Die Große Liebe
ist heute nicht da

Wo kommt all dieser Haß her?



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Meine Faust landet in deinem Gesicht. Und ich müßte lügen, wenn ich sagte, daß es mir in diesem Augenblick leid täte.
Deine Faust knallt mir voll ins Gesicht. Und deine Augen fragen nicht besorgt, ob es mir weh tut.

Mußt du lachen? Mußt du weinen? –
Weißt du, ich könnt’ beides gleichzeitig und tue doch nix. Ich fühle ja noch nicht mal mehr, wer ich eigentlich bin.
Und du, du, die mir so oft gezeigt hat, wer ich bin, ist so weit, so unendlich weit von mir weg.
Hinauskatapultiert in den Haß-und-böse-Worte-Ozean. Und ich bin grad’ dabei, auch noch alle Ruder, mit denen wir zurück ans Ufer kommen könnten, zu zerbrechen.

Trotz all deiner Böse-Worte-Bomben und nach all meinen Gehässigen-Grinser-Granaten stehen hier doch eigentlich immer noch nur ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge.
Verzweifelt auf der Suche nach dem bißchen Glück, was wir schon vor hundertzwanzigtausend Ewigkeiten zu finden hofften.
Bin ich nicht erst gestern vor deinem Fenster gestanden und schickte meine Sehnsucht hoch in den dritten Stock zu dir?
War es nicht erst gestern, daß du mit mir im Wohnzimmer auf dem Fußboden lagst und wir uns mit zwei, drei Streichlern rauf bis zum Saturn schicken konnten?

Hey du, sag mal eben schnell, zwischen all deinen Haßtiraden und meinem Gemeinheitenbombardement, sag mal schnell, ehe du wieder zuschlägst oder dir einen Schlag von mir fängst, bist du nicht die Frau, auf die es mal ankam? War ich nicht dein Ritter, der für dich bis ans Ende der Welt und wieder zurück gelaufen ist?
Hey, wenn der Schmerz meiner Faust in deinem Gesicht nachläßt, sag mal, bist du nicht die Frau, der ich mal sagte, daß sie das Schönste auf dieser Welt sei?
Hey du, wenn mir das Blut nicht mehr von der Ravioli-Dose auf meiner Stirn in die Augen läuft, dann laß mich dir sagen, daß es doch gar nicht sein kann, was wir hier durchziehen. Wir, das kleine Mädchen und der kleine Junge, die sich doch eigentlich nur an die Hände nehmen und über kitschig duftende Blumenwiesen in den Werbefernsehen-Sonnenuntergang laufen wollten.

Warum schießt du deine Giftpfeile in die Tiefe meiner Seele?
Warum grinst meine Gehässigkeit vor Freude, wenn ich sehe, wie ich dich mit meiner Bösartigkeit treffen kann?
Wir stehen hier in diesem Flur und brüllen immer lauter tiefe Gräben zwischen uns.
Kriegen wir die nachher wieder zugeschüttet? Oder kann diesmal keiner mehr von uns einen so großen Schritt machen?

Hey du, wollen wir nicht aufhören, fragen deine Augen, während du eine neue Breitseite gegen mich abfeuerst.
Hey du, möchte mein Herz rufen, laß uns aufhören, während ich mir die nächste Gemeinheit ausdenke. Wo kommt all dieser Haß her? Doch nicht aus den Momenten, wo wir morgens über die ungemachten Wolken am Himmel gelaufen sind. Wo kommt all diese Bösartigkeit her? Doch nicht aus unseren Streichlern und tiefen Seufzern.
Hey du, wo haben wir ‘was falsch gemacht, daß wir hier stehen, während die Nachbarn durch die Wände interessiert zuhören, wie wir uns gegenseitig in Grund und Boden schreien.

Schrecklicher Tag heute. Die Große Liebe ist nicht da. Ist abgehauen, hat sich irgendwo verkrümelt und schüttelt über uns den Kopf.
Hey du, sag ich, laß uns aufhören und es tut mir leid. Aber ich kann noch nicht. Muß erst noch mehr Bösartigkeit aus mir rausbrüllen. Muß mich noch höher in die Gemeinheit jagen. Und du spielst so blendend mit.
Warum kommt jetzt nicht einfach ein gutes Gefühl und nimmt uns beruhigend bei der Hand?

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