Command & Conquer 2: Alarmstufe Rot

1995 und 1996 stellte ein Spiel neue Rekorde auf und stürmte alle Verkaufs- und Spielecharts: die Rede ist natürlich von "Command & Conquer". Die Grundidee war zwar nicht neu, wurde jedoch genial verwertet: nach "Dune 2" und "Warcraft" schaffte das Genre der Echtzeitstrategie mit "Command & Conquer" den Durchbruch. Durch weltweit über 1 Million verkaufte Exemplare konnte Westwood/ Virgin mit diesem Spiel einen gewaltigen Erfolg verbuchen. Seit der Jahreswende ist nun der heißersehnte Nachfolger "Alarmstufe Rot" im Handel: der zweite Teil der Saga läßt keine Wünsche offen!

Die Story hat mit dem ersten Teil rein gar nichts mehr zu tun. Statt des Endzeitszenarios erfand man bei Westwood die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts neu: Im Jahre 1946 arbeitet Albert Einstein zusammen mit dem amerikanischen Militär an einem Zeitreise-Experiment. Das Ziel dieses Experiments ist sehr pikant: man will in einem Testlauf den Professor in die Vergangenheit schicken, damit dieser den jungen Adolf Hitler vor dessen Untaten in eine andere Zeitebene versetzt. Damit soll der 2. Weltkrieg verhindert werden. Das Experiment gelingt zwar, doch Einstein wird bei seiner Rückkehr in die Gegenwart überrascht: die weltpolitische Situation ist eine ganz andere, jedoch nicht unbedingt erfreulicher. Ein großdeutsches Reich existiert nicht und statt des 2. Weltkriegs wurde die Welt durch viele kleine Konflikte zerrüttet. Unterdessen hat sich der rußische Diktator Stalin über fast ganz Europa hergemacht und droht damit, auch noch den Rest der Welt zu erobern. Ein verdammt sensibles Thema hat sich Westwood da ausgesucht, allerdings ist's auch eine fanszinierende Vorstellung. Um der "roten Gefahr" entgegenzuwirken, schlossen sich alle Staaten der Welt zu einem Bündnis, den Alliierten, zusammen. Tja, mit solch einer Hintergrundgeschichte tun sich die deutschen Behörden recht schwer, weswegen Westwood für die deutsche Version die Story noch ein bißchen erweiterte, um der totsicheren Indizierung durch die BPS zu entgehen. In einem "Cyborg-Kriegsvertrag" wurde zum Schutz des menschlichen Lebens beschlossen, alle Konflikte innerhalb markierter Gefechtszonen zu beschränken. In diesen Zonen befinden sich, außer ein paar Offizieren und Söldnern, nur Waffensysteme und Kampfcyborgs. Diesen dazugeschusterten und unrealistischen Zusatz in der Story nehme ich Westwood nicht krumm: so kommen wenigstens auch die deutschen Fans in den Genuß des Spiels. Man stellt sich beim Spielen sowieso was anderes vor.


Vor dem Spiel kann man sich für eine der Großmächte entscheiden. Je nach dem, ob man die Alliierten oder die Russen unterstützen möchte, legt man eine der zwei CD-ROMs in Laufwerk. Der Schwierigekeitsgrad läßt sich in drei Stufen festlegen. Für jede Streitmacht sind 14 Missionen zu erfüllen. Diese Missionen sind teilweise sehr unterschiedlich und setzen sich mitunter aus mehreren Unteraufträgen zusammen. Neben den klassischen Missionszielen "Vernichte alle gegnerischen Einheiten" oder "Erobere dieses oder jenes Gebäude" motivieren besondere Spezialaufträge. So muß man zum Beispiel auch mal Konvois beschützen oder Reaktoren eines Atomkraftwerks kühlen. In einer anderen Mission muß erst einmal ein Spion eine Spezialagentin befreien, die dann bestimmte Gebäude zerstören muß, worauf dann Einheiten landen können, um dem Gegner den Knockout zu verpassen! Durch tolle Video-Zwischensequenzen erfährt man die Einsatzziele und wird in die Handlung miteinbezogen. Das Grundprinzip des Spiels besteht darin, eine eigene Basis aufzubauen und zu verteidigen, um schließlich selbst aktiv zu werden. Mit Erntemaschinen grast man diverse Erzfelder ab. Dieses Erz wird in Anlagen weiterverarbeitet und damit sozusagen in bare Münze umgewandelt. Mit den vorhandenen Finanzmitteln können dann verschieden Gebäude erbaut und Einheiten produziert werden.

