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31. Mai 2003
Nitrofen – ein
Skandal versickert
Ein
Jahr Nitrofen-Skandal • Politik
hat keine Konsequenzen gezogen • foodwatch
fordert strenges Futtermittelgesetz
Berlin
(ots) - Hochgiftiges
Nitrofen in Biofleisch für Babynahrung,
eingesickertes Pflanzengift in einer Lagerhalle
in Ostdeutschland. Ökoweizen,
der auf dem verseuchten Hallenboden gelagert wird und dann
als Futtermittel den Giftstoff in die Nahrungskette schleust.
Der Nitrofenskandal, der vor genau
einem Jahr die Öffentlichkeit erschütterte, hatte
den Plot eines Wirtschaftskrimis.
Die Folgen? Niemand wurde
zur Rechenschaft gezogen - und es gibt immer noch kein Gesetz,
das die Lagerung von Futtermitteln regelt. Ein ähnlicher
Skandal kann jederzeit passieren.
EVOR
die Ökoputen zu Babynahrung verarbeitet wurden,
hat man das Fleisch routinemäßig untersucht. Der
Schock: Im Fleisch befand sich Nitrofen – ein längst
verbotenes Pestizid, das sogar zur Unkrautvernichtung zu gefährlich
ist. Die Tiere waren mit Futtermittel der Firma GS Agri gefüttert
worden. Darin war Ökoweizen eingemischt, der in der Malchiner
Halle gelagert worden war. 500 zumeist landwirtschaftliche
Betriebe
in sieben Bundesländern wurden wegen Nitrofen vorübergehend
gesperrt. Tausende von Hühnern und Puten mussten geschlachtet
und vernichtet werden. Einzelne Landwirte warten bis heute
auf Schadensausgleich. "Weder der Bauernverband noch die
Ministerien in Bund und Ländern bemühen sich um eine
systematische Neuordnung des Futtermittelgesetzes," sagt THILO BODE von foodwatch.
Das Futter
verursacht die höchsten
Kosten in der Nutztierhaltung. Branchenziel ist die Futterkosten
so niedrig wie möglich zu halten. Deswegen nimmt man Schlampereien
bei der Lagerung und Deklaration in Kauf.
Auf unseren Tellern landet aber, was sich im Futtertrog befindet
– sei es nun Nitrofen, Dioxin oder MPA.
Deswegen fordert foodwatch für den Futtermittelsektor:
Vorschriften,
die Gewinnung, Transport, Lagerung und Verarbeitung aller
Komponenten ebenso präzise wie im Lebensmittelrecht regeln
vollständige
und offene Deklaration aller verwendeten Inhaltsstoffe
bei
Importfuttermitteln verpflichtender Nachweis der Übereinstimmung
der Anbaumethoden mit den Pestizid-Vorschriften der EU
lückenlose Erfassung
und Rückverfolgbarkeit auf allen Produktionsstufen bis hin zum Acker
Verbots der Direkttrocknung
von Futtermittel über offenem Feuer. Bei diesem Verfahren können
Dioxine entstehen. Sicherstellung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit aller Produktionsverfahren
wirkungsvolle und
abschreckend hohe Strafandrohungen bei umwelt- und gesundheitsgefährdenden
Verstößen auf allen Ebenen der Nahrungskette
Die Chronik des Skandals, die Warenströme und neueste Informationen über
Zusammenhänge
zwischen den Firmen rund um den Nitrofen-Fall finden Sie bei www.foodwatch.de.
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