Und du in der untergehenden Sonne
Der Anfang
Das Bürozimmer
Was ist das Wort?
Und dann das Ende

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Das
Gemurmel und Gebrabbel all der Presseleute.

Wir setzten
alle Segel und steuerten unser Schiff in den Wind.

Ich
hatte noch das gierige Zittern deines Körpers. Ich hatte noch das süße
Strömen deiner Lenden.

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Wir hatten uns in den
dritten Stock verkrochen
Die alten Treppen knarrten. Irgendwie roch es muffig. Wir hatten uns
in den dritten Stock der Filmhalle verkrochen. Ich vorneweg, du hinter
mir, Hand in Hand. Wie zwei junge Schüler auf der Klassenparty.
Heimlich davon gestohlen. Und das hatte irgendwie das Flair des Verbotenen.
Lächerlich. Aber schleppen wir nicht alle unsere lächerlichen
Schrammen mit uns rum? Natürlich.
Selbst jetzt noch, in diesem Augenblick,
als wir Hand in Hand die Treppe raufgingen, war ich unsicher, ob du wirklich
wolltest. Aber ich spürte dich gleich hinter mir. Ich konnte deine
Nähe fühlen und dein Parfüm riechen.
Wenn man ganz genau hinhörte, konnte man von unten noch das Gemurmel
und Gebrabbel der Presseleute hören. Aber wir wollten nicht hinhören.
Die Tür zu dem Büro war offen. Es war dunkel. Von draußen
kam ein ganz schwacher Lichtschein von den Lampen auf dem Parkplatz unten
vor der Halle in das Zimmer. Man konnte kaum was erkennen. Aber ich musste
dich auch nicht sehen.
Du warst einsam. Ich war einsam.
Aber da war noch mehr. Und es sprang blau in der Dunkelheit zwischen
unseren Körpern, wenn sich unsere Finger berührten
Ich fühlte deine schmalen Schultern in meinen
Händen. Ich roch dein Parfüm, als wir unsere Körper aneinander
drückten, und ich fühlte deine Haare an meiner Wange, als wir
uns ineinander verschlangen.
Ich war einsam. Du warst einsam. Aber da
war noch mehr. Hier standen nicht nur zwei Einsame unter Einsamen, die
für einen Augenblick nicht allein sein wollten. Da war noch mehr.
Und das kitzelte sich durch unsere Körper. Sprang blau in der Dunkelheit
leuchtend zwischen unseren Körpern hin und her. Sprühte Funken
aus den Spitzen unserer Finger, wenn wir uns berührten. Türmte
sich über unseren Köpfen und sank dann wieder zurück in
unsere Herzen. Bäumte sich dann fordernd auf in unseren Lenden.
Wir setzten alle Segel und steuerten unser Schiff in den Wind. Ich zog
dir deine Strumpfhose runter. Du fummeltest an meiner Hose. Unser Atem
wurde schneller. Die Bewegungen hektischer und wilder. Aber nein, nicht
so. Nicht hier. Obwohl ich nichts lieber wollte, als mit dir eins zu
werden, nicht so. Du halb auf dem kalten Schreibtisch sitzend und ich
vor deinen geöffneten Beinen stehend. Nicht so. Bitte nicht so.
Leicht gesagt, wenn gleichzeitig die Unbefriedigtheit laut danach ruft,
befriedigt zu werden. Aber nein, nicht so. Nicht mit dir und nicht mit
mir. Nicht mir dir, von der ich schon so viel geträumt hatte. So
sollte nicht das Ende meiner Sehnsucht nach dir sein. Es kam ein tiefer
Seufzer aus mir, und ich drückte deinen Kopf ganz fest an meine
Brust.
Meine Güte, was fühltest
du
dich gut an
„You’re right“, sagtest du, obwohl ich nichts gesagt
hatte. Du rutschtest vom Schreibtisch wieder runter und zogst dir die
Strumpfhosen hoch. Mir fiel auf, dass du ganz schön klein warst,
als wir jetzt so voreinander standen und uns noch drängender als
vorher umarmten. Meine Güte, was fühltest du dich gut an! Ein
süßer Wind der Freude wirbelte mich quer durch die Dunkelheit.
So wie ein Blatt, hilflos und ohne Orientierung. Aber ich hielt mich
einfach nur an dir fest. Noch ein Kuss. Noch ein Streichler. Noch ein
Kuss. Noch ein zärtliches Liebkosen. Noch ein nasses Schmatzen an
deinem