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Rede des Tourismus-Ministers
Am 11.Februar 1999 hielt der Minister für ländliche Räume, Landwirtschaft, Ernährung und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein Klaus Buß im Gasthaus "Opatija" in Glücksburg eine Rede über die Tourismusperspektiven. Eingeladen hatte die SPD.
Viele Vertreter der Tourismusbranche brachten in der anschließenden Diskussion ihre Anliegen vor.

I. Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismusin Schleswig-Holstein +++ II. Marktbewertung +++ III. Defizite und Erfolge im schleswig-holsteinischen Tourismus +++ IV. Tourismuspolitische Schwerpunkte der Landesregierung +++ V. Wichtige aktuelle Themen +++ VI. Schlußwort
Rede zum Thema „Tourismusperspektiven“ –
Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
in Schleswig-Holstein


Der Tourismus ist für Schleswig-Holstein ein herausragender Wirtschaftsfaktor, dessen Bedeutung häufig verkannt wird. Das liegt wohl vor allem darin begründet, daß der Tourismus kein Großunternehmen ist, sondern aus vielen Kleinbetrieben aus unterschiedlichen Bereichen besteht: Beherbergung, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Gesundheitsangebote, Einzelhandel, Verkehr, Zulieferer etc.
Minister Buss
Minister Klaus Buß
Lassen Sie mich einige Eckdaten zum Tourismus in Schleswig-Holstein nennen:
  • 8,6 Mrd. DM Umsatz, 80.000 Beschäftigte (7,5 % der Erwerbstätigen).
  • 4,6 % Anteil an der Wertschöpfung (Bundesdurchschnitt: 2,8 %; höher liegt nur Mecklenburg-Vorpommern mit 7,3 %)
  • Schleswig-Holstein weist die höchste Tourismusintensität aller Bundesländer auf: 7,6 % Übernachtungen je Einwohner
    (Bundesdurchschnitt: 3,5; Mecklenburg-Vorpommern: 6,4; Bayern: 5,5).
Hinzu kommt, daß der Tourismus noch Entwicklungspotentiale bietet (Trend zur Dienstleistungs- und Freizeitgesellschaft); dies gilt vor allem auch in strukturschwachen Regionen.
Marktbewertung
II. Marktbewertung
Lassen Sie mich einige Kernpunkte in der Bewertung der aktuellen Lage des schleswig-holsteinischen Tourismus nennen:
  1. Wir haben seit Jahren einen rückläufigen Marktanteil des Deutschland-Urlaubs. Dies gilt vor allem für die alten Bundesländer.
  2. Der Trend zum Auslandsurlaub ist - trotz des leichten Wiederanstiegs des Marktanteils deutscher Reiseziele im Jahre 1997 - weiterhin ungebrochen. Die hohen Marketinganstrengungen der Reiseveranstalter und ausländischer Reisedestinationen, der perfekte Service im Auslandsreisegeschäft, die günstigen Preise sowie die Präferenzen der Urlauber machen es schwer, sich diesem Trend zu widersetzen.
  3. Erschwerend für deutsche Reiseziele kommen ungünstige Rahmenbedingungen hinzu, wie: Einkommenssituation der deutschen Bevölkerung; zunehmender Verdrängungswettbewerb durch Marktsättigung; demographische Entwicklung (sinkender Anteil von Familien mit Kindern); hohe Anspruchs- und Erwartungshaltung reiseerfahrener Gäste; Wirkungen der Gesundheitsreformen.
  4. In dieser Marktsituation hat sich der Schleswig-Holstein-Tourismus (noch) relativ gut gehalten. Die Übernachtungszahlen sind zwar seit 1993 nahezu kontinuierlich am Sinken (1998: -2 %), aber:
  • Das Übernachtunsgvolumen liegt immer noch auf einem hohen Niveau (1998 immerhin noch auf dem schon sehr hohen Niveau des Jahres 1991).
  • Die Gästezahlen sind 1997 und auch 1998 noch gestiegen, ein Zeichen für die nach wie vor hohe Attraktivität des Urlaubslandes Schleswig-Holstein.
  • Schleswig-Holstein-Urlaub weist hohe Sympathiewerte auf (nach Bayern - 67 % den höchsten Wert aller inländischen und ausländischen Reiseziele der Deutschen: 55 %).
  • Mit einem Marktanteil von 5 % lag Schleswig-Holstein 1997 weiterhin auf Platz 2 der Beliebtheitsskala deutscher Reiseziele nach Bayern (8 %). Dies sind höhere Marktanteile als beispielsweise die Türkei (4,1 %) oder die Karibik (1,8 %).
  • Eine landesweite Gästebefragung hat zudem hohe Zufriedenheitswerte mit dem Schleswig-Holstein-Urlaub ergeben.
Nun will ich mit dieser Analyse keinesfalls in Selbstgefälligkeit verfallen. Ganz im Gegenteil: Eine relativ gute Martposition bei rückläufigen absoluten Übernachtungszahlen muß Warnsignal und zugleich Ansporn sein, die Position zu halten oder sogar auszubauen: durch Verbesserung der Qualität des Angebotes, durch noch besseren Service und eine optimale Vermarktung des Produktes. Auch in einer schwierigen Marktposition - von Krise möchte ich nicht reden - ist es möglich, mit guten Rezepten und Angeboten erfolgreich zu sein. Dies beweisen z.B. die Ferienzentren oder auch erfolgreiche einzelne Orte und Anbieter.
Defizite und Erfolge
III. Defizite und Erfolge im schleswig-holsteinischen Tourismus
Nach meiner Wahrnehmung gibt es im schleswig-holsteinischen Tourismus - neben unbestreitbaren Erfolgen - vor allem folgende Defizite:
  • Das Kirchturmsdenken ist vielerorts immer noch zu ausgeprägt, die Bereitschaft zur Kooperation und zur Aufgabe eigener Positionen zugunsten eines größeren Ganzen noch zu gering entwickelt.
  • Die Organisationsstruktur der touristischen Verbände und Organisationen ist zu zersplittert und für den Kunden häufig undurchschaubar.
  • Professionalität und Kundenorientierung sind im Handeln touristischer Akteure noch immer keine Selbstverständlichkeit; Qualifizierung und systematisches Handeln werden zu häufig durch Aktionismus ersetzt.
  • Die Qualität der Angebote entspricht nicht überall den heutigen Anforderungen.
  • Im Bereich des Marketings werden Gelder immer noch zu wenig zielgerichtet eingesetzt; davon zeugen beispielsweise die Prospektflut, die Überbewertung von Messebesuchen oder verpuffende Anzeigenwerbung.
  • Kundenfreundliche Buchungsmöglichkeiten sind noch nicht überall im Lande Standard.
Nun weiß ich, daß jetzt jeder sagt: Das ist zu pauschal, das trifft doch nicht auf mich zu! Hier sollte sich jeder ehrlich fragen, ob nicht zumindest einiges auch auf ihn selbst zutrifft.

