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von Alf Rolla

7-Sept 2001

 

 

 

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K L I C K S –

www.bahn.de

ICE
Die weiße Schlange
mit den roten Streifen

Marcus Grahnerts ICE Angebot

Die weiße Schlange
Der  I C E

M Himmel über Hannover leuchtet die Sonne in einem diffusen Gelb: "Meine Damen und Herren", sagt eine kultivierte Frauenstimme im Lautsprecher des Hauptbahnhofs, der nach seinem Umbau ein Mittelding zwischen einem neuzeitlichen Einkaufszentrum und einer uralten Festung ist, "der Zug fährt sofort ab. Die Türen schließen automatisch."

   IM nächsten Moment ertönt eine freudlose Pfeife und am Gleis 4 ruckt die weiße Schlange mit den roten Streifen einmal ganz leicht – Augenblicke später donnert sie bereits in Richtung Basel.

Auf dem Bahnsteig wimmelte es von Menschen, die durch das Prachtstück der Bahn hindurchsehen und es wahrscheinlich sogar als lebendige "Pokemón"-Figur nicht zur Kenntnis nehmen würden. Nur ein Alter, der von kleiner Statur ist und einer Menge Gewicht mit sich herumschleppt, hält inne, blickt zum ICE "Helvetia", fegt aber kurz darauf weiter gleichmütig den Bahnsteig.

Vor 10 Jahren ging der erste ICE auf Reisen

   DAS vor genau zehn Jahren natürlich ganz anders: Damals schickte die DB den ersten "Intercity Express" (so sein vollständiger Name) auf die Reise: Ganze Schulklassen verbrachten ihren Wandertag auf den Bahnhöfen entlang der Neubaustrecke Hamburg - Hannover - Kassel - Fulda, überall spielten Blaskapellen und in einigen Städten kauften Eisenbahnfans sogar die Lagerbestände von Fotogeschäften leer, nur um die zwöf Wagen (673 Plätze) des 358 Meter langen Zuges (mit je einem Triebkopf an den Enden) auf den Film zu bannen.

   SCHON fünf Jahre später kam die zweite ICE-Generation auf die Schiene. Diese Züge hatten nur noch sieben Wagen (391 Sitzplätze), konnten aber zu einem Doppelzug zusammengekoppelt werden. Über 200 Exemplare sind heute in Deutschland unterwegs – neuerdings auch mit Dieselantrieb für noch nicht elektrifizierte Strecken (zum Beispiel in der ehemaligen DDR).

Schlimmstes Zugungück in Deutschland

   WER vom Superzug redet, kann vom schlimmsten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik nicht schweigen. Schließlich starben in den Trümmern des ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" bei Eschede vor zwei Jahren 101 Menschen. Die Ursache war ein gebrochener Radreifen. Bis heute dauert das juristische Gezerre um Entschädigungen an. Die Bahnreisenden scheint das aber nicht zu stören. Besonders auf ausländische Touristen wirkt der ICE wie ein Magnet. Seit 1991 wurden 200 Millionen Fahrgäste gezählt. Und sie schätzen besonders die Höchstgeschwindigkeiten (bis Tempo 330). So konnte die Fahrzeit zwischen Hamburg und Frankfurt von fünfeinhalb auf dreieinhalb Stunden schrumpfen.

   JÜNGSTER Spross der Superzug-Familie ist der "ICE 3" (415 Sitzplätze) mit Neigetechnik für enge Kurvenradien. Eine weitere Besonderheit: Er wird nicht mehr von einem Triebkopf gezogen, der elektrische Antrieb ist unter dem Fußboden der Waggons angebracht. Die Fahrgäste können den Lokführer bei der Arbeit beobachten, die Abteile und das Cockpit trennt nur eine dicke (Panzer-) Glasscheibe.

ICE
ICE der 3. Generation
Foto: www.bahn.de

   BEIM Blick aus dem Fenster werden die Reisenden möglicherweise bald die Signale entlang der Gleise vermissen – der Lokführer aber nicht. Ihm werden sie elektronisch in den Führerstand übermittelt. Vermutlich wird so der Computer bald auch selbständig das Tempo bestimmen. Für Rainer Schmidberger vom Forschungs- und Technologiezentum der Bahn steht fest: "Wir wollen immer mehr die Maschinen nutzen." Denn nach der Statistik sei jede 100. menschliche Handlung eine Fehlhandlung.

   ABER ganz ohne Menschenhand wird der Bahnbetrieb natürlich auch künftig nicht laufen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat kürzlich festgestellt, was Bahnreisende wurmt: die vergebliche Suche nach Seife und Papier in den Zugtoiletten der Nahverkehrszüge. Und zum Auffüllen der Bestände werden (noch) Mitarbeiter gebraucht – natürlich auch zum Fegen der Bahnsteige in Hannover.

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