Die zur Verfügung stehenden Einheiten sind reichhaltig: im Laufe der voranschreitenden Missionen gibt's über 30 verschiedene Gebäude zu erreichten. Für die Kämpfe stehen dem Spieler knapp 50 untzerschiedliche Einheiten zur Verfügung. Die Palette reicht da von Hunden und Fußtruppen, über Fahrzeuge und Panzer, bis hin zu Fallschirmspringern und U-Booten. Im späteren Verlauf lernt man noch weitere Waffensysteme kennen. Die Erstellung und Beauftragung von Einheiten läßt sich sehr bequem mit der Maus bewerkstelligen. Per Markierungsquadrat lassen sich beliebig viele Einheiten gleichzeitig auswählen, die sich dann auf Wunsch gemeinsam in Bewegung setzen.


Die Grafik ist sehr schön gelungen! Die Videos wirken professionell und die Darsteller sind auch recht gut. Selbst die deutsche Sprachausgabe, die man im ersten Teil noch als mißlungen bezeichnen mußte, wirkt solide. Einige computergenerierte Zwischensequenzen sehen sogar atemberaubend gut aus. Die eigentliche Spielgrafik ist unter Windows 95 dank SVGA sehr übersichtlich. Die kleinen Einheiten und Figuren haben zwar nur Pixelgröße, sind aber herzallerliebst animiert. Wenn man die Cyvborgs z.B. längere Zeit stehen läßt, bekämpfen diese mit Liegestützen und ähnlichem die Langeweile! Bei einigen Explosionen wird auf dem Bildschirm ein richtiges Feuerwerk abgebrannt! Wer das Spiel nur unter DOS installiert, muß mit der wesentlich unübersichtlicheren Standard-VGA-Grafik vorlieb nehmen - schade.

Sound und Musik sind nahezu perfekt! In durchweg digitaler Qualität werden rockige Musikstücke während der Missionen abgespielt. Die reichlich vorhandenen Soundeffekte haben allesamt eine sehr hohe Qualität. Jeder Befehl wird durch die Einheiten mit einem knackigen "Wird erledigt!" oder anderen Sprüchen bestätigt. Jede notwendige Info wird einem per Sprachausgabe vermittelt. Finden Kämpfe außerhalb des sichtbaren Bereichs statt, sind die Effekte leiser - in hektischen Missionen sehr hilfreich. Schade ist nur, daß die Cyborgs beim Ableben nur ein dumpfes Geräusch ablassen: dadurch kann man's nicht genau definieren. Das bezieht sich jedoch nur auf die deutsche Fassung: im Original sind Schreie zu hören - brutaler, aber auch nützlicher!

Besondere Beachtung gilt dem ausgezeichneten Multiplayer-Modus. Zum einen gibt's die übliche Möglichkeit gegen menschliche Gegner im Netzwerk oder per Modem zu spielen. Ein besonderer Service ist jedoch das Spiel über's Internet. Mit Hilfe des Extraprogramms "Westwood-Chat" kann man sich über den Internet-Provider in verschiedene Spiele einklinken. Man kann auch ein neues Spiel ins Leben rufen und alle Optionen mit seinem Gegner vereinbaren. Erst im Mehrspielermodus kommt des Spielprinzip von "Alarmstufe Rot" so richtig zur Geltung: die Strategien der menschlichen Kontrahenten sind einfach lebendiger!

Fazit: "Command & Conquer 2: Alarmstufe Rot" hat mich schlicht und einfach begeistert! Das intelligente Missiondesign und die starke Computerintelligenz ziehen den Spieler zusammen mit dem spannenden Ablauf mit Haut und Haaren in ihren Bann. Man hat allein wochenlang damit zu tun, alle Missionen zu lösen. Danach wartet dann ein unerschöpfliches Mehrspielervergnügen! Auch ohne neues Spieldesign bekommt "Alarmstufe Rot" meine Höchstwertung!


Hersteller: Westwood/ Virgin


Genre: Echtzeitstrategie


System: Windows 95 oder DOS


Hardware: Pentium, 16 MB RAM, Soundblaster, 14.4 Modem (28.8 für Internet)


Preis: ca. 90 DM


Grafik: gut

Sound und Musik: sehr gut

Frosch-Wertung:

Ich möchte die Kriterien der Frosch-Wertung im Detail sehen...


© Jan Thyen
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