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10-Dezember
2002
Interview:
Welche Sportarten
tun den Venen gut?
Bayreuth
(ots) -
Dr. med. Franz-Josef Schingale ist Leiter der Lympho-Opt-Klinik
in Pommelsbrunn.
Herr Dr. Schingale, was ist für Menschen
mit Venenproblemen grundsätzlich zu beachten, wenn sie Sport
treiben?
Dr. F.-J. Schingale: Menschen mit Venenproblemen bekommen
vom Arzt in der Regel medizinische Kompressionsstrümpfe verschrieben,
die täglich zu tragen sind. Das heißt: auch beim Sport
- außer beim Schwimmen, denn unter Wasser herrscht bereits
natürliche Kompression.
Ist das nicht ziemlich warm und vor allem eher
unattraktiv?
Dr. F.-J. Schingale: Die Kompressionsstrümpfe von
heute sind aus atmungsaktiven Fasern wie Funktionsbekleidung der
Sportbranche auch. Und unattraktiv sind die Strümpfe keineswegs.
In vielen Längen und Farben unterscheiden sie sich kaum von
anderen Strümpfen.
Warum ist es wichtig, dass medizinische Kompressionsstrümpfe
bei Venenproblemen auch beim Sport getragen werden?
Dr. F.-J. Schingale: Kompressionsstrümpfe halten durch
mechanischen Druck von außen den Blutfluss in den Venen
in Gang - und das muss auch während des Sports gewährleistet
sein.
Welche Sportarten empfehlen Sie Menschen, die Besenreiser oder
beginnende Krampfadern haben?
Dr. F.-J. Schingale: Diese Personengruppe muss im Grunde
auf fast keine sportliche Aktivität verzichten. Extremes
Krafttraining sollte jedoch vermieden werden. Dazu zähle
ich Maximalkraft- und Hypertrophietraining - Kraftausdauer mit
leichteren Gewichten und dafür vielen Wiederholungen ist
akzeptabel.
Warum ist das so? Was passiert bei extremem
Krafttraining in den Venen?
Dr. F.-J. Schingale: Bei Krafttraining erhöht sich
der Druck in den Venen; das Blut wird durch die Bauchpresse auf
die Venenklappen gedruckt. Bei gesunden Venen ist das nicht schlimm.
Bereits geschädigte Venen sind in der Regel ausgeleiert,
die Venenklappen schließen nicht mehr, das Blut kann folglich
nicht mehr ausreichend zum Herzen zurück transportiert werden.
Der erhöhte Druck verschlechtert diesen Zustand noch zusätzlich,
da Venen nur wenig Muskulatur haben und diesem Druck nichtstandhalten
können.
Menschen mit ausgeprägteren Krampfadern,
überstandenen Thrombosen oder Venenentzündungen müssen
wahrscheinlich beim Sport vorsichtiger sein. Ist das richtig?
Dr. F.-J. Schingale: Das stimmt. Hier kommen vor allem
folgende Sportarten in Frage: Walking, Wandern, Radfahren, Golf,
Tanzen, Schwimmen, Wassergymnastik oder Aquajogging und im Winter
Skilanglauf. Alle Sportarten mit hoher Kraftentwicklung und abrupten
Abstoppbewegungen sind zu vermeiden. Dazu zählen neben Krafttraining,
Joggen, Aerobic mit Sprungelementen auch Badminton, Handball oder
Fußball.
Beim Wandern oder Radfahren kann es ja
auch mal richtig steil werden, so dass sich eine hohe Kraftentwicklung
nicht vermeiden lässt. Was raten Sie hier?
Dr. F.-J. Schingale: Beim Wandern sollten Teleskopstöcke
immer dabei sein. Durch sie kann viel Kraft aus den Beinen in
die Arme umgeleitet werden. Beim Radfahren heißt es bei
steilen Anstiegen entweder in einen kleinen Gang schalten oder
absteigen und langsam schieben. Wer auch beim Walking nicht die
Möglichkeit hat, in der Ebene zu walken, dem bieten sich
auch hier Teleskopstöcke zur Unterstützung an.
An welchen Merkmalen erkennt man geeignete Venen-Sportarten?
Dr. F.-J. Schingale: Geeignete Sportarten haben einen rhythmischen,
gleichmäßigen und schonenden Bewegungsablauf, der die
Wadenmuskulatur beansprucht.
Warum ist die Wadenmuskulatur für
die Venentätigkeit so wichtig?
Dr. F.-J. Schingale: Wenn sich die Muskeln anspannen, sprich
sich kontrahieren, werden die Venen zusammengedrückt. Die
Venenklappen schließen gut und führen ihre Schleusenfunktion
aus: das Blut aus den Beinen zum Herzen zurückzutransportieren.
Wir haben noch gar nicht über beliebte
Sportarten wie Inlineskaten, Ski- und Snow Boardfahren gesprochen.
Das sind auch rhythmische Bewegungen - gehören diese Sportarten
auch zur Kategorie "venengeeignet"?
Dr. F.-J. Schingale: Ja und nein. Menschen mit beginnendem
Venenleiden können mit ihren Kompressionsstrümpfen problemlos
Inlineskaten gehen. Das gilt auch für Ski-Alpin- und Snowboardaktivitäten.
Bei Menschen mit schwereren Venenproblemen sieht
das anders aus?
Dr. F.-J. Schingale: Das stimmt. Ski- und SnowBoardfahren
ist zwar auch mit recht rhythmischen Bewegungen verbunden, aber
der Fuß ist so fest im Schuh fixiert, dass die Wadenmuskulatur
weitgehend ausgeschaltet ist. Wenn der Sportler dann noch in recht
großen Höhen unterwegs ist, kommt der niedrige Luftdruck
als weiterer Risikofaktor dazu.
Und Inlineskaten?
Dr. F.-J. Schingale: Beim Inlineskaten ist der Schuh zwar
auch relativ fest, aber beispielsweise unter Zuhilfenahme von
Teleskopstöcken kann man sehr gut die Bewegungen des Skilanglaufs
- des sogenannten Skatens - simulieren. Vorsicht ist jedoch bei
Stürzen geboten. Ich würde keinem Patienten mit ausgeprägten
Venenproblemen raten, neu Inlineskaten, Ski-Alpin- oder Snow-Boardfahren
zu erlernen.
Die Belohnung nach dem Sport ist ja oft der
Besuch in der Sauna. Wärme dehnt die Gefäße aus
- somit auch die Venen. Müssen denn Menschen mit Besenreisern
oder Krampfadern auf die Sauna völlig verzichten?
Dr. F.-J. Schingale: Auch ein Venenpatient muss nicht gänzlich
auf die Entspannung in der Sauna verzichten. Wichtig ist, dass
die Beine während des Saunaganges und im Ruheraum hochgelagert
werden. Und nicht vergessen: die Beine nach jedem Saunagang reichlich
kalt abduschen. Aber für einen Patienten mit einer tiefen
Thrombose istdie Sauna ein absolutes Tabu.
Herr Dr. Schingale, wir danken Ihnen für
das Gespräch.
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