Flensburg online
. Juli 2003 .

Dalai-Lama bewundert
Willy Brandt

Das Oberhaupt der Tibeter über Prinzipien, Privatleben und verehrte Persönlichkeiten
im Interview bei "Reader's Digest"

Stuttgart (ots) - Der Dalai-Lama bewundert nach eigenen Bekunden den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt.

IN einem Exklusivinterview mit Reader's Digest sagte der geistliche und politische Führer Tibets auf die Frage, welche Persönlichkeiten er besonders schätze: "Ich hege große Bewunderung für Willy Brandt."

   Obwohl die Lage zur Zeit des Kalten Kriegs in Europa ausgesprochen schwierig gewesen sei, "konnte Brandt das Vertrauen der sowjetischen Führung wenigstens teilweise gewinnen, ohne dabei im Wesentlichen die Rechte seines Landes aufs Spiel zu setzen." Das sei der richtige Weg, so der Dalai-Lama: "Um die eigenen Rechte und Werte kämpfen und doch ein gutes Verhältnis bewahren."

   Der Dalai-Lama ist nicht nur der Hoffnungsträger für ein freies Tibet, sondern er ist auch weltweit eine angesehene Symbolfigur für das Miteinander der Religionen. In seinem Interview mit dem Magazin Reader's Digest (August-Ausgabe) gewährt er ungewöhnliche Einblicke in sein Leben. Eine zentrale Aussage: "Ich werde meinen Einsatz für menschliche Werte, Harmonie zwischen den Religionen und den Schutz der Umwelt fortführen bis zu meinem Tod."

Über Religion und Fundamentalismus

   Im Interview äußert sich der Dalai-Lama auch zum Fundamentalismus von Religionen: "Das Hauptproblem der Fundamentalisten liegt meines Erachtens darin, dass sie zumeist unter sich bleiben. Viele tibetische Buddhisten, auch ich, waren, solange wir in Tibet lebten, fest davon überzeugt, der Buddhismus sei das einzig Richtige. Aber der Austausch mit anderen Menschen hat mich gelehrt, dass man andere Religionen respektieren muss. Der Versuch, die Menschen in ihrem Glauben zu bekehren, schafft viele Probleme." Seine ausdrückliche Empfehlung: "Mehr Kontakt mit anderen Traditionen hilft, extreme fundamentalistische Haltungen zu relativieren." Unter den religiösen Führern sieht der Dalai-Lama durchaus eine ökumenische Tendenz: "Ihre Mehrheit respektiert den Pluralismus."

Über China

   Neben Willy Brandt bekundet der Dalai-Lama auch Respekt für den chinesischen Politiker Mao Tse-tung: "Zweifellos war er ein bedeutender Revolutionär." Im Verhältnis zwischen Tibet und den chinesischen Besatzern, die 1950 in sein Heimatland einmarschierten, bemerkt er Zeichen einer gewissen Annäherung. "Ein Teil der Chinesen, auch einige politische Führer, spüren, dass die Macht des zentralistischen Regimes schwinden wird. Die derzeitige Lage in Tibet bedeutet für China ein Sicherheitsrisiko." Dass junge Tibeter im Kampf um ihre Freiheit womöglich Gewalt gegen die Besatzer anwenden könnten, mag der Dalai-Lama nicht ausschließen: "Diese Gefahr besteht." Er selbst hält dies aber für den falschen Weg und setzt auf einen langsamen Wandel: "Das wäre mir lieber. Denn kommt der Wechsel zu plötzlich, besteht die Gefahr, dass das Land ins Chaos stürzt. Daran kann niemandem gelegen sein."

Über Erziehung

   Gefragt nach Ratschlägen für Eltern und Erziehung, bezeichnete der Dalai-Lama Mitgefühl und Zuneigung als das Wichtigste, was Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben können. "Vor allem sollten Eltern ihren Kindern ihre Liebe schenken." Dabei seien die Taten entscheidend, nicht die Worte. In vielen Familien "reden die Eltern ständig übers Geld, ihren Arbeitsalltag - eine triste Atmosphäre." Wenn ein Kind all dies Tag für Tag bewusst mit erlebe, könne dies nicht gut sein. "Da die Kinder heute viel Zeit in Kindergarten und Schule verbringen, sollten ihnen auch die Lehrer von Anfang an Zuneigung entgegenbringen, anstatt sie nur zu unterrichten."

Über sich selbst

   Privat gibt sich der Friedensnobelpreisträger von 1989 durchaus weltlich. "Mürrisch" sei er, wenn er vor lauter Arbeit keine Zeit zur Meditation hat oder auf Leute trifft, "die es nicht ernst meinen." In den meisten Fällen isst er vegetarisch, akzeptiert aber auch Fleisch, wenn er auf Reisen ist. Entspannung findet er beim Fernsehen, am liebsten schaut er Naturdokumentationen an. Und dann und wann schießt er schon mal mit seinem Luftgewehr auf Habichte -"um sie zu verjagen" -, während er selbst andere Vögel füttert. Sich selbst beschreibt der Dalai-Lama als ungeduldig: "Mir reißt ziemlich schnell der Geduldsfaden. Das habe ich von meinem Vater
geerbt."

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