Wukung der Affengott

Sam Chang, ein chinesischer Mönch, wird vom Herrscher Chinas (hoho!) beauftragt, das heilige Buch der Weisheiten aufzustöbern. Die Sensation folgt: dieses Buch soll die Geheimnisse der Weltordnung enthalten...

In einem bemerkenswert dilletantischen, "humorvoll erzählten Intro" [Zitat Topware] wird diese an den Haaren herbeigezogene Story weitererzählt. Nur nebenbei: das Intro ist ein Videoclip für Windows, in dem häßliche Standbilder und amatuerhafte Sprachausgabe passend zur peinlichen Geschichte verwendet wurden.

Sam Chang ist also auf der Suche nach diesem Buch und ist dabei zunächst auf die Hilfe von Wukung angwiesen. Dieser schmort seit 500 Jahren eingemauert in einem Felsen. Sam Chang befreit ihn dann mit dem grandiosen Text "Wukung sei frei!": mich haut's um! Nach etwa 1 Minute wünscht sich der Spieler diesen beknackten Affen wieder aus dem Game: einen derart dämlich daherplappernen Protagonisten habe ich in einem Computerspiel noch nicht erlebt. Mit so einem soll man sich nun identifizieren und Abenteuer überstehen - na toll!

Das Spiel bezeichnet sich selbst als "Multimedia-Rollenspiel". Mich macht allein das Wort "Multimedia" schon irgendwie nervös. Ich will's mal so ausdrücken: wissen die Programmierer dieses Spiels eigentlich, was damit gemeint ist? Ich ordne "Wukung" in die Sparte der klassischen Adventures ein. Die Steuerung ist noch das Beste am Spiel: per Mauspfeil kann man entweder gehen, etwas ansehen, etwas benutzen oder sprechen. Bedeutend schlechter sieht's da bei den Rätseln aus: sie schwanken zwischen "haarsträubend" und "nervig". Da gibt's kaum etwas zu überlegen, meist hilft nur ausprobieren. Außerdem ist man nicht sicher vor plötzlichen Toden - man kann dann wieder von vorne anfangen oder den Spielstand laden: obernervig!

Die Präsentation ist eine Frechheit: die Grafiken wirken so, als ob Kinder an "Paintbrush" für Windows gesetzt wurden. Die Figuren zappeln sich grausam animiert einen ab und können durch Gegenstände (z.B. Felsen) hindurchgehen: ein grafischer "Leckerbissen"! Genauso toll sieht's aus, wenn wir unsere Helden in den Bildhintergrund (also weiter weg) steuern, diese aber entgegen der Perspektive nicht kleiner werden: so werden schnell aus Zwergen Riesen!

Die Musik ist ein abscheuliches Gedudel: man schaltet sie besser ab. Soundeffekte sind spärlich. Die gelegentliche Sprachausgabe wirkt lächerlich: ein alter Chinese z.B. redet wie ein besoffener Norddeutscher - das schafft fernöstliche Atmosphäre!

Ich höre an dieser Stelle auf, weitere Mankos von "Wukung der Affengott" aufzuzählen: ich erhalte mir meine Energie lieber für bessere Testberichte!

Fazit: Wer dafür 50 Mark ausgibt, hat selber Schuld...


Hersteller: Topware

Genre: Adventure

System: Windows 95/ Windows 3.1

Hardware: mind. 486SX/25, 4 MB, Sounblaster, 2x-CD-ROM

Preis: 49,95 DM


Grafik: mangelhaft

Sound und Musik: ungenügend

Frosch-Wertung:

Ich möchte die Kriterien der Frosch-Wertung im Detail sehen...


© Jan Thyen
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