Grand Prix Manager 2

Schumi will in diesem Jahr endlich den Weltmeistertitel mit Ferrari, sein Bruder Ralf möchte ihn dabei kräftig ärgern, und schließlich ist H.H. Frenzen in seinem Williams Renault einer der Topfavoriten. Jeder "Formel 1"-Fan kann den Beginn der neuen Saison kaum noch erwarten - das wird superspannend. Microprose gibt diesen Leuten nun mit dem "Grand Prix Manager 2" die Möglichkeit, die Wartezeit etwas zu versüßen. Allerdings ist's nicht allzu leicht, einen Rennstall (finanziell) erfolgreich durch die Saison zu bringen. So mancher wird sicher sehr bald die Fernsehübertragungen vorziehen!

Eines vorweg: Wer ein aufgemotztes "Grand Prix 2" - welches ja auch von Microprose stammt - erwartet, wird bitter enttäuscht. "Grand Prix Manager 2" ist eine beinharte Wirtschaftssimulation und hat mit einem Rennspiel herzlich wenig zu tun! Ziel des Spiels ist es, einen beliebigen Formel 1 - Rennstall durch bis zu zehn Saisons erfolgreich zu führen. Dabei übernimmt man die Tätigkeiten eines Frank Williams. Zur Verfügung stehen einem sämtliche Teams und Fahrer mit den originalen Namen der Saison 1996. Jedoch fällt ein gewisser "Newhouse" bei Williams aus dem Rahmen: Ähnlichkeiten zu "Villeneuve" (man vergleiche die Namen!) sind natürlich rein zufällig - da war wohl wieder irgendein Winkeladvokat am Werke!

Was macht denn den Job eines Formel 1 Managers so interessant? Eigentlich sind doch nur die Rennen selbst spannend, oder? Von wegen! Wer sich intensiv mit den Manageraufgaben befaßt, für den wird das eigentliche Rennen schnell zur Nebensache. Es ist fast schon haarsträubend, worauf man alles achten muß, damit man nicht urplötzlich mit leerem Portemonnaie in der Kreide steht. Aber keine Bange: verschiedene Schwierigkeitsstufen geben auch Einsteigern die Chance, zu schnellen Erfolgen zu kommen. Wer auf dem höchsten Level spielt und ein unbekanntes Team übernimmt, muß selbst das kleinste Detail berücksichtigen.

Zunächst kommt es darauf an, gute Sponsorenverträge auszuhandeln. Es werden verschiedene Möglichkeiten angeboten, mit welcher Strategie dieses anstellt werden kann. Kümmert man sich mit ganzer Kraft um einen einzigen Sponsor oder versucht man sein Glück lieber bei mehreren mit dem Nachteil des schlechteren Services? Natürlich wollen auch die Mitarbeiter vernünftig bezahlt werden - gute Arbeit kostet auch mehr. Bessere Designer und Mechaniker bedeuten bessere Autos, aber auch mehr Kosten. Ach ja, ein gutes Auto bringt natürlich nur etwas, wenn auch ein fähiger Fahrer engagiert wird. Man merkt schon: allmählich wird's kribbelig. Das war aber noch längst nicht alles! Im Laufe der Zeit muß man auch neue Technologien entwickeln und einsetzen, um nicht Opfer des Fortschritts zu werden. Ständig muß an den Wagen herumgeschraubt, getestet und verbessert werden, um maximalen Erfolg auf der Strecke zu haben. Vielleicht benutzt man ja auch mal eine "Benetton"-kompatible Strategie und benutzt einfach ein verbotenes Tuningteil - über eine Disqualifikation muß man sich dann allerdings nicht wundern!

Die Bedienung gestaltet sich angenehm flott und übersichtlich. Schnell hat man sich durch die reichlich vorhandenen Menüs und Untermenüs durchgeklickt. Sehr schön ist die Mögichkeit, die Menüleiste seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen: bravo!

Die Grafik ist durchweg nicht übel, aber recht schlicht. Highlights werden nicht geboten. Bei Microprose hat man anscheinend mehr Wert auf Funktionalität als auf Effekthascherei gelegt. Ich finde es für eine Wirtschaftssimultion absolut legitim. Kräftig nörgeln muß ich jedoch über die Darstellung der Rennen. Die Rennstrecken sieht man aus der Vogelperspektive und man benötigt schon fast eine Lupe, um die zappeligen Miniaturflitzer zu erkennen. Klar erwartet man nicht einen grafischen Overkill Marke "Grand Prix 2", aber durch diese karge Darstellung geht viel von der Formel 1 Atmosphäre verloren - schade. Ebenfalls ärgerlich: man muß in Windows die Grafikeinstellung auf 256 Farben herunterregeln - das nervt gewaltig!

Sound und Musik reißen ebenfalls keine Bäume aus. Eine anständige Hintergrundmusik und ein paar Effekte werden in den Menüs geboten. Das Geschehen auf der Rennstrecke wird von Sascha Maasen, bekannt aus dem Fernsehen, kommentiert. Allerdings wirken die Satzteile arg künstlich zusammengesetzt.

Fazit: Der "Grand Prix Manager 2" ist genau das Richtige für Formel 1 Fans, die den trockenen Umgang mit Zahlen und Fakten nicht scheuen. Es wird eine sehr professionell ausgearbeitete Wirtschaftssimulation geboten. Es macht wirklich Spaß, auch einmal die andere Seite der Formel 1 kennenzulernen. Wenn Motivation und Atmosphäre nicht derart unter der schlechten Präsentation der Rennen leiden würden, wäre "Grand Prix Manager 2" ein Topspiel!


Hersteller: Microprose

Genre: Wirtschaftssimulation

System: Windows 95 oder Windows 3.1

Hardware: 486 DX33, 4 MB, 2xCD-ROM, Soundblaster

Preis: ca. 90 DM


Grafik: ausreichend

Sound und Musik: befriedigend

Frosch-Wertung:

Ich möchte die Kriterien der Frosch-Wertung im Detail sehen...


Jan Thyen, eMail: thyen@pin-net.de
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