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Hugo Eckener

Leben und Tat des Flensburger Luftschiffers
1868 - 1954

Eine kleine Bildserie
zusammengestellt und kommentiert vom
Städtischen Archivdirektor Dr. Broder Schwensen, Flensburg
August 1996

Wir danken für die technische Unterstützung Frau Jansen von der PIN GmbH, Flensburg

A N Z E I G E –

Bild Nr. 1

Das Elternhaus Hugo Eckeners in der Norderstraße 8


Begeben wir uns zurück in das Flensburg der 1860er Jahre. Eine Zeit des Umbruchs: 1867 zur preußischen Provinzstadt geworden, gehörte Flensburg seit 1871 dem Deutschen Reich an. Neue Industrien, insbesondere die 1872 gegründete FSG, boten Beschäftigung für die überzählige Landbevölkerung, weshalb die Einwohnerzahl rasch anstieg (von 20.000 im Jahr 1861 auf 49.000 im Jahr 1900).
In der Hoffnung auf besseren Verdienst siedelte 1865 auch Johann Christoph Eckener aus Bremen nach Flensburg über, der hier 1867 die Flensburger Schuhmachertochter Anna Lange heiratete. Das Paar führte in der Norderstaße 8 einen Zigarren- und Gewürzhandel, der eine kleinbürgerlich-mittelständische Existenz ermöglichte.

Foto vom Geburtshaus von Hugo Eckener aus dem Jahre 1900
Das Haus im Jahre 2003 fotografiert


Bild Nr. 2

Hugo Eckener im Kreise seiner Geschwister

Hugo Eckener, ihr erstes Kind, wurde am 10. August 1868 geboren. Die weiteren vier Geschwister Hugo Eckeners waren Bruder Alexander (1870-1944), Arnold (gest. 1896), Schwester Toni (gest. 1913) sowie Schwester Ina (gest. 1967), hier noch nicht abgebildet.

Das Verhältnis zwischen Hugo und seinen Geschwistern blieb zeitlebens distanziert. Lediglich zur Mutter entwickelte der junge Hugo eine tiefere Zuneigung. Festzuhalten ist, daß Eckener kein Familienmensch war und auch es später nicht wurde. Vorzugsweise ging er seine eigenen Wege.


Bild Nr. 3

Altes Gymnasium am Klostergang

Als Schüler besuchte Hugo Eckener in Flensburg zunächst die Bürgerschule am St. Marien-Kirchhof, sodann das Alte Gymnasium am Klostergang.
Erst im Jahre 1888, also als Zwanzigjähriger, erhielt er das Reifezeugnis zuerkannt. Zweieinhalb Jahre hatte Hugo zuvor in der Prima "festgesessen". In den meisten Fächern wurde er nur mit der Note "genügend" bewertet. Tatsächlich hatte Hugo während der Schulzeit stets nur das für einen Schüler Nötigste getan. Im Sommer zog er das Segeln, im Winter das Schlittschuhlaufen vor.


Bild Nr. 4

Schul- und Studienzeit

Eckener strebte früh danach, aus dem kleinbürgerlichen Milieu des Elternhauses hinauszugelangen. Er entschloß sich zum Studium der Psychologie, Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft an den Universitäten in München, Berlin und Leipzig.

In diesen Metropolen genoß der musisch veranlagte Eckener das reiche kulturelle Leben, weshalb er, wie wir aus seinen Briefen an die Mutter wissen, stets unter Geldsorgen zu leiden hatte, - eine chronische Studentenkrankheit.

Im Jahre 1892 promovierte Eckener ("magna cum laude") beim seinerzeit hochgeschätzten Physiologie-Professor Wilhelm Wundt.


Bild Nr. 5

Kasernen des Regiments 86 auf Duburg

Nach dem Studium genügte Eckener seiner Wehrpflicht beim Infanterieregiment 86 in Flensburg, das in den neuen Kasernen auf Duburg stationiert war. Der frühe Tod der 1880 verwitweten Mutter hielt Hugo Eckener 1893 zwecks Regelung der Familiengeschäfte zunächst in Flensburg fest.


