Kleines Arschloch

Das Ehepaar gibt sich gerade keuchend dem Liebesspiel hin, als sich quietschend die Schlafzimmertür öffnet und der Sohn das Zimmer betritt. Er habe bedrohliche Geräusche gehört, erklärt er sein Eindringen, sei aber sehr beruhigt, daß diese nur aus einem simplen Geschlechtsakt resultierten. Aber wo er schon mal da sei könne er ja schnell mal ein paar Details über die Kopulation erläutern - denn so manch einer wisse ja schließlich gar nicht, was sich bei dieser Tätigkeit exakt im menschlichen Körper abspielt ... Solch einen Knaben kann man mit Fug und Recht als "Kleines Arschloch" bezeichnen. Dabei ist seine peinliche (und wissenschaftlich nicht ganz korrekte) Anatomievorlesung noch eine seiner harmlosesten Eskapaden. Denn was der Klugscheißer den restlichen Tag noch anstellen wird, ist deutlich heftiger: Zuerst eröffnet er seiner älteren Schwester, daß sein Freund Kalle sich in sie verliebt habe. Da diese Liebe zweifelsohne unerfüllt bleiben wird, habe er Kalle einen ihrer gebrauchten Slips gegeben - damit er wenigstens etwas zum hineinonanieren hätte. Dann frönt das "Kleine Arschloch" selbst der Liebeswerbung. Denn auch er hat sein Herz verloren: an die rüstige Rentnerin Inge Koschmidder. Wie er überhaupt ein sehr intensives Verhältnis zu Senioren hat: Mit seinem Opa, der steif und fest behauptet, maßlose Masturbation hätte ihn zum Krüppel gemacht, schiebt er tagtäglich über den Friedhof, damit "der alte Sack" Trauergäste anschnauzen kann. Das "Kleine Arschloch" gönnt sich keine Ruhepausen: Er führt am Nachbarshund Drogenexperimente durch, hilft bei "Essen auf Rädern" aus, wo er einen blinden Patienten an den Rand des Wahnsinns treibt, singt satanische Verse beim Kirchentag und versucht sich mit katastrophalen Folgen als Radiomoderator. Doch das alles ist noch nichts verglichen mit dem großen Coup, den er sich für den Abend aufgespart hat. Denn da ist Schulfest, und das "Kleine Arschloch" hat sich ein ganz besonderes Unterhaltungsprogramm ausgedacht ...

Deutschland 1997
Regie: Michael Schaack