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Schon in vorchristlicher Zeit wollte man zur Wintersonnenwende die bösen Geister mit Rasseln und Topfdeckeln verscheuchen. Später übernahm der Rummelpott die Rolle des Lärmerzeugers. In unserer Zeit ist zum gleichen Zweck das Abbrennen von Knallkörpern zu einem Brauch ausgeartet, daß manch ein Zeitgenosse, von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint.
In früheren Zeiten zogen vor allem die armen Kinder zu den reicheren Bürgern und wurden nicht nur mit Süßigkeiten, sondern auch mit Deftigem wie Würsten und Speck beschenk. Damals war es auch Sitte, allerlei Schabernack zu treiben, wenn man mal vor verschlossener Haustür stand. Der 1990 verstorbene Wilhelm Detlefsen hat dazu folgendes geschrieben:
"Ick weet noch genau, wie dat wär, wenn wie lostrogen, wie wärn jo schon groot so an de twindig Johr. Dat geev doa eenige Lüüd, de doa eerst gornich opmoken, wenn wie vör de Dör stunnen to singen. De kreegen denn achteran de Spruch to hörn: "Roll, roll, roll, de oole Fru is doll." För de Lüüd wär denn dormit dat Urdeel fulln, dat wie de Obend bestimmt noch mol keemen. As eerstes kreegen de een ganze Lodung Pottschorten vör de Dör schmäten. Dat wär denn bloß de Anfang von dat, watt de Nacht passeern de, denn wie keem bestimmt de Nacht nochmol wedder. Eerst mußten wie over överall hen to singen, damit wie örnlich watt in unse Paas kreegen. Dat geev doa on Obend för unse Singen as Belohnung Abbeln, Nöt, Pepernöt  (Wiehnachskoken) un ock veele Wrümlings, dat wärn kleene Koken, de nich gröter wärn wie een Würfel von`t een Würfelspeel. Wie kreegen ock veele Berliner und Pfötchen (Abbelkooken) un verdreihte Jungs. Alln´s watt dat an Gebäck geev, wär natürlich ut eegene Herstellung.
Wenn wie denn längs wärn mit unse Rummelpottloopen, denn gung dat noch eenmol dörch dat Dörp. Dittmol wärn over bloß de dran, de dat eerste Mol nich opmokt harrn. Bie den stellten wie denn de dollsten Sogen an. Wie bunnen Huusdörn mit Tau to, so dat de Lüüd de nächste Dag dörch dat Fenster rutklarrn mußten, um eerstmol de dör optomoken. Goarnporten wurrn, sowiet se nich schon vördem rinhold wärn, wegschläpt.Eenmol hemm wie sogor een Glasplaate op de Schosteen legt, so groot, dat man de von ünnen nich sehn kunn. Watt doa am Nühjohrsdag los wär, kann sick woll jeder vörstelln. Dat duer lang bitt de rutkreegen, worum de Schosteen nich trecken woll.
Wie hemm jedes Johr een Masse anstellt over nie watt kaputt mokt. Wenn wie mol bie eener to Sylvester nix mokt harrn, denn sprok he uns bestimmt an een von de nächsten Dagn an un frog, ob wie emm vergäten harrn. Uns is ock nie eener richtig bös wesen. Disse Streiche gehörten domols eben to Sylvester."

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"Rummelpott ca.1890, Carl Schildt (aus Slesvigland, einer Heimatzeitung für den Landesteil Schleswig)

Herstellung eines Rummelpotts
Über die Öffnung eines Tontopfes wurde eine luftgetrocknete Schweinsblase gespannt, in deren Mitte ein Reetstab steckte, der ca. 20 cm rausgucken sollte. Mit angefeuchteten Fingern wurde dieser in Schwingungen versetzt. So war es früher. Heute ist der Tontopf durch eine Blechdose und die Schweinsblase durch einen Gefrierbeutel ersetzt worden. Schweinsblase bzw. Gefrierbeutel müssen sehr straff über dem Gefäß sitzen, damit der Reetstab festsitzt und wirklich ein Ton herauskommt. Erbsen in dem Gefäß steigern den Lärm. Und dann üben, üben!

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aus Slesvigland