Bild Nr. 6

Titelblatt der "Flensburger Nachrichten", August 1893

Während dieser Zeit arbeitete der junge Hugo Eckener dank seiner freundschaftlichen Verbindung zur Verleger-Familie Maaß als redaktioneller Mitarbeiter der "Flensburger Nachrichten". Die sozial- und gesellschaftspolitischen Artikel, aber auch kunst- und musikkritischen Beiträge Eckeners fanden ein positives Echo. Im Oktober 1897 heiratete Eckener die ihm von Jugend auf bekannte, nicht unvermögende Verlegerstochter Johanna Maaß. Eine kirchliche Trauung erfolgte nicht, da Eckener zwar nicht das Christentum, wohl aber die Institution Kirche ablehnte.


Bild Nr. 7

Friedrichhafen/Bodensee. Heimat der Zeppelin

Ende der 1890er Jahre übersiedelte Eckener, da unter Rheuma leidend, mit seiner Frau vom oft naß-kalten Flensburg nach dem milden Friedrichshafen am Bodensee. Zugleich wechselte er als Korrespondent zur "Frankfurter Zeitung", einer Vorläuferin der heutigen "FAZ". In Friedrichshafen verfolgte der mittlerweile 35jährige Journalist fasziniert die Flugversuche des Grafen Zeppelin mit lenkbaren Starr-Luftschiffen. Die Lebenszäsur bahnte sich an.


Bild Nr. 8

Eckener zu Besuch beim Grafen Zeppelin

Die Begeisterung Eckeners für den Luftschiffbau ist vor dem Hintergrund einer beruflichen Desorientierung zu sehen. Der selbst zur Tat drängende Eckener zog kaum noch Befriedigung aus seiner lediglich kommentierenden Journalistenarbeit.
Im Oktober 1908 kam es zur schicksalhaften Begegnung zwischen Zeppelin (Mitte) und Hugo Eckener (links). Der Graf bedurfte dringend eines Fachmanns für Öffentlichkeitsarbeit, nachdem maßgebende Physiker und Ingenieure wegen der zahlreichen Unglücksfälle öffentlich gegen seine Luftschiffpläne wetterten. Ohne zu zögern nahm Eckener die neue Herausforderung an. (rechts Peter Strasser, Chef der Marineluftschiffahrt)


Bild Nr. 9

Eckener und Zeppelin an Bord eines Luftschiffes, um 1910

Seit 1909 propagierte er die Luftschiff-Idee in den Zeitungen des Reiches, aber auch gegenüber den preußischen Behörden. Zudem wies er gegenüber dem Kriegsministerium auf eine Verwendbarkeit des Luftschiffes für die Fernaufklärung hin. Unterstützt wurde die Werbe-Arbeit durch die guten Erfolge des LZ 5, das Fahrten vom Bodensee nach München und nach Norddeutschland unternahm.

 


Bild Nr. 10

Eckeners Luftschiffer-Zeugnis, 1911

Zugleich beteiligte sich Eckener an der Gründung der Deutschen Luftschiff-Aktien-Gesellschaft, kurz DELAG. Außerdem legte er 1911 das Luftschiffer-Zeugnis ab und fungierte fortan in der DELAG als zuständiger Direktor für die Ausbildung der Luftschifführer. Und selbstverständlich stand er fortan, wann immer möglich, selbst als Kapitän am Steuerrad. Mit 43 Jahren hatte Eckener endlich sein Metier gefunden.

 


Bild 11

Luftschiff "Hansa" über Flensburg

Am 11. August 1912 stattete Eckener mit dem Luftschiff "Hansa" auch seiner Heimatstadt Flensburg einen Besuch ab. Nach einem Rundflug über die Stadt landete das Luftschiff auf dem Flugfeld "Schäferhaus", wo er von einer begeisterten Menge begrüßt wurde.

