Von der deutschen Niederlage zur Teilung Schleswigs (5)

Die CIS

Artikel 109 des Versailler Vertragswerkes legte fest, daß unmittelbar nach dessen Inkrafttreten die allgemeine Verwaltungsbefugnis über das schleswigsche Abstimmungsgebiet einer internationalen Kommission zu übertragen sei.
Diese sollte nach Ausweisung des deutschen Militärs und Suspendierung der Behördenleiter wie auch der Arbeiter- und Soldatenräte einen geregelten Fortgang der Administration und der Versorgung gewährleisten. Des weiteren oblag ihr die Sicherstellung freier, geheimer und unabhängiger Abstimmungen in den beiden Zonen. Insbesondere hatte die Kommission nach der Stimmenauszählung einen Grenzvorschlag zu formulieren.

Da nach Bekanntgabe der Vertragsbedingungen Mitte Juni 1919 von einer raschen Ratifikation des Vertragswerkes und einem baldigen Plebiszit (Volksentscheid) ausgegangen wurde, konstituierte sich noch im Frühjahr 1919 die "Commission Internationale de Surveillance du Plébiscite Slesvig", abgekürzt "Commission Internationale Slesvig" (CIS).

"Die Internationale Kommission"

Nach englisch-französischen Absprachen ernannten beide Länder im Juni 1919 ihre Kopenhagener Gesandten, den Briten Sir Charles Marling und den französischen Schriftsteller Paul Claudel, zu Kommissionsmitgliedern. Aufgrund der Versailler Vertragsbestimmungen und entsprechender Bitten von alliierter Seite entsandten im Juli 1919 ferner die beiden neutralen Mächte Norwegen und Schweden den Fernmeldedirektor Thomas Heftye bzw. den Göteborger Landeshauptmann Oscar von Sydow als weitere Mitglieder. Ein fünfter Sitz stand den Vereinigten Staaten zu, dieser blieb jedoch infolge des amerikanischen Verzichts auf Ratifikation der Friedensverträge unbesetzt. Als nicht stimmberechtigter, aber gleichwohl einflußreicher Generalsekretär der Kommission fungierte der Brite Charles Brudenell Bruce.

Seit August 1919 bereitete sich die CIS in Kopenhagen auf ihre Aufgaben vor. In der unerwartet ausgedehnten Vorbereitungsphase erarbeitete die Kommission sowohl grundlegende Regelungen für den Abstimmungsverlauf als auch für die alliierte Verwaltungsübernahme des Paß-, Zoll-, Steuer-, Post-, Polizei- und Versorgungswesen im Plebiszitgebiet.

Als wichtiger Berater der CIS fungierte dabei der zum dänischen Minister für schleswigsche Angelegenheiten ernannte H. P. Hanssen, während der Einfluß des von deutscher Seite hinzugebetenen Tonderaner Landrats Emilio Böhme beschränkt blieb. Zudem traf die Kommission im vorab wichtige Personalentscheidungen. So designierte sie bereits Ende Oktober kommissarische Landräte für die Abstimmungsperiode. Zudem bestimmte sie den Großhändler Karl Holm als interimistischen Oberbürgermeister der Stadt Flensburg. Des weiteren bestimmte man, gegen heftigen deutschen Protest, den dänisch gewordenen Waldemar Sörensen zum Flensburger Polizeichef; er war anfangs noch Mitglied des Deutschen Ausschusses gewesen. Ebenfalls zum Mißfallen deutscher Stellen übertrag die CIS, einer Anregung Claudels folgend, das Amt des Polizeipräsidenten für das gesamte Abstimmungsgebiet im vorab dem dänischen Offizier Daniel Bruun.

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