Das Schwarze Auge 3: Schatten über Riva

Das Rollenspiel: für die einen ist's nur auf Brett und Papier spielenswert, für die anderen sorgt erst die Präsentation auf dem PC für's echte Ambiente. "Das Schwarze Auge" spannt zum dritten Mal einen Bogen zwischen beiden Varianten. "DSA" besitzt zu Recht den Status des beliebtesten deutschen Brettrollenspiels. Der Schritt einer Computerumsetzung liegt da natürlich nahe. Ein wahrlich akrobatischer Drahtseilakt, denn kann man wirklich beide Lager unter einen Hut bringen?

Zur Story: Riva ist eine gut befestigte Küstenstadt, die sich bislang gegen die Orkameen verteidigen konnte. Im Untergrund und in der Kanalisation braut sich jedoch etwas zusammen: Rebellen organisieren sich, um gegen Stadtführenden vorzugehen. Die Holberker stehen unterdessen im Verdacht, die Situation in Riva auszuspionieren. Ist etwas dran, das die Orkmischlinge ihre Verwandten unterstützen? Weitere Wandlungen in der durchaus fesselnden Geschichte erwarten unsere Heldencrew, die es durch die Stadt zu führen gilt. Dabei wird peinlich genau das Regelwerk der DSA-Reihe benutzt. Viele Parameter, Zaubersprüche und Krankheiten warten auf den Spieler. Um da den absoluten Überblick zu behalten, muß man schon ein Rollenspielfreak sein. Glücklicherweise muß man nicht jedes Detail zur Lösung des Spiels zwingend beachten, man kann jedoch eine Menge ausprobieren. Zur Erleichterung der Orientierung wurde eine Automap eingebaut. Bei den taktischen Kämpfen wird in eine isometrische Darstellung umgeschaltet. Um im Spiel voranzukommen, müssen etliche Dialoge mit den Stadtbewohnern geführt werden.

Die Grafik ist bei weitem nicht mehr zeitgemäß. Zwar wird man anfangs durch ein schönes Intro eingestimmt, doch die Grafik im eigentlichen Spiel ist ziemlich öde. Die gezeichneten Bilder und Personen wirken eher häßlich. Die grobpixelige VGA-Darstellung tut ihr Übriges dazu. Die 3D-Grafik beim Herumlaufen in der Stadt ist bloße Fassade: Personen und andere bewegliche Objekte sind nicht zu sehen. Trifft man einen Mitmenschen, öffnet sich ein Bildchen oder Textfeld - anno 1997 wirkt's lächerlich. ID-Softwares mittlerweile betagter 3D-Shooter sieht um Klassen besser aus!

Sound und Musik heben sich wohltuend vom Niveau der Grafik ab! Zwar sind Soundeffekte und Sprachausgabe nicht besonders aufregend, doch die stimmungsvolle Hintergrundmusik (direkt von CD) sorgt dafür, daß die Atmosphäre erhalten bleibt. Zeitweise kommt echtes Fantasyflair auf!

Fazit: Klarer Fall: wer ein durchgestyltes PC-Rollenspiel mit moderner Präsentation und zugänglichem Gameplay ergattern möchte, ist mit "Schatten über Riva" schlecht bedient. Es ist alles andere als ein Mainstream-Produkt. Rollenspielpuristen, die Wert auf eine durchdachte Story und ein echtes Regelwerk legen, wird "DSA 3" gefallen. Fans der Brettspielvorlage werden's ohnehin kaufen, zumal der Preis von knapp 50 Mark wirklich fair ist.



Hersteller: Topware

Genre: Rollenspiel

System: DOS

Hardware: Pentium, 16MB RAM, 2xCD-ROM, Soundblaster

Preis: 49,95 DM


Grafik: ausreichend

Sound und Musik: befriedigend

Frosch-Wertung:

Ich möchte die Kriterien der Frosch-Wertung im Detail sehen...


© Jan Thyen
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