 


Bild Nr. 12

Eckener als junger Luftschiffer

Die intensive Aufklärungs- und Werbearbeit Eckeners sowie die guten Erfolge der DELAG im Rundflug-Geschäft ließen die anfänglichen Zweifel bei Heer und Marine schwinden. Man glaubte an eine Kriegsverwendungsfähigkeit und baute einen eigenen Zeppelin-Stab auf. Mit der Schulung des Luftpersonals wurde wiederum Hugo Eckener betraut.

 


Bild Nr. 13

Marineluftschiff über Nordsee

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 wurde Eckener als zivilangestellter Instrukteur der Marine-Luftschiffkommandanten in Dienst genommen.
Die Hauptausbildungsstätte der Marine-Luftschiffer lag damals in Nordholz zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Hier entstand bis zum November 1915 der weltgrößte Luftschiffhafen. Von hier, aber z.B. auch von Tondern/Nordschleswig aus wurden Aufklärungsfahrten über die Nordsee sowie Bombenflüge nach England unternommen.

 


Bild Nr. 14

Bombentreffer eines Zeppelin

Diese Angriffe forderten, was heute gemeinhin vergessen ist, zahlreiche Opfer unter der britischen Zivilbevölkerung (557 Tote).

 

 


Bild Nr. 15

Abgeschossener, brennender Zeppelin

Aber auch die deutsche Luftschifflotte mußte ihren Preis zahlen. 17 der insgesamt 64 Marine-Zeppeline wurden abgeschossen. Ferner ging die übrige Hälfte der Schiffe durch Gewitter und Blitzschlag verloren.
War erst einmal, wie hier zu sehen, das Wasserstoffgas in Brand geraten, gab es für die Besatzung kein Entrinnen.

 

 


Bild Nr. 16

Philipp Scheidemann ruft die Republik aus

Dann das Kriegsende im November 1918. Scheidemann ruft die Republik aus. Noch im August 1918 hatte Eckener auf einen deutschen Sieg gehofft. Entsprechend abschätzig äußerte er sich über die (Zitat) "Schwärmer und Fanatiker à la Scheidemann", die einen "schwächlichen Verständigungsfrieden" erstrebten.
Wir Heutigen wissen, daß sich Eckener in seinem Verdikt über die Verständigungspolitiker gründlich irrte. Im September 1918 hatten selbst Hindenburg und Ludendorff die Einstellung der Kampfhandlungen gefordert.

 

 


Bild Nr. 17

Flensburger Nordertor in der Abstimmungszeit, 1920

Ein Ergebnis des Versailler Vertrages war auch die Volksabstimmung in Nord- und Mittelschleswig im Jahre 1920. Aus diesem Anlaß kehrte der stimmberechtigte Eckener kurzzeitig in seine Heimatstadt zurück, wo er sich als Journalist und Redner tatkräftig für die deutsche Sache einsetzte.

 

 


Bild Nr. 18

Flaggengeschmückte Toosbüy-Straße, 1920

Am 10. März 1920, vier Tage vor der Abstimmung, schrieb Eckener aus Flensburg: (Zitat) "Es ist ein wahnsinniger Wirbel. Die Straßen sind ersäuft in Blau-Weiß-Rot. Die Stimmung wächst sich zu einer wilden Begeisterung aus. Ich rechne mit höchstens 15% dänischen Stimmen." (Zitatende).
Nun, es wurden dann doch 25% dänische Stimmen. Am deutschen Sieg in Flensburg aber gab es nichts zu deuteln, und Eckener hatte sein Scherflein dazu beigetragen.


Bild Nr. 19

Eckener als Luftschiffer in der Flugkabine

Hugo Eckener hatte den Weltkrieg physisch und finanziell unbeschadet überstanden. Anders als manche seiner Zeitgenossen blickte er vielleicht deshalb nicht wie fixiert auf den verlorenen Krieg zurück, sondern nahm als DELAG-Direktor die 1914 in Friedrichshafen unterbrochene Arbeit rasch wieder auf. Nach dem Tode des Grafen Zeppelin im Jahre 1917 fiel es ihm zu, als Protagonist der Luftschiffahrt zu wirken. Unverwandt hielt er am Zeppelin als dem zukünftigen Lufttransportmittel fest.