Ich will auf der anderen Seite auch gerne die in der jüngsten Zeit erzielten Erfolge in der touristischen Entwicklung benennen:
  • Das Dachmarkenkonzept der schleswig-holsteinischen Tourismusverbände ist zweifellos ein Meilenstein in der einheitlichen Darstellung des Tourismusstandortes Schleswig-Holstein und in der Kräftebündelung gewesen.
  • Die Kooperation zwischen Tourismusverband und Hotel- und Gaststättenverband hat in letzter Zeit zugenommen, weil beide Seiten ihre gemeinsame Verantwortung stärker wahrnehmen wollen.
  • Unbestreitbar sind auch die Erfolge beim Aufbau eines landesweiten Buchungssystems.
  • Erfreulich ist auch die zunehmende konzeptionelle Unterfütterung der touristischen Entwicklung, wie zum Beispiel durch die Zukunftswerkstatt "Tourismus und Umwelt" im Kreis Nordfriesland, die Tourismusinitiative Dithmarschen oder das Tourismusentwicklungskonzept Ostholstein/Plön.
  • Gute Ansätze zeigen sich auch in der Entwicklung von Angeboten für spezielle Zielgruppen, wie zum Beispiel Fahrradtourismus, Kulturtourismus oder Reittourismus.
Wir haben also bereits viele erfolgreiche Schritte getan. Wir müssen diesen Weg aber genauso konsequent weitergehen und nicht auf halber Strecke stehenbleiben!
Schwerpunkte
IV. Tourismuspolitische Schwerpunkte der Landesregierung
  • Tourismuspolitik ist für mich ein Schwerpunkt der Tätigkeit meines Hauses. Tourismus ist ein bedeutender Wirtschafts- und Imagefaktor für Schleswig-Holstein, dem ich weiterhin Entwicklungspotentiale beimesse. Dies haben Ministerpräsidentin Simonis und ich ausdrücklich anläßlich der Kabinettssitzung am 30.Juni 1998 in Husum betont: "Wir müssen gehörig mit dem Pfund wuchern, das wir haben." Zudem muß jedes Kabinettsmitglied - so haben wir uns selbst verpflichtet - Tourismusbotschafter des Landes sein!
Vor diesem Hintergrund bin ich bemüht, das derzeitige Volumen der finanziellen Unterstützung des Tourismus zumindest zu halten. Dies betrifft folgende Schwerpunkte:
  • Ich setze auf eine faire und offene Partnerschaft mit der Tourismusbranche. Ich bin jederzeit gesprächsbereit, um Probleme zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Dies gilt allerdings mit der klaren Maßgabe, daß die primäre Verantwortung für die touristische Entwicklung bei der Wirtschaft selbst und ihren Organisationen liegt.
  • Sehr am Herzen liegt mir noch die engere Kooperation und Kräftebündelung der Tourismusakteure. "Kirchtumspolitik können wir uns in Zeiten harten Wettbewerbs und knapper Mittel nicht länger leisten! Ich möchte hierzu vier Beispiele nennen:
    – Tourismusverband und Dehoga müssen ihre begonnene enge Kooperation weiter ausbauen: Sie haben eine gemeinsame Produktverantwortung.
    – Das von den Tourismusverbänden entwickelte Dachmarkenkonzept muß auf allen Ebenen (also auch bis auf die gemeindliche Ebene hinunter) umgesetzt werden. Das Konzept gewährleistet einen einheitlichen, effizienten Werbeauftritt Schleswig-Holsteins. Ein "Zurück" kann es nicht geben, sondern nur eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Wichtig wird es auch sein, die direkte Beteiligung der Wirtschaft am Marketing zu intensivieren.
    – Natürlich gehört zum Stichwort "Kooperation und Kräftebündelung" auch die Reform der Organisationsstruktur der Tourismusverbände. Ich komme gleich darauf zurück.
    – Bei Infrastrukturprojekten werden wir nur solche Gemeinden fördern, die Bereitschaft zur Kooperation, zu einer effizienten Vermarktung und zu einer konzeptionellen Ausrichtung zeigen.
  • Natürlich gehört zu meinen Schwerpunkten der weitere Ausbau des Buchungssystems mit einer zentralen Vermarktungsorganisation. Auch hierauf komme ich gleich noch einmal zurück.
  • Die von uns gemeinsam mit den Tourismusverbänden eingeleitete Qualitäts- und Dienstleistungsoffensive ist eine Daueraufgabe im Tourismus. Wir haben bereits viele Anregungen und Impulse gegeben. Weitere Projekte sind im Anlaufen bzw. in der Planung, wie zum Beispiel:
  • landesweite Gästebefragung
  • Modellprojekt Tourist-Service-Zentralen" zur besseren Kundenorientierung der Kurverwaltungen/Tourist-Informationen
  • Fortbildungsagentur für den Tourismus
  • zielgruppenorientierte Klassifizierung von Beherbergungsbetrieben
  • Wettbewerb "Kindergerechte Rezepte" des DEHOGA.
  • Einen Erfolg kann der Qualitäts- und Dienstleistungsoffensive aber nur beschieden sein, wenn das Thema in jedem Betrieb und in jeder Kurverwaltung zur "Chefsache" gemacht wird!
  • Sehr am Herzen liegt mir die Entwicklung interessanter neuer Marktsegmente, auch wenn diese zur Zeit noch "Nischenprodukte" darstellen. Wir müssen uns aber bereits heute Gedanken über künftige Urlaubergenerationen machen; allein mit den Zielgruppen der Vergangenheit (vor allem den Familien) werden wir unsere Marktposition nicht halten können. Zu nennen sind vor allem:
    Fahrradtourismus
    Neben den bekannten Projekten (wie zum Beispiel Ostseeküsten-Radweg, Ochsenweg) sind neue Projekte im Entstehen: zum Beispiel Nordseeküsten-Radweg; Spezial-Buchungskatalog "Fahrradtourismus" des Tourismusverbandes; vernetzte Radwegesysteme in den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde; Empfehlungen für eine landeseinheitliche Beschilderung der Radwege
    Reittourismus
    In Umsetung befindet sich ein Modellprojekt in Mittelholstein. Planungen für ein landesweites Reitwegenetz laufen zur Zeit; hierzu habe ich das Tourismusreferat um eine weitere Mitarbeiterin verstärkt.
    Wohnmobiltourismus
    Hier arbeiten wir zur Zeit an einer Lösung, die den Interessen dieser speziellen Zielgruppe gerecht wird und damit die Chancen dieses Marktsegmentes nutzt.
    Kulturtourismus
    Zu erwähnen ist die "Schlössertour" oder die vereinbarte engere Kooperation zwischen Schleswig-Holstein Musik Festival und Tourismusverband.
Natürlich werde ich gemeinsam mit Ministerin Moser Hilfestellung beim Strukturwandel im Kur- und Rehasektor leisten. Hier sind allerdings nach den Ergebnissen der Anfang 1997 durchgeführten Regionalkonferenzen zunächst Orte und Betriebe gefordert, neue Konzepte zu entwickeln. Mit finanzieller Unterstützung des Sozialministeriums ist ein Service-Büro "Gesundheitsadresse Schleswig-Holstein" eingerichtet worden, das den Kurorten beratend zur Seite stehen soll. Mit einzelnen Kurorten stehen wir in Gesprächen hinsichtlich der Umstrukturierung ihrer Kurmittelhäuser.

