Von der deutschen Niederlage zur Teilung Schleswigs (10)

Die Wiedervereinigung der 2. Zone mit Deutschland

Mit der offiziellen Mitteilung über den Grenzverlauf am 15. Juni 1920 erlosch das Mandat der Internationalen Kommission.

Nachdem sich die englischen Truppen schon in der Nacht vom 14. zum 15. Juni unauffällig aus Flensburg zurückgezogen hatten, rückten am 16. Juni die französischen Kräfte von Flensburg-Weiche per Eisenbahn nach Metz ab.

Zur Mittagszeit des 16. Juni war noch einmal eine kleine französische Restabteilung vor dem Hotel "Flensburger Hof" aufgezogen, das der CIS annähernd fünf Monate als Sitz gedient hatte. Unter Ehrenbezeugung der Alpenjäger sowie im Beisein von Generalsekretär Bruce und führenden CIS-Mitarbeitern wurden die vier Flaggen der Entsender-Staaten feierlich niedergeholt. Die umstehende Bevölkerung begleitete diesen Vorgang und das Abrücken der letzten alliierten Soldaten mit "Hurra!"-Rufen, Beifall und dem Absingen des "Schleswig-Holstein-Liedes".

Zollamt

Zollamt

Generalsekretär Bruce verließ am Morgen des 17. Juni die Fördestadt, nachdem er sich am Vortage noch von seinem früheren Gegenspieler, dem zum deutschen Außenminister aufgestiegenen Dr. Köster, verabschiedet hatte.

Köster war zusammen mit dem preußischen Innenminister Severing in Flensburg eingetroffen, um der feierlichen Wiedervereinigung der 2. Zone mit dem Reichsgebiet beizuwohnen. Auf dem mit Blumen, Girlanden und Fahnen geschmückten Südermarkt begrüßten die festlich geschmückte Bevölkerung, studentische Abordnungen aus Kiel, die städtischen Repräsentanten um Oberbürgermeister Todsen sowie die politischen Vertreter der Reichs- und Staatsregierung am Vormittag des 17. Juni die unter klingendem Spiel zurückkehrenden Truppen. Als einer der Redner erinnerte Adolf Köster in einer kurzen Ansprache an das zurückliegende Ringen, an die Zusagen des Reiches zugunsten des treuen Flensburg sowie an die künftige Bedeutung einer neu erwachten schleswig-holsteinischen Heimatarbeit für Provinz und Reich.

Inschrift

Inschrift "Deutsches Haus"

Nach dem Abrücken des Militärs in die Kasernen begaben sich die geladenen Gäste zum gemeinsamen Mittagessen in die "Harmonie", wo die Gelegenheit zu weiteren feierlichen Ansprachen genutzt wurde.

Am frühen Nachmittag folgte in der Marinestation Mürwik unter wiederum großer Beteiligung der Bevölkerung das feierliche Hissen der deutschen Kriegsflagge. Abends traf man sich auf den Volksfesten in der Marienhölzung oder im Ostseebad, wo bis in die frühen Morgenstunden des 18. Juni gefeiert wurde.

Das "Deutsche Haus"

Das "Deutsche Haus"

In den Folgetagen beseitigte eine städtische Putzkolonne mit Spachtel, Bürste und Eimer die letzten Anschlagzettel der Abstimmungszeit von Hauswänden, Zäunen und Unterführungen. Flensburg wechselte aus dem Rampenlicht der internationalen Politik in das graue Schattendasein einer wirtschaftlich benachteiligten Grenzstadt im darniederliegenden Deutschland. Eingedenk der bewiesenen deutschen Treue förderten Staat und Reich in den zwanziger Jahren durch erhebliche Finanzmittel die Errichtung des Stadions, des neuen Bahnhofs und des Deutschen Hauses in Flensburg und sicherten so manchen Arbeitsplatz.

Die entzweiten Deutschen und Dänen aber mußten in Flensburg erst wieder mühsam das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in Sachfragen lernen.

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