Bild Nr. 20

Neuaufbau in Friedrichshafen, LZ 120 "Bodensee"
Bereits im August 1919 war die Passagierluftfahrt mit dem Luftschiff "Bodensee" erneut aufgenommen worden. Dies stieß jedoch auf den Widerstand der Entente-Mächte. Die "Bodensee" wurde beschlagdahmt und die "Londoner Beschlüsse" vom Jahre 1920 legten fest, daß Deutschland lediglich Starrluftschiffe unter 30.000 cbm Gasvolumen bauen dürfe, - eine für die effektive Passagierbeförderung zu geringe Größe.



Bild Nr. 21

Ein nachdenklicher Eckener

Eckener aber war nicht der Mann, nun aufzugeben. Er ersann einen überaus raffinierten Ausweg. Da die Alliierten zur gleichen Zeit für die am Kriegsende durch das Bodenpersonal zerstörten deut-schen Kriegsluftschiffe finanziellen Ersatz forderten, kam Eckener die Idee, den Amerikanern statt der geforderten Geldsumme ein modernes Großluftschiff zu liefern.



Bild Nr. 22

US-Luftschiff ZR I

Wie Eckener wußte, hatte die US-Firma Goodyear während des Krieges kleinere Luftschiffe für Militärzwecke gebaut. Hier das US-Luftschiff ZR I. Noch aber fehlte es in den USA an technischer Erfahrung, um ein ziviles, ökonomisch rentables Großluftschiff-Netz über ganz Nordamerika aufzubauen.
Eckener ahnte daher, daß die Amerikaner eher an der Auslieferung eines in Deutschland neugebauten, technisch überlegenen "Reparationsluftschiffes", denn an Geldzahlungen interessiert sein müßten. Und tatsächlich sagte den pragmatischen Amerikanern Eckeners Idee sofort zu, wodurch wiederum die Friedrichshafener Zeppelin-Werke vor einer Demontage und die dortigen Fachkräfte vor Arbeitslosigkeit bewahrt wurden.



Bild Nr. 23

Britisches Luftschiff R 34

Allerdings hatte die Sache einen Pferdefuß: Die Amerikaner forderten die unversehrte Überführung des Schiffes nach den USA. Tatsächlich aber waren bis dahin überhaupt nur zwei Transatlantikflüge geglückt, darunter 1919 eine Fahrt des britischen Luftschiffes R 34. Eine Non-Stop-Luftfahrt von Kontinent zu Kontinent aber war bislang noch nicht geglückt. Nur zur Erinnerung: der Lindbergh-Flug erfolgte erst im Mai 1927.



Bild Nr. 24

Reparationsluftschiff LZ 126

Ungeachtet dieser Gefahrensituation verbürgte sich Eckener für das Gelingen des Unternehmens mit seiner gesamten finanziellen Existenz. Damit war der Weg frei, und unter der nun gleichsam legalisierten Umgehung der "Londoner Beschlüsse" baute die Zeppelin GmbH 1923/24 das LZ 126. Das Schiff wurde für 72.000 cbm Gasvolumen ausgelegt, seine Länge betrug 200 m, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei etwa 115 km/h.



Bild Nr. 25

Hugo Eckener am Führerstand

Mitte Oktober 1924 erfolgte sodann die weltweit beachtete Atlantiküberquerung des LZ 126, - mit Hugo Eckener als Kommandanten, hier am Führerstand stehend.



Bild Nr. 26

Route des LZ 126, Oktober 1924

Die Flugroute verlief vom Bodensee aus über Frankreich, die Biskaya, die Azoren und Neuschottland nach Lakehurst bei New York, wo das LZ 126 nach 80-stündigem Non-Stop-Flug am 15. Oktober 1924 wohlbehalten eintraf.



Bild Nr. 27

LZ 126 über New York

Beim Flug des Luftschiffes über New York gerieten die Amerikaner in helle Begeisterung. In den Straßen stockte der Verkehr, die Autofahrer veranstalteten ein Hupkonzert und die Passanten jubelten dem Luftschiff zu. In Lakehurst versammelten sich mehr als eine halbe Million Menschen. Militärkapellen intonierten die amerikanische und – erstmals wieder nach dem Kriege – auch die deutsche Nationalhymne.