Natürlich kann diese Aufzählung der tourismuspolitischen Schwerpunkte der Landesregierung nicht vollständig sein. So ließe sich sicherlich noch einiges beispielsweise zum Thema EXPO 2000, zur Neuorganisation des Tourismus auf Bundesebene, zum Thema "Duty Free" oder zu anderen Themen sagen. Ich will es aber angesichts der mir zur Verfügung stehenden Zeit hierbei bewenden lassen und noch auf drei aktuelle Themen eingehen: Organisationsstruktur der Tourismusverbände; Schleswig-Holstein Tourismus GmbH; Kurabgabe.
Aktuelle Themen
V. Wichtige aktuelle Themen
  1. Organisationsstruktur der Tourismusverbände
    Die Landesregierung hat sich nicht direkt in die Entscheidung des Tourismusverbandes zu einer neuen Organisationsstruktur eingemischt. Wir haben aber sehr deutlich einige Erwartungen formuliert.
  2. Ich erwarte, daß eine neue Organisationsstruktur zu einer Kräfte- und Mittelbündelung führt. Dies bedeutet insbesondere auch eine Reduzierung von Gremien- und Abstimmungsaufwand sowie die Freisetzung von Mitteln für das touristische Marketing.
  3. Wir brauchen eine Tourismusadresse für Schleswig-Holstein, an die sich der Gast (jedenfalls der Neukunde oder der Schleswig-Holstein-Unkundige) wenden kann.
  4. In der neuen Organisationsstruktur muß sich auch die Idee des Dachmarkenkonzeptes widerspiegeln, also ein einheitlicher Marktauftritt primär für die "DachmarkeSchleswig-Holstein".
  5. Wichtig ist auch, daß schnelle Entscheidungswege gewährleistet werden.

