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Tu Felix Austria

Oder vielmehr tu felix Dorin, denn ich bin nicht nur glücklicher Betreuer zweier 3-Jähriger, während deren Eltern die Skipisten des Arlbergs unsicher machen, sondern werde darüberhinaus für meine Manny-Tätigkeit (männliche Nanny!) mit geriebenem Kren (= Meerettich, Ihr Nordlichter) und famosem Kübelspeck vom Dorfmetzger belohnt. Könnte ich es mir aussuchen, wäre das mein Lebenstraum. Mit den Kiddies gegen halb sieben in der Früh aufwachen, auf sie bis zum frühen Nachmittag aufpassen, rodeln, im Schnee spielen, nachmittags, wenn die Eltern retour sind, diretamente zum Après-Ski wechseln und kulinarisch verwöhnt werden. (Bilder sobald ich kapiert habe, wie ich sie am fremden Computer im Internetcafé hochladen kann…)


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Tisch und Bett teilen? (Dating-Regeln, Kapitel 1)

Im Grunde kann nur Jack Valenti oder sonst ein Hollywood-Lobbyist die Regel erfunden haben, ein Date ins Kino einzuladen. Coco kam klischeesicher zu spät, dann saßen wir zwei Stunden mehr oder weniger schweigend im Dunklen, da tat es auch nicht so weh, daß sie mich keine 24 Stunden später per SMS abservierte. Essen gehen bringt’s da schon mehr. Mit Olja essen zu gehen, war wie Kindergeburtstag. Ich kenne keine andere Frau, die sich so sehr über schöne Restaurants, gutes Essen und eigenwillige Kreationen freuen konnte und dabei natürlich herzhaft zugriff, ohne ihre Kleidergröße 34 je in Gefahr zu bringen. Im Bett war sie genauso begeisterungsfähig, und nicht nur in diesem Fall fand ich das Vorurteil bestätigt, daß die Sinnenfreude, die jemand bei Tisch entwickelt, sich zwischen den Laken fortsetzt.

Schwieriger wird es bei mangelndem Geschmackssinn: Sind Frauen, die ihren Cappuccino überall gleich genießen und bein Frühstücksbüffet nur auf den Preis und nicht auf die dargereichte Billigqualität achten, wirklich schlechter oder ist da nur der Snob in mir unangenehm berührt? Noch aufschlußreicher ist es natürlich, gemeinsam zu kochen. Als Mann kann man da so schön viril sein und furchtlos Fische ausnehmen, Fleisch entsehnen oder auch nur Knoblauch und Zwiebeln zuschneiden. Gemeinsam ausloten, wie harmonisch man zwischen Herd und Tisch operiert, und vielleicht schon beim gemeinsamen Einkaufen einander näher kennenlernen. Funktioniert aber nur spontan so richtig, wie mit Karo, als die Theatervorstellung ausverkauft war, ihre Wohnung praktischerweise in derselben Straße lag und wir statt Multikultitheater Pasta genossen.

Die Entfremdung kam ein paar Tage später, obwohl mir erste Indizien schon beim gemeinsamen Gemüseeinkauf aufgefallen waren. Überhaupt sind Einkaufstrips und Ausstellungsbesuche hervorragende Beziehungstestläufe. Bleibt man zusammen und streift gemeinsam umher, tauscht man sich aus, oder schwärmen beide allein für sich aus? Karo brauchte Farben und Papier – Schreibwaren. Und der Besuch einer Schreibwarenabteilung ist für mich so schön wie der Besuch eines Dessousgeschäftes. Schließlich gehöre ich noch zu der prädigitalen Generation, verdanke ein paar Buntstiften in Kindesjahren die Überführung als Ladendieb und war sicherlich viele Jahre ein Schreibwarenfetischist. Wäre es nicht schön, sich mit Karo über die irrwitzigen Bezeichnungen für unterschiedliche Farbtöne wie Cölinblau, Kasslerbraun oder Lampenschwarz auszutauschen und die unterschiedlichsten Papiersorten anzufassen? War es nicht. Sie ließ mich stehen, verfiel in eine solitäre Jagdphase und seitdem haben wir uns auch nicht wiedergesehen.

Dabei muß das nicht endgültig sein. Bei meinem ersten Ausstellungsbesuch mit Katja in der Schiele-Präsentation der Hypo-Kunsthalle ließ sie mich flugs stehen, um allein von Bild zu Bild zu stromern, eingefleischter Single, der sie war. Ich ließ mich aber einfach nicht abschütteln und wir blieben mehrere Jahre zusammen.

Eiserne Klassenunterschiede

Nityam war Vegetarierin, und so ernährte ich mich monatelang fleischlos. Katja war Restaurantkritikerin, und so aßen wir manchmal zweimal täglich in irgendwelchen Feinschmeckerrestaurants und daheim verwandelte ich mich in einen mal marinierenden, dann wieder backenden, stets gern experimentierenden, eben passionierten Hobbykoch. So als Single ist nun eher Schmalhans Küchenmeister, irgendwie koche ich durchaus noch, dazu dieser Tage mehr, aber mehr oder weniger stets nur dieselben einfachen Gerichte und äußert selten nur Fleisch. Natürlich esse ich gerne Fleisch, ich behaupte sogar immer gern, es gäbe gar keine rumänischen Vegetarier, höchstens traditionell vor Weihnachten und Ostern Fastende. Aber ich bereite mir selten zu Hause Fleisch zu, und nur gelegentlich Linsen, und da ich seit einem Jahr berufsbedingt kaum mehr essen gehe, leide ich mal wieder an chronischem Eisenmangel.
Meine Hausärztin verschreibt mir dagegen Eisentabletten, mit einem feinen Unterschied. Als Kassenpatient Eisentabletten-ratiopharm 50 mg, unverbindliche Preisempfehlung 2 Euro 99. Als Privatpatient ferro sanol, unverbindliche Preisempfehlung 6 Euro 69. Und bei einem Blick auf die Beipackzettel erschließt sich mir als Laien nicht, warum ich für Eisen(II)-glycin-sulfat-Komplex mehr als das Doppelte zahlen soll als für Eisen(II)-sulfat 1 H2O. Auch wenn ich die höheren Kosten als Privatpatient erstattet bekomme, während ich als Kassenpatient die knapp drei Euro selber tragen muß.

Maghrebinische Versuchung

„Wenn ich die Wahl zwischen Schokolade und Oliven habe, nehme ich die Oliven“. Coco, die als Kleinkind mit ihren Eltern durch Afrika gereist und dort aufgewachsen ist

Dessert oder Vorspiel?

Gestern bin ich bekocht worden, doch die eigentliche Überraschung gab es zur Zigarette danach: Original Egon-Schiele-Würfel der Wiener Konditorei Aida. Ich hatte früher schon mal Mozartkugeln gekostet, na ja, und die Bachwürfel kenne ich vom Hörensagen, aber Schiele-Würfel waren mir neu und auf den ersten Blick unpassend. Schließlich sind Schieles Akte meist rechte Hungerhaken, die man nicht gerade mit Kalorienbomben in Verbindung bringt. Aber nach dem ersten Biß war die unwiderlegbare Verbindung da, sie schmecken so süß wie ein Kuß und laden förmlich zum Knabbern ein.

Natur und ihre Grenzen

„Für die Haare muß es doch Chemie sein“, meinte K. neulich, wenn natürlich auch gute Chemie von Paul Mitchell, und ich war froh, daß sie zwar wie ich auf diese wunderbare Naturkosmetik stand, von der jeder Tiegel genug kostete, um eine Woche von dem Geld Lebensmittel kaufen zu können, aber ebenso wußte, daß Natur nicht immer genug ist. Nicht nur bei Haaren. In meinem Bad wimmelt es vor Dr. Hauschka, Origins, Aveda & Co. Aber die Zahnpasta ist brutalste SignalColgateOdolDentagard, Markentreue ist mir da fern, Hauptsache bunt, ätherisch, frisch. Und als Mundwasser hatte ich bislang Meridol. Doch in einer spontanen Geste griff ich heute in meinem Bioladen zu einem Naturmix aus Eibischblättern, Salbei, Rathania, Ringelblumen, Tormentill, Roßkastanienrinde, Neemblättern und Myrrhe. Bäh! Mit diesem Geschmack soll ich jetzt die nächsten Nächte einschlafen? Dann doch lieber K. im Munde. Jetzt, wo Valentinstag ist.

Menschen statt Preise

Bei mir im Kiez gibt es drei Tengelmänner, und jeder ist eine Welt für sich. Der gleich um die Ecke wird von ein paar jungen Balkanesen (Serben, Kroaten???) geschmissen, und man fühlt sich gleich wie im Tante-Emma-Laden, halt unter Menschen. Da stört es mich auch nicht, daß die Gänge klaustrophobisch eng sind und an der Kasse schnell eine Schlange entsteht, ist eben quasi Familie. Dann gibt’s einen an der nächsten Bus- und Straßenbahnhaltestelle, nicht viel größer, aber der klassische Supermarkt-Albtraum: Wesentlich schlechter sortiert, und an der Kasse fast ausschließlich auswechselbare, aber dafür um so kontinuierlicher schlecht gelaunte Kassenkräfte. Daher nur mein Notnagel, wenn ich so spät nach Hause komme, daß ich’s zu meinem Lieblingstengel nicht mehr schaffe. Und noch mal ein paar hundert Meter weiter der Obertengelmann, groß, größer, richtig groß. Den ich nur alle paar Monate mal betrete. Und heute wohl zum letzten Mal. Seltsame Gelüste trieben mich hinein. Mit Erstaunen sah ich, daß es Tiefkühlpizzen schon ab 69 Cent gibt (schmeckt wohl auch so), lungerte am Wurstregal herum, ich hatte wirklich seltsame Gelüste, und griff dann zu einer Portion Zaziki, im Aktionsangebot für 89 Cent. An der Kasse kassierten sie 99 Cent, und ich wies sie freundlich darauf hin, daß es im Kühlregal falsch ausgezeichnet ist. Kein Drama, keine besserwisserischen Dialoge, die zehn Cent waren mir in dem Augenblick auch wurscht, aber ich möchte es einmal erleben, daß die Kassenkraft bei einem Filialisten in so einem Fall von sich aus, ganz freiwillig den falschen Betrag storniert und die zu viel kassierten zehn Cent wieder herausrückt. Machen sie aber nicht. Nie.

Zimtlauge

Kein Wunder, daß sich in WGs das ungespülte Geschirr stapelt, wenn man so etwas wie Pril Winter-Apfel benutzt, eine „winterliche Duftkombination von fruchtigem Apfel und aromatischem Zimt“. Als Spülmittel? Nein, wirklich nicht.

Filmsnack

Morgens um elf fängt der Filmmarathon an und setzt sich dann alle zweieinhalb Stunden fort: Pressevorführungen, von denen der Filmkritiker drei, vier am Tage schaffen kann, die Kinoware der kommenden Monate, erst als Originalfassung, dann im nächsten Durchlauf synchronisiert. Dazu gibt’s, vom einladenden Filmverleih gesponsert, Wasser, Cola, Kaffee und – je nach Finanzkraft respektive PR-Politik des Gastgebers vielleicht auch Popcorn oder Studentenfutter. Im Sommer gern ein Eis,
wenn wir uns schon bei strahlendem Sonnenschein in die Kathedrale der Finsternis bewegen. Ab 16 Uhr darf’s auch gern ein Bier sein, nur bei Disney nicht – es sei denn, der Journalist zahlt es selbst. Pressevorführungen nach Feierabend, das heißt um 18 oder 20.30 Uhr, sind dagegen ein verläßliches Indiz für die Qualität des Films, und das dabei gereichte Sortiment an Häppchen und Alkohol ist reziprok proportional zur Güte des Films. Wenn es dann – wie gestern abend – Krapfen, Butterbrezen, Salzstangen, Gebäck und Gorbatschow-Red Bull gibt, kann man einen wirklich miesen Film erwarten. Und so war es denn auch. Oder um einen Klassiker zu zitieren: Ich habe unter meinem Niveau gelacht.

Zu alt?

Was bitteschön kann an Reis, Maispulver oder roten Linsen schlecht werden? Verkümmert das Korn, löst sich die darin enthaltene Stärke auf, kippt das Eiweiß um? Jedenfalls steht auf den Packungen ein Haltbarkeitsdatum, und als ich neulich meine Küche aufräumte, habe ich mehrere ungeöffnete Packungen entsorgt, die laut Aufdruck schon jahrelang verfallen waren. Obwohl sie so von außen betrachtet noch recht unbedenklich aussahen. Von Senf und Currysaucen ganz zu schweigen, die offenbar in meinem Kühlschrank auch weit über ihre natürliche Lebenszeit hinaus überwintert haben.

Dabei bin ich, was Lebensmittel betrifft, wirklich kein großer Einkäufer und Sammler. Aber ich schaffe es immer, unverhältnismäßig große Reste entsorgen zu müssen, und je frischer, desto heftiger. Meine Bioäpfel verwandeln sich in meiner Küche schnellstens in faulige, schimmelnde Monsterbälle. Wurstaufschnitt, der kurioserweise ohne Haltbarkeitsfrist verkauft wird, braucht bei mir im Kühlschrank keine drei Tage, um sich bedenklich zu verfärben. Und meine Marmelade treibt grundsätzlich Schimmel aus, bevor das Glas halbleer ist.

Die meisten löffeln dann nur den blaugrünen Staub weg, aber seitdem ich irgendwann in den siebziger oder achtziger Jahren einmal unwissentlich in ein angeschimmeltes Toastbrot gebissen habe, und dieses Geschmackserlebnis gönne ich nicht einmal meinem größten Feind, seitdem ich jedenfalls den Unterschied zwischen leckerem Schimmelkäse und so gar nicht leckerem Kühlschrankschimmel kennengelernt habe, beschränke ich mich nicht mit chirurgischen Eingriffen, sondern atomisiere das ganze Teil. Das gilt selbst für Küchenkräuter, bei denen nur die Topferde schimmelt.

Gestern ist nun meine Butter abgelaufen. Und da es sich nicht um ein totpasteurisiertes Stück Fett handelt, sondern um lecker gesalzene Rohmilchbutter, nehme ich den Countdown auch außerordentlich ernst. Andererseits ist heute Sonntag, die frische Rohmilchbutter wird bei meinem Käsehändler immer erst dienstags aus Frankreich geliefert, und meine Maître Fromagier hat mir glaubhaft versichert, daß sie die nicht verkauften, abgelaufenen Butterstücke selbst einfriert und dann nach und nach vernascht. Man würde es schon riechen und schmecken, wenn sie kippt. Dann will ich mal meinen Sinnen vertrauen. Wenn’s schief geht, schreibt mir die Redaktion sicherlich einen netten Nachruf.

Tod vor Stalingrad

Selbst von jungen Studentinnen kann man noch eine Menge lernen. Etwa den „Tod vor Stalingrad“. Dafür füllt man den Espressokocher mit Wodka statt mit Wasser und brüht so seinen Kaffee.

Overdatet

Jeden Tag ein anderes Date. Wohlwollend betrachtet geht es mir verdammt gut. Wenn auch im Ergebnis eine etwas unklare Gemengelage entsteht. Frauen, auf die ich stehe. Frauen, die etwas von mir wollen. Konstellationen, bei denen noch unklar ist, wer was vom anderen will. Und das stets anfallende Treibgut an enttäuschten, beendeten oder auch nur unerwiderten Gefühlen. Aber heute war so ein Tag, an dem alles auf einmal da war, ja sogar an einem Tisch saß. Gleichzeitig. Oder um einen Bartresen versammelt war. Und es endete wie so etwas immer bei mir endet. Mit ein paar Salzstangen und nicht viel mehr.

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