Bild Nr. 28

Konfetti-Parade in New York

Ja, und dann ging es richtig rund. Eckener und seiner Pioniertat zu Ehren veranstalte New York eine Konfetti-Parade und verlieh dem Luftschiffer zudem das Ehrenbürgerrecht.



Bild Nr. 29

Hugo Eckener beim US-Präsidenten Coolidge

Wenig Tage später wurde Eckener zudem vom US-Präsidenten Coolidge im Weißen Haus in Washington empfangen und als "moderner Columbus" geehrt.



Bild Nr. 30

Hugo Eckener in Kommandanten-Uniform

Tatsächlich machte Eckener wie kaum ein Deutscher zuvor, positive Schlagzeilen in der amerikanischen Publizistik, die ihn zum "Man of the year" kürte. Da selbst vom Pressefach, kannte Eckener seinerseits keine Berührungsängste, sondern nutzte gern jede Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. Die Amerikaner waren hingerissen von diesem risikofreudigen und zugleich geistreichen Tatmenschen. Tatsächlich trat mit der Überführungsfahrt und dem Auftreten Eckeners ein positiver Umschwung in der öffentlichen Meinung Amerikas gegenüber dem ehemaligen Kriegsgegner Deutschland ein.



Bild Nr. 31

Hugo Eckener bei Reichspräsident Ebert, 1924

Zurück in Deutschland, wurde Eckener auch hier mit Ehrungen überhäuft und vom Reichspräsidenten Ebert persönlich beglückwünscht.



Bild Nr. 32

Flensburgs Ehrenbürgerbrief für Hugo Eckener, 1924

Die Heimatstadt Flensburg verlieh Hugo Eckener das Ehrenbürgerrecht. Der Ehrenbürgerbrief lautet:

"Der Doktor der Philosophie Hugo Eckener, geboren zu Flensburg am 10. August 1868, der bewährte Mitstreiter des Grafen Zeppelin, überflog mit einem deutschen Luftschiff als erster das weite Weltmeer, vollbrachte ein Kulturwerk, unabsehbar in seiner Bedeutung und erzwang Achtung und Anerkennung dem deutschen Namen in aller Welt. Stolz auf seine große Tat, freudig teilnehmend an seinem Ruhm, verleiht ihm das Ehrenbürgerrecht die Vaterstadt."
Wie erwähnt, war Eckeners Fahrt nicht der erste Transatlantikflug gewesen. Dies aber nur am Rande.



Bild Nr. 33

Hugo Eckener vor dem Flensburger Bismarck-Brunnen, 1924

Wichtiger ist es, die deutsche Anteilnahme vor dem Hintergrund der zerrissenen innenpolitischen Lage Deutschlands zu sehen. Nach dem verheerenden Währungsverfall und dem politischen Vertrauensverlust im Jahre 1923 bangte die deutsche Bevölkerung um ihre Zukunft. Man sehnte sich nach geordneten Verhältnissen und suchte nach einem Leitbild, nach einer Persönlichkeit, auf die man vertrauen und auf die man stolz sein konnte.

Es ist dies ein für Krisenzeiten bekanntes Verhaltensmuster, – Ausdruck einer schmerzhaft empfundenen Kluft zwischen Wollen und Sein. Tatsächlich gab Eckener, hier im Jahre 1924 vor dem alten Bismarck-Brunnen auf dem Südermarkt, der verwundeten deutschen Seele nach langen Jahren erstmals wieder das ersehnte Empfinden patriotischen Stolzes.


Bild Nr. 34

LZ 127 "Graf Zeppelin", Abflughalle, 1929

Nachdem 1926 die alliierten Restriktionen aufgehoben worden waren, konnte 1928 das LZ 127 "Graf Zeppelin" gebaut werden, das den transatlantischen Verkehr nach Nord- und Südamerika etablierte.