    Den Nachweis, daß eine neue Organisationsstruktur diesen Bedingungen genügt und auch in der Praxis funktioniert, müssen die Tourismusorganisationen selbst führen. Die politisch Verantwortlichen im Lande werden dies sicherlich zum Maßstab machen, in welchem Umfang auch künftig Mittel für das touristische Marketing bereitgestellt werden.
  6. Schleswig-Holstein Tourismus GmbH (SHT)
    Mit großem Bedauern habe ich den Konkurs der SHT zur Kenntnis genommen. Ich habe wenig Verständnis für die vorangegangenen Entscheidungsprozesse gehabt, vor allem für die Ablehnung eines meines Erachtens grundsätzlich tragfähigen neuen Unternehmungskonzeptes oder die bisherige "Unfähigkeit" des Tourismusverbandes, sich zu einer neuen Vertriebsgesellschaft zu entscheiden.

    Nunmehr müssen alle Kräfte daran gesetzt werden, schnell eine Nachfolgelösung zu finden: Wir müssen den Image- und wirtschaftlichen Schaden aus dem SHT-Konkurs so gering wie möglich halten. Wir brauchen nach meiner festen Überzeugung auch in Zukunft eine zentrale Vermarktungseinrichtung für Schleswig-Holstein, um im Wettbewerb bestehen zu können. Wir sollten den bedauerlichen Konkurs jetzt auch als Chance nutzen, um völlig neue und leistungsfähige Strukturen aufzubauen:
  • Dies betrifft zum einen die Gesellschafterstruktur einer neuen Gesellschaft: Interessenhomogenität, schnelle Entscheidungswege sowie Beteiligung von interessierten Wirtschaftskreisen sind hier die Stichworte.
  • Andererseits sollten nach meiner Vorstellung zumindest mittelfristig - wie in vielen anderen Bundesländern - das Aufgabenspektrum der neuen Gesellschaft breiter auf das gesamte Marketing ausgerichtet werden. Damit würden wir dem Ziel näher kommen, Schleswig-Holstein "aus einer Hand" zu vermarkten.
    Das Land wird den Aufbau einer neuen Gesellschaft mit all den ihm zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln unterstützen!
  • Kurabgabe
    Über die Kurabgabe in Schleswig-Holstein wird in regelmäßigen Zyklen mit unterschiedlichen Zielrichtungen dikutiert. Ich habe großes Verständnis dafür, daß Gäste des Landes Schleswig-Holstein, die eine Kurabgabe bezahlen, nicht immer darüber erfreut sind. Das geht uns bei öffentlichen Abgaben, Steuern und Gebühren irgendwann allen so. Ich muß aber auch feststellen, daß sehr viele Gäste, die die mit der Kurabgabe finanzierten Leistungen von Gemeinden und Einrichtungen gern entgegennehmen, durchaus auch bereit sind, hierfür ein Äquivalent zu bezahlen. Saubere, gepflegte und bewachte Strände, Angebote der Kurorte im kulturellen Bereich und Vergünstigungen für Touristen in einzelnen Orten, z.B. im ÖPNV, werden nicht nur gern entgegengenommen, das dafür erforderliche finanzielle Äquivalent wird häufig auch mit Überzeugung gezahlt.
    Der Auftrag an die Arbeitsgruppe Kurabgabe lautete also, all diese Argumente und Gegenargumente zusammenzutragen und zu bewerten, um damit die Diskussion zu versachlichen.

