Es ist nur mein Herz, das blutet

Ok, du hast schon recht. Es war kein großer Unterschied, ob du nebenan im Bett liegst und schläfst, während ich meine Nächte vor dem Computer vertrödel. Aber jetzt so ganz allein, ohne dich, das ist irgendwie nichts. Du hast die Regale leer geräumt. Der Toaster aus der Küche ist weg. Und im Badezimmer langweilen sich meine Zahnbürste und der Rasierer ohne deine tausend Parfümflaschen.

Es ist viertel vor fünf in dieser schrecklichen Nacht im WorldWideWeb. Amerika habe ich verlassen, kurz in Australien reingeschaut und wurschtel nun in Mannheim rum. Eigentlich würde ich jetzt noch eine letzte Zigarette rauchen. Das Komprimierungsprogramm für meine Festplatten starten und dann zu dir ins Bett kriechen, mich an dich drücken und mit den letzten Bildschirmseiten im Kopf einschlafen. Aber du bist weg. Und mir war nie klar, wie groß und kalt mein Bett eigentlich ohne dich ist.

Dein neuer Freund hat unten am Auto gewartet und deine Kartons auf den Rücksitzen verstaut. Einmal geschaltet, das Gaspedal durchgetreten, und du warst weg. Daß das alles so einfach geht, merkwürdig.
Hey, ich bin allein, und es geht mir gar nicht gut, sage ich dem Nachrichtensprecher vom Fernsehen. Aber er hört überhaupt nicht zu.

In meinem Herzen rast ein böser Feuerkomet die Wände rauf und runter. Und ich weiß eigentlich immer noch nicht so recht, warum und wieso es mit uns nix wurde
Hey, ich bin schrecklich einsam und mir geht's gar nicht gut, sage ich dem Computer. Völlige Systemauslastung mit Verzweiflung und Einsamkeit. Die Ressourcen, es noch eine Nacht allein zu schaffen, fast gen Null gesunken. Alle Prozessor-Zyklen und Waitstates vollgestopft mit Traurigkeit. Aber das Mistding interessiert sich überhaupt nicht dafür. Er wartet nur auf eine neue http-Adresse.

Ich schwimme wieder im Einsame-Leute-Ozean der Nachtkneipen. Aber irgendwie hab' ich das Gefühl, keine rettende Insel zu finden. Ok, mit uns war es nicht die Große Liebe, du warst auch nicht die eine Frau, auf die es ankommt, aber mein Herz blutet dennoch. Hey, sag' ich meinem Computer, absoluter Systemzusammenbruch. Meine Seele quellt über und kann nicht noch einen einzigen Schmerz ertragen.

Ok, du hast schon recht. Und es wird mich auch nicht wirklich umhauen, obwohl ich die Vorstellung einfach nicht aus meinem Kopf bekomme, wie du jetzt mit deinem neuen Typen zusammen bist. Es tut so weh.

Du vermißt nicht mich, sagst du mir am Telefon, du willst nur nicht allein sein.
Könnt' ich doch einen Zauber aus den Himmeln runterholen und dich wiederhaben, möchte ich sagen, aber du hast schon aufgelegt. Und auf dem Display meines ISDN-Telefons blinkt sich die Uhrzeit über Mitternacht in einen neuen einsamen Tag. Eigentlich geht's mir gut, denk ich. Es ist nur mein Herz, das so schrecklich blutet.

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