Bild Nr. 35

Hugo Eckener grüßt aus offenem Wagen

Während der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre hatte Eckener in aller Welt mit den Großen seiner Zeit verkehrt. Seine Gedanken kreisten nun zunehmend auch um politische Fragen, insbesondere um den von ihm unterstützten deutsch-französischen Ausgleich. Zugleich wandte er sich öffentlich gegen die volksverhetzenden Parolen der links- und rechtsextremen Parteien.


Bild Nr. 36

"Hitler oder Dr. Eckener", Reichspräsidentschaftswahl 1932

Eckener büßte mit diesen Stellungnahmen einen Teil seiner Popularität ein, blieb seinen völkerverbindenden Grundsätzen aber treu, weshalb er 1932 von sozialdemokratischer Seite angesprochen wurde, als Reichspräsidentschaftskandidat gegen Hitler zur Verfügung zu stehen. Vertreter der Zentrumspartei schlossen sich diesem Ansinnen an. Zu einer Aufstellung Eckeners kam es dann allerdings nicht, weil sich Hindenburg zur erneuten Kandidatur entschloß.


Bild Nr. 37

Hitler und Eckener, 1933

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 tangierte auch Eckener. Eine Verhaftung des 65jährigen soll beabsichtigt gewesen, aber am Einspruch Hindenburgs gescheitert sein. Mit Hitler selbst traf Eckener nur ein einziges Mal, im Juli 1933, zusammen. Beide kamen kaum ins Gespräch, schon nach kurzer Zeit trennte man sich wieder.

 

 


Bild Nr. 38

"Graf Zeppelin" und "Hindenburg" mit Hakenkreuzflagge, 1936

In den Folgejahren wies Eckener mehrfach das Ansinnen Goebbels zurück, öffentlich für Hitler einzutreten. Zähneknirschend mußte der Alte vom Bodensee jedoch die Kennzeichnung der Luftschiffe, hier die "Graf Zeppelin" und die "Hindenburg", mit der zur Staatsflagge avancierten Hakenkreuzfahne hinnehmen.

 

 


Bild Nr. 39

Die Katastrophe von Lakehurst, 1937

Dann die Katastrophe von Lakehurst im Mai 1937, bei dem das Luftschiff "Hindenburg" verunglückte. Sie steht bis heute für das unwiderrufliche das Ende der zivilen Luftschiffahrt, die zudem von der fortschreitenden Entwicklung im Flugzeugbau überflügelt wurde.

 

 


Bild Nr. 40

Abwrackung

Noch 1937 verbot die deutsche Regierung aus Sicherheitsgründen die Passagierluftfahrt mit den Zeppelinen und ließ 1940 die verbliebenen zwei Luftschiffe abwracken. Im gleichen Jahr wurden die Zeppelinwerke auf Kriegsrüstung umgestellt. So baute man in Friedrichshafen während der vierziger Jahre Teile der Peenemünder Flüssigkeitsraketen.

 

 


Bild Nr. 41

Hugo Eckener vor beschädigten Luftschiff-Hallen, 1945

Friedrichshafen und die Werkanlagen wurden durch Luftangriffe zu großen Teilen zerstört. Eckener verlor sein Wohnhaus. Wichtige Unterlagen und persönliche Aufzeichnungen gingen der Nachwelt verloren. Das Kriegsende erlebte Eckener bei seiner Tochter in Konstanz wohnend.

 

 


Bild Nr. 42

Herausgabe des "Südkuriers"

Der mittlerweile 77-jährige Eckener aber war innerlich ungebrochen. Bereits im September 1945 trat er als Mitherausgeber einer neuen Tageszeitung, dem "Südkurier", hervor, in der er wiederum eine deutsch-französische Zusammenarbeit anmahnte.

 

 


Bild Nr. 43

Hugo Eckener im Garten sitzend, 1947

Im November 1945 sah sich Eckener mit dem Vorwurf der Kolloboration mit dem NS-Staat konfrontiert. Als ehemaligen "Wehrwirtschaftsführer" belegte ihn die französische Militärregierung 1947 mit 100.000 RM Geldbuße. Zahlreiche Persönlichkeiten ganz unterschiedlicher Ausrichtung setzten sich daraufhin für die Rehabilitierung Eckeners ein, etwa Konrad Adenauer, Pastor Martin Niemöller, Berlins Bürgermeisterin Luise Schröder oder auch Flensburgs seinerzeit dänischer Oberbürgermeister I. C. Möller. Bereits im Juli 1948 wurde das Urteil widerrufen und Eckener rehabilitiert.

