Das elektronische Auge sieht Dich Schreiben, Klicken und ab die Post: Vorsicht beim Mailen und Surfen am Arbeitsplatz, denn der Chef liest mit Mal kurz eine E-Mail verschicken, das mag vielen Menschen im Büro so harmlos erscheinen wie ein kurzer Anruf zu Hause oder ein Small-Talk mit dem Kollegen auf dem Flur - ist es aber nicht, jedenfalls nicht bei der Arbeit. Denn: Das elektronische Auge sieht alles, egal, ob wir im Netz unser nächstes Reiseziel aussuchen oder Freunde anmailen, ob sie heute Abend schon was vorhaben. Moderne Kommunikation ist zwar konkurrenzlos praktisch, aber man muss wissen, dass der Chef alles mitlesen könnte - also Hände weg von Klatsch und Tratsch und von Bewerbungsmails! - und dass man sich beim Mailen und Surfen vom Arbeitsplatz aus in einer juristischen Grauzone befindet, die im schlimmsten Fall den Job kosten kann. Eines ist sicher: Die Tage des unkontrollierten Mailens und Surfens sind gezählt. In den USA wurden kürzlich 23 Mitarbeiter der "New York Times" entlassen, weil ihr Arbeitgeber sie bei verbotenen E-Mail-Aktivitäten erwischt hatte. Sie hätten ihren Computer zur "Erstellung, Weiterleitung und Darstellung von verletzenden oder zersetzenden Nachrichten" genutzt, wozu auch Fotos, Grafiken oder Audio-Dateien gehören - also all die kleinen Gimmicks, die man so gern an alle seine Freunde verteilt. In den USA ist die Überwachung elektronischer Vorgänge längst gang und gäbe, nun werden auch deutsche Unternehmen aufmerksam auf den wirtschaftlichen Schaden durch unkontrollierte Netz-Nutzung. Die Überlegung ist einfach: In der Zeit, die ein Arbeitnehmer privat im Netz surft oder sich mit anderen E-Mails zuschickt, kann er nichts für den Betrieb erwirtschaften. Allerdings hat diese Überlegung auch etwas von einer Milchmädchenrechnung, denn natürlich wird erwartet, dass die Angestellten sich im Internet bestens auskennen. Auch das Gegenteil ist möglich: So wurde kürzlich ein Fall bekannt, bei dem die Techniker einer Firma vom Chef dazu aufgefordert wurden, online bei Beate Uhse zu shoppen - ob es dem Boss wirklich nur darum ging, dass seine Techniker lernen wie E-Commerce funktioniert, oder ob er damit seinen Eigenbedarf an bestimmten Waren deckt, das ist allerdings unklar. Beim unaufgeforderten Mailen und Surfen sollten Angestellte sich stets darüber im klaren sein, dass E-Mail in Unternehmens-Netzwerken nicht privater als eine Postkarte ist. Der gesamte E-Mail-Verkehr eines Unternehmens geht über den Postmaster, und der kann alles lesen. Und es nützt auch nichts, sich für private Mails einen webbasierten GMX- oder Hotmail-Account zuzulegen - denn was für Mails gilt, gilt für das Surfen schon lange: Was der User am Bildschirm sieht, kann von jedem Systemverantwortlichen mitgesehen werden. Natürlich hat ein Systemadmin weder Zeit noch Interesse, die virtuellen Postsäcke zu wälzen, die täglich durch die Leitungen transportiert werden. Wachsame Arbeitgeber nutzen deshalb intelligente Software, um sicher zu stellen, dass die Mitarbeiter elektronische Kommunikationsmittel ausschließlich für den Job verwenden: Werden private Mails ausgetauscht oder surft der Angestellte auf Sexseiten, dann bringen es digitale Aufpasser ans Licht. Die Programme heißen "Internet Watchdog" oder "Cyberpatrol" und sie überprüfen, ob besuchte Internetseiten als geschäftlich produktiv gelten können oder nicht.In den USA kontrollieren bereits 35 Prozent aller Arbeitgeber die Telefonanrufe, elektronischen Mails und Festplatten ihrer Mitarbeiter. Diese müssen sich die Überwachung nicht gefallen lassen - eine Klage hat allerdings wenig Aussicht auf Erfolg: Alle Gerichtsprozesse, die Mitarbeiter für den Schutz ihrer Privatsphäre führten, wurden bisher zu Gunsten der Arbeitgeber entschieden. Die Begründung: Sie haben ein Recht auf Überwachung, denn die betriebsinternen Kommunikationssysteme sind ausschließlich für Geschäftszwecke zu nutzen. Noch können deutsche Arbeitnehmer beim nicht-jobbezogenen Surfen etwas entspannter sein: Das Fernmeldegeheimnis endet nicht im betrieblichen Intranet. Aber auch wenn das deutsche Arbeitsrecht bisher keine spezifischen Internet-Paragraphen kennt, ist unerlaubtes Surfen aus Sicht schnüffelnder Arbeitgeber ein "erstklassiger" Kündigungsgrund. Was nicht unterschätzt werden darf: Viele Abmahnungen oder Kündigungen wegen unerlaubter Surftätigkeit landen gar nicht erst vor den Arbeitsgerichten. Wer wird sich schon vor Gericht dafür rechtfertigen wollen, dass er sich auf zwielichtigen Seiten umgeschaut hat, auf denen er beruflich sicher nichts verloren hatte? Immer mehr Arbeitgeber lassen es allerdings gar nicht erst so weit kommen, ihre Mitarbeiter unterschreiben schon mit dem Arbeitsvertrag, dass sie E-Mail und Internet ausschließlich für ihre Arbeit nutzen dürfen. Wer dann erwischt wird, hat Pech gehabt. Wie etwa die Beamten in Bayern und Berlin, die kürzlich als "Sex-Surfer" auf Staatskosten entlarvt wurden. Sie erhielten zwar nur Verwarnungen und der freie Internetzugang wurde gesperrt. Womit auch endlich geklärt wäre, warum manche Vorgänge bei Ämtern so ewig lange dauern: Die Herren Beamten haben zu tun...(Inken Schröder/T1)