    Die Arbeitsgruppe hat eine Reihe von Alternativen zur Kurabgabe ausfühlich erörtert und geprüft. Sie finden eine Beschreibung dieser Alternativen mit Bewertung durch die Arbeitsgruppe im Abschlußbericht ab S.6. Ich will mir deswegen ersparen, sie im einzelnen hier vorzustellen. Das Fazit war, daß nach übereinstimmender Auffassung der Arbeitsgruppe keine dieser Alternativen ein tragfähiger, geeigneter Lösungswg zur Abschaffung der Kurabgabe ist, der weiterverfolgt werden sollte.

    Die Arbeitsgruppe schlägt daher einvernehmlich vor, die Gestaltungs- und Erhebungsform der Kurabgabe zu optimieren. Kernpunkt dieser Vorschläge ist die Einziehung der Kurabgabe durch den Vermieter, wie sie in einigen Gemeinden bereits praktiziert wird. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, daß sich auch die übrigen Kurverwaltungen diesem Verfahren anschließen. Sie hat von dem Vorschlag abgesehen, dieses Verfahren als rechtlich verbindlich im Kommunalabgabengesetz festzuschreiben, weil den Gemeinden bei der Umsetzung derartiger Vorschläge ein eigner Gestaltungsspielraum überlassen bleiben soll.

    Neben der Einziehung der Kurabgabe durch den Vermieter werden weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz und Attraktivität der Kurabgabe vorgeschlagen, z. B. die Ausgabe von Jahreskurkarten für Vermieter oder die Einführung von elektronischen Karten mit zusätzlichen Leistungen und zusätzlichen Service. Die gegenseitige Anerkennung von Kurkarten zwischen Tourismusgemeinden, die Einführung von Tourist-Cards als attraktivitätssteigernde Angebotspakete sind weitere Möglichkeiten.
Das alles verbindende Ziel lautet: Mehr Kundenfreundlichkeit bei Aufrechterhaltung des Leistungsstandes unserer Urlaubsorte.

Ich hatte eingangs darauf hingewiesen, daß die ständig wiederkehrende Diskussion um die Kurabgabe nicht gerade zur Attraktivitätssteigerung des Standortes Schleswig-Holstein beiträgt. Die Arbeitsgruppe hat sich deshalb darauf verständigt, daß angesichts der umfassenden Bestandsaufnahme und Bewertung im Rahmen des Berichtes ein weiterer Diskussionsbedarf zur Kurabgabe erst dann besteht, wenn neue, tragfähige und bislang nicht diskutierte Alternativen vorgelegt werden: Um es ganz deutlich zu sagen: Über neue Ideen bin ich immer bereit zu diskutieren, ein wiederholtes Durchkauen alter Gedanken schadet dem Tourismus in Schleswig-Holstein und sollte daher unterbleiben. Darüber waren sich alle Beteiligten einig.
Schlußwort
VI. Schlußwort
Ich bin mir sicher, daß Schleswig-Holstein-Urlaub auch in Zukunft ein "Markenzeichen" mit hohem Zulauf bleiben wird. Sicherlich müssen wir uns angesichts des aktuellen Wettbewerbes, der zunehmend zu einem "Verdrängungswettbewerb" wird, von den hohen Zuwachsraten der 70er und 80er Jahre verabschieden; eine "Stabilisierung auf hohem Niveau" ist meines Erachtens das erstrebenswerte Ziel!
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