Toonstruck

10 Millionen Mark! Für das Geld konnte zu Zeiten des guten alten C-64 (etwa Mitte der 80er) vermutlich eine Handvoll Spielefirmen aufgekauft werden. Die Zeiten haben sich jedoch geändert: Virgin ließ sich die Produktion von "Toonstruck" genau diesen bescheidenen Betrag kosten! Herausgekommen ist ein hervorragendes Adventure, das von einem Hollywoodfilm verpackt wird, der stark an "Roger Rabbit" erinnert. In diesem Real-/Cartoonfilm-Mix spielt kein geringerer als Christopher Lloyd die Hauptrolle - besser bekannt als Doc Brown in "Zurück in die Zukunft".

Er schlüpft in die Rolle des Mal Block, welcher - nomen est omen - Komikzeichner bei der Fluffy-Fluffy-Produktionsfirma ist. In dieser Firma wird er von seinem öden Boss, Sam Schmaltz, tagtäglich dazu verdonnert, immer wieder neue, niedliche und grinsende Häschen für die "Fluffy-Schnuckelhäschen-Show" zu pinseln. Diese Show ist der absolute Renner im Kinderprogramm. Mal geht dieser ganze weichgespülte Kram aber auf den Senkel. Viel lieber möchte er die Idee seiner schräg-sarkatistischen Trickserie mit dem vorlauten Helden Flux W. Wild verwirklichen, aber bei Schmaltz trifft er damit auf taube Ohren. Eines Tages kommt es ganz dick: über Nacht soll Mal die nächste Häschenkreation für die neue Show "Fluffy und seine Freunde" fertigstellen. In dieser Nacht schläft er jedoch mit seinem Pinsel in der Hand ein und wird dann später durch seinen Fernseher geweckt: dort läuft natürlich die "Schnuckelhäschen-Show"! Beim panischen Versuch, das Gerät abzuschalten gerät Mal in einen geheimnisvollen Strudel, der ihn durch die Mattscheibe in die Zeichentrick-Welt Niedlingen zieht. Dort angekommen, wird er erst einmal von einem Flugobjekt beschossen. Doch ein alter Bekannter rettet ihn: Flux!

Weil Mal natürlich wieder zurück will, führt Flux ihn zum König von Niedlingen. Dieser bietet seine Hilfe an, allerdings nur unter der Bedingung, daß Mal ihm vorher bei einem kleinen Problem behilflich ist. Die Zeichentrickwelt ist nämlich in drei Teile aufgeteilt: neben Niedlingen gibt's noch Malevoland mit seinem bösen Herrscher Nefarious und Zanydu, das Land mit den bizarren Toons aus Mals Phantasie. Mals Aufgabe besteht nun darin, Nefarious, der mit einer Maschine die Niedlingenbewohner in fiese Kreaturen verwandelt, das Handwerk zu legen. Danach darf er dann wieder zurück in seine Realwelt...

Ob's wirklich so kommt und was Mal und Flux noch alles in der Zeichentrickwelt erleben, verrate ich natürlich nicht. Nur soviel: die Story hat noch etliche Überraschungen parat und ist bestimmt - auch wenn's auf den ersten Blick so wirkt - nichts für Kinder!

Die Bedienung orientiert sich an modernen Adventures. Eine umständliche Iconleiste ist nicht vorhanden. Per rechter Maustaste klickt man sich durch die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten wie Anschauen, Nehmen oder Benutzen. Geht alles ganz locker von der Hand. Viele Routineaufageben werden dem Spieler abgenommen - sehr nervenschonend.

Die Puzzles erinnern Lucasarts-Fans wohlig an bessere Zeiten. Nervige "Einfach-Alles-Ausprobieren-Rätsel" sucht man zum Glück vergebens. Es geht durchweg alles logisch zu. Mit Überlegung kommt man immer weiter - garantiert. Wer allerdings Schinken wie "Monkey Island 2" an einem Wochenende durchgezockt hat, wird den Abspann recht schnell zu sehen bekommen. Durchschnittsspieler werden jedoch wochenlang unterhalten.

Die Grafik ist absolut brillant! Die Videosequenzen (etwa 90 min.) haben fast Fernsehqualität und nutzen erfreulicherweise den kompletten Bildschirm aus. Die Cartoongrafik im Spiel selbst ist herrlich gezeichnet. Die Animationen der Akteure sind eine Augenweide. Christopher Lloyd wurde perfekt in die Zeichentrickgrafik intergriert. Alles in allem ein wahrer Augenschmaus!

Sound und Musik sind ebenfalls beeindruckend. Jeder Schauplatz hat seine eigene, perfekt digitalisierte Hintergrundmusik. Teilweise sind's durchaus bekannte Stücke. Soundeffekte sind reichlich vorhanden und ebenfalls von höchster Qualität - Virgin hat wirklich nirgends gespart! Erst recht nicht bei der deutschen Synchronisation: daß ein sechsstelliges Sümmchen extra dafür berappt wurde, merkt der Spieler an allen Ecken und Enden. Die Stimmen passen absolut und wirken kinomäßig. Es wurden sogar ein paar Rätsel für die deutsche Version umgestaltet: prima!

Fazit: "Toonstruck" ist schlicht und einfach genial! Die Mischung aus klassischem Adventure und Zeichentrickfilm in Verbindung mit der durchgeknallten Story begeistert auf Anhieb. Durch die perfekte Grafik- und Soundkulisse und dem genialen Christopher Lloyd wird man an den Monitor gefesselt. Zudem haut das Puzzledesign fast 100%ig hin, einzig der Schwierigkeitsgrad hätte ein klein wenig höher ausfallen können. Somit schrammt "Toonstruck" nur denkbar knapp an der Höchstwertung vorbei!


Hersteller: Virgin

Genre: Adventure

System: Windows 95, Dos

Hardware: Pentium, 16MB RAM, 4xCD-ROM, Soundblaster

Preis: ca. 90 DM


Grafik: sehr gut

Sound und Musik: sehr gut

Frosch-Wertung:

Ich möchte die Kriterien der Frosch-Wertung im Detail sehen...


© Jan Thyen
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