 

 


Bild Nr. 44

Hugo Eckener feiert seinen 80. Geburtstag

Wiederum hatte sich der Alte zäh behauptet. Vier Wochen darauf, im August 1948, feierte Eckener im kleinen Kreis und bei fünf Zigarren seinen 80. Geburtstag. Aber auch in seiner nun beginnenden neunten Lebensdekade nahm Eckener engagiert zum politischen Geschehen Stellung.

 

 


Bild Nr. 45

Überfüllter Saal im Deutschen Haus, Flensburg 1951

So hielt er seiner Heimatstadt Flensburg im Frühjahr 1951 anläßlich des damals mit harten Bandagen geführten Kommunalwahlkampfes nochmals die Treue. Hier hatte sich eine deutsche Parteienkoalition von der CDU bis zur KPD das gemeinsame Ziel gesetzt, die seit 1945 in Flensburg bestehende dänischorientierte Ratsmehrheit zu brechen.

 

 


Bild Nr. 46

Hugo Eckener auf dem Weg zum Redepult, Deutsches Haus 1951

Im Deutschen Haus hielt Eckener vor 5.000 Flensburgern eine donnernde, über eine Stunde währende Rede für ein deutsches Flensburg, warnte aber auch vor Kleingeistigkeit im Grenzland.

 

 


Bild Nr. 47

Aus seinem Elternhaus winkt Eckener dem Jubelzug zu

Tatsächlich konnte bei den Wahlen wieder eine deutsche Mehrheit erreicht werden. Mit einem Fackelzug vorbei an seinem Elternhaus in der Norderstraße 8, aus dem Eckener der Menge zuwinkte, wurde der treue Sohn der Stadt daraufhin begeistert gefeiert.

 

 


Bild Nr. 48

Eckener und Bundespräsident Heuß, 1952

Im August 1952 von Bundespräsident Heuß mit dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet, erlebte ihn aber auch die nationale Politik als Mahner und engagierten Kritiker. Als im Herbst 1952 im Bundestag die Annahme der Westverträge anstand, appellierte Eckener, zuvor sämtliche Möglichkeiten der Stalin-Note zu prüfen. Vor einer Westbindung, und damit einem Quasi-Verzicht auf die Wiedereinigung, müsse eine Vierer-Vereinbarung für ganz Deutschland angestrebt werden. Der Bundestag – und, wie wir heute wissen, auch die Geschichte – entschieden sich anders.

 

 


Bild Nr. 49

Ein schmunzelnder Eckener, mit der unverzichtbaren Zigarre

Vier Tage nach seinem 86. Geburtstag starb Hugo Eckener am 14. August 1954. Beigesetzt wurde er in Friedrichshafen. Seine Frau Johanna, mit der er 59 Jahre verheiratet war, folgte ihm im Januar 1956 nach.

 

 


 

Zusammenfassend läßt sich sagen: Hugo Eckener war eine von sich überzeugte, überaus kantige und für seine Zeitgenossen nicht immer leicht zu nehmende Persönlichkeit. Sein Lebensweg verlief durchaus nicht gradlinig, stets aber, im Erfolg und in den Niederlagen, blieb er sich und seiner Heimat treu. So liegt Eckeners Reiz bis heute in der gelebten Synthese heimatlicher, technischer, ökonomischer und weltpolitischer Interessen. Er war Schriftsteller und Techniker, Wissenschaftler und Unternehmer, Patriot und politisch engagierter Weltbürger.
Ich meine, daß wir Nachgeborenen auf den angenehm querköpfigen Flensburger Hugo Eckener mit Recht stolz sein dürfen.

Dr. Broder Schwensen, Städtischer Archivdirektor

 


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