Morgen ist Ultimo. Bereits ein ganzer Monat des nun wirklich nicht mehr ganz so frischen Jahres vorbei, ein Zwölftel von 2008 passé, aber ich bin immer noch nicht so recht in die Gänge gekommen. Fühle mich zweitausendsiebenig. Habe noch nicht einmal den Presseausweis fürs Neue Jahr, von einem gültigen Reisepaß ganz zu schweigen. Kann es nicht fassen, daß Mittwoch auch schon der Fasching bereits vorbei sein soll, während ich mich noch am Jahreswechseltrübsal labe und die Post von Oktober bis Dezember 2007 abarbeite, weil ich damals als Interims-Buchhändler irgendwie zu nichts anderem gekommen bin. Inmitten all der Rechnungen, Mahnungen, Kündigungen, Pressemappen, Einladungen und Weihnachtskarten auch noch ein Adventskalender, gerade erst frisch ausgepackt: „Ich sagte, der 24. wird bei uns ein bißchen knapp. Können wir den Termin noch was schieben?“, steht drauf. Und ich habe meine Motti für dieses Jahr gefunden: Termine schieben und Schokolade fressen. Soll glücklich machen.
Zweitausendsiebenig
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Mamas Care-Paket to go
Nach 35, 40 Jahren will ich mich nicht so festlegen, aber als ich klein war, bin ich sicherlich auf mindestens fünf Mahlzeiten am Tag gekommen. Denn auch wenn meine Mutter für die Hauptmahlzeiten zuständig war, zwei davon warm, denn an das in Deutschland sprichwörtliche Abendbrot haben wir uns niemals angepaßt, trotz der kulinarischen Vollversorgung ließ es sich mein Vater nicht nehmen, mir auch noch die eine oder oder andere leckere Schweinerei zuzubereiten. Als Kind fand ich das toll und bin trotz erster, recht rundlicher Anfänge nicht gerade aufgequollen. Inzwischen gehe ich stramm auf den 47. Geburtstag zu, mein Vater ist ein Vierteljahrhundert tot, ich versorge mich längst selbst, aber wenn ich wie jeden Dienstag meine Mutter besuche, erwarten mich die Leckereien nicht nur auf dem Tisch. Nach der Schweinsfußsülze und den gebratenen Nierchen gab’s heute auch noch ein Dutzend Frikadellen to go. Denn wann immer ich sie besuche, komme ich nicht ohne ein Care-Paket nach Hause. Mütter sind so. Selbst mit 86.
Falsches Brot
Morgens fühle ich mich immer öfter bereits ziemlich alt. Und Schuld daran hat die Marmelade. Denn mein Frühstück ist, zumindest daheim, ein langweiliges Ritual. Ein Ei, je nach Größe fünf bis sechs Minuten gekocht. Dazu drei Scheiben Korianderbrot. Eine mit gesalzener Rohmilchbutter zum Ei. Eine mit Leberwurst. Und eine mit Marmelade. Nun habe ich beim Marmeladenbrot letztes Jahr die Butter durch Frischkäse ersetzt, aber immer öfter sitze ich am Tisch, gieße mir den Tee ein, klopfe mein Ei auf und stelle mit Erschrecken fest, daß ich die Marmelade eben nicht auf die Brotscheibe mit dem Frischkäse aufgetragen habe, sondern auf das Butterbrot. Und muß mir bereits frühmorgens existentielle Fragen stellen: Schmeckt mir zu meinem Ei auch ein Käsebrot? Muß ich mir jetzt ein neues Butterbrot streichen? Wieso fühle ich mich an einem Montagvormittag bereits so alt?
