Flensburg online: Das Todesspiel
  Das Todesspiel
im Sommer 1942
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Während des Zweiten Weltkriegs gewann eine ukrainische Fussball-Mannschaft mit 5:3 gegen eine deutsche Mannschaft.

Der Torhüter der ukrainischen Mannschaft lag nach einem Tritt minutenlang bewusstlos auf dem Rasen.

Der Schiedsrichter trat in deutscher SS-Uniform an.

1971 wurde den vier ermordeten ukrainischen Spielern zu Ehren ein Denkmal vor dem Dynamo-Stadion in Kiew errichtet.

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KLICKS –

Kiew

DFB

  Gegen deutsche Mannschaft gewonnen.
Danach 4 Spieler ermordet.


Es ist Sommer 1942. Am 19. September 1941 hatten deutsche Armeetruppen die Stadt Kiew besetzt. In der damals von Nazi-Deutschland besetzten Ukraine findet ein Fußballspiel statt.

IN der Literatur ist vom "Todesspiel" ukrainischer Fußballer gegen eine deutsche Militärmannschaft die Rede.
Die Flakelf der deutschen Besatzer spielte gegen eine Mannschaft aus Kiew, deren Spieler hauptsächlich von Dynamo Kiew stammten. Das Fußballspiel sollte die Überlegenheit der arischen Rasse demonstrieren. Allerdings siegte die ukrainische Mannschaft mit 5:1 über die deutsche Flakelf.

   AM 9. August 1942 kam es zum Revanche-Spiel, das im vollbesetzten Zenit-Stadion stattfand. Überall Wehrmacht, SS und Polizei. Der Schiedsrichter trat in deutscher SS-Uniform an. Die ukrainischen Spieler erregten den Unmut der deutschen Zuschauer, weil sie zu Spielbeginn den Hitler-Gruß verweigerten und stattdessen mit ihrer Hand auf ihren Herzen den ukrainischen Sportgruß "Fizcult Hura" riefen.

   ES war klar, dass die deutsche Mannschaft dieses Rückspiel nicht verlieren durfte. Entsprechend brutal gingen die Spieler auch vor. Der Torhüter der ukrainischen Mannschaft beispielsweise lag nach einem Tritt minutenlang bewusstlos auf dem Rasen. Dennoch führte man zur Halbzeit mit 3:1.
In der Halbzeitpause machte den ukrainischen Spielern ein SS-Offizier klar, dass man keinen Sieg der Kiewer-Mannschaft wünsche. Als die Spieler zur zweiten Halbzeit aufliefen, sahen sie, dass es den Deutschen Ernst war: An den Seitenlinien hatten SS und deutsche Soldaten bedrohlich Stellung bezogen. Dennoch ging das Spiel mit 5:3 für die Kiewer Mannschaft zu Ende.

   UNMITTELBAR nach Spielende geschah nichts. Aber in den folgenden Tagen wurden die ukrainischen Spieler verhaftet und in die Karolenko Straße verbracht, wo sich das Kiewer Gestapo-Hauptquartier befand. Ein Spieler wurde von der Gestapo zu Tode gefoltert. Zehn Spieler kamen ins Todeslager Siretz. Der Mittelstürmer der Kiewer Mannschaft wurde dort am 24. Februar 1943 zusammengeschlagen und erschossen. Ihm folgten drei weitere Spieler, die ermordet wurden.
1971 wurde den vier ermordeten Spielern zu Ehren ein Denkmal vor dem Dynamo-Stadion in Kiew errichtet.

   DAS Buch "Fußball in Vergangenheit und Gegenwart", 1976 in der damaligen DDR erschienen, spricht hinsichtlich dieses Spieles von einer "Inkarnation faschistischer Sportbarbarei" (zitiert nach "Der Tagespiegel" vom 9. November 2001, Seite 24, aus einem Artikel von Werner Skrentny).

Schon während des Spiels soll es zum ersten Todesopfer gekommen sein: Ein deutscher SS-General soll einen Zuschauer, der dem an der Seitenlinie liegenden, verletzten Rechtsaußen der ukrainischen Mannschaft zu Hilfe kommen wollte, erschossen haben, heißt es in dem Buch "Fußball in Vergangenheit und Gegenwart".
Es gibt Berichte, wonach die russischen Fußballer direkt nach Spielschluss abtransportiert wurden. Noch in ihren roten Trikots sollen sie in der "Todesschlucht von Babi Jar" hingerichtet worden sein.

Literatur –

"Ihr größtes Spiel", 1960 in der DDR erschienener Roman von Alexander Borstschagowski.
"Das Spiel mit dem Tode" erschien 1969 im Militärverlag.
"Dynamo - Defending the Honour of Kiev" von Andy Dougan


Flensburg online: Das Todesspiel / November 2001