: Ich werde ungern krank. Das erfordert aber gelegentlich auch die Nachversorgung vor Ort. Und da erstaunt es mich immer wieder, wie von Land zu Land Unterschiedliches gilt. Während man in Frankreich statt dem brennend blöden Jod das weit angenehmere Mercurochrom quasi nachgeworfen bekommt, verlangte ein deutscher Apotheker von mir dafür tatsächlich ein Rezept! In Mexiko wird einem dagegen so ziemlich alles in der Apotheke rezeptfrei angeboten, meist auch noch weit preiswerter als in Europa, nur beim Viagra haben wohl die Lustreisenden aus den nahen USA die Preise unwiderbringlich verdorben. Hier in Lech, wo ich derzeit ein paar Kinder hüte, habe ich mit Freuden entdeckt, daß das von mir bei Halsentzündungen geschätzte Tantum Verde anders als in München rezeptfrei ist. Nicht daß ich Halsschmerzen hätte, aber man sorgt gerne vor.


