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Flensburg online: Medizintourismus. Chance für Entwicklungsländer?

 

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Medizintourismus

Mit der Gesundheit ist jede Menge Geld zu verdienen. Können vielleicht auch die armen Entwicklungsländer davon profitieren? Medizintourismus als Chance für Entwicklungsländer?

Während eine Herzoperation bei einem 87-jährigen Amerikaner in den Vereinigten Staaten 40.000 Dollar kostet, bekommt der Patient das Gesamtpaket (inklusive der Reisekosten) in Indien schon für 8.000 Dollar.

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Bis zu sechs Milliarden Dollar geben US-Bürger für medizinische Behandlungen in lateinamerikanischen Ländern aus. Indien erwartet sich bis 2012 eine Mrd. Dollar Umsatz jährlich im selben Bereich, auch Thailands Hightech-Kliniken werben um internationale Klientel.

Heiß umkämpfter Markt

Der Markt im heiß umkämpften Medizin-Tourismus scheint zu boomen. Eine internationale Studie, die im Auftrag der Messe Berlin für die ITB durchgeführt wurde, bestätigte schon 2004 den Run. "Der Medizintourismus entdeckt die Entwicklungsländer" - unter diesem Titel ist der Beitrag des Wirtschaftsexperten Karl Wolfgang Menck vom Hamburger Institut für Internationale Wirtschaft erschienen. Die Entwicklungsländer sehen in dem Segment Medizintourismus eine Nische auf dem hart umkämpften Markt des internationalen Fremdenverkehrs.

Kranke Engländer und Franzosen zog es schon im 19. Jahrhundert nach Ägypten

Medizintourismus ist allerdings keine Neuheit, denn Engländer und Franzosen hatten schon im 19. Jahrhundert in Ägypten Zuflucht gesucht, um in dem subtropischen Klima an den Ufern des Nils Erkrankungen zu kurieren. Dass die Zukunft des Medizintourismus erst begonnen hat, daran scheint heute niemand mehr zu zweifeln: Staatliche und private Krankenhäuser in Jordanien werden von Patienten aus dem Nahen Osten in Anspruch genommen, Indien, Thailand und Malaysia wagen nun den Sprung auf den Weltmarkt.

Bereits 2001 waren mehr als 70.000 Privat-Patienten nach Malaysia gekommen, um sich behandeln zu lassen und auch Argentinien will die Zahl der Einreisen mit dem Ziel, sich in Kliniken kurieren und pflegen zu lassen, um 50 Prozent pro Jahr erhöhen. In Jordanien rechnet das Fremdenverkehrsamt mit rund 100.000 "Medizin-Touristen".

Das Geschäft mit der Gesundheit

Das Geschäft mit der Gesundheit verspricht hohe und messbare Vorteile: Zahlungskräftige Angehörige der mittleren und der oberen Gesellschaftsschichten in Entwicklungsländern zeigen sich großzügig, wenn es darum geht, eine gute Krankenversorgung zu erhalten. Die Erfolgsaussichten über die erwarteten Einnahmen sind für die meisten dieser Länder relativ hoch: Bei herrschender Devisenknappheit gibt es nur wenig Möglichkeiten zusätzliche Einnahmen in harten Währungen zu erzielen.

Die Behandlung kann sich für Patienten finanziell durchaus lohnen

Herkömmlicher Tourismus weist in den meisten Entwicklungsländern nur geringe Marktanteile aus, es ist zudem schwer, neue Märkte in diesem hart umkämpften Sektor zu erschließen, berichtet Menck. Dass sich die Behandlungen in diesen Ländern für die Patienten aber durchaus lohnen, zeigen die Kostenvergleiche: Angeboten werden meist Gesamtpackages, die neben der medizinischen Betreuung auch die Übernahme der An- und Abreise sowie Transfers im Land umfassen. Eine Herzoperation bei einem 87-jährigen Amerikaner würde in dessen Heimatland 40.000 Dollar kosten, in Indien kostet das Gesamtpaket inklusive Reisekosten 8.000 Dollar. Aber auch zwischen den einzelnen Anbieterländern herrscht ein erheblicher Preisunterschied: Operationen, die in Chile 5.000 Dollar kosten, werden in Argentinien bereits um 2.000 Dollar angeboten.


Schon im 19. Jahrhundert betrieben Engländer Medizintourismus. Sie fuhren mit ihrem Rheuma von der naß-trüben Insel ins warme Klima Ägyptens

Die Ausbildung der Ärzte und Pfleger entspricht dem international üblichen Standard

Die Veranstalter solcher Reisen heben ausdrücklich hervor, dass diese Preisunterschiede aber nicht auf Qualitätsunterschiede zurückgeführt werden dürfen. Die Behandlungen werden von Ärzten und Pflegern durchgeführt, deren Ausbildung dem international üblichen Standard entspricht.

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Eine Gefahr im Medizin-Tourismus ist die wachsende Angst davor, dass durch den Medizin-Tourismus die medizinischen Leistungen zugunsten der einheimischen Bevölkerung eingeschränkt werden könnten. Ärzte in vielen Ländern verweigern daher ihre Mitwirkung an derartigen kommerziellen Geschäften. Problematisch kann auch eine verkürzte Nachbehandlung nach einem schwerwiegenderen medizinischen Eingriff für den Patienten sein, die sich daraus ergibt, dass der geplante "Reise-Aufenthalt" zu Ende geht. Das setzt aber einen gemeinsamen Abrechnungsmodus mit heimischen Krankenkassen sowie eine Reihe juristischer Änderungen im Bereich der Haftungen für ärztliche Fehler voraus. Ein Weg, derartige Probleme zu überwinden, läge darin, durch Kooperationen von Ärzten und Krankenhäusern in verschiedenen Ländern die Abstimmung zwischen Kassen, medizinischer Notwendigkeit und den Möglichkeiten des Medizintourismus zu erleichtern und einen Teil der Einwände gegenstandslos werden zu lassen, führt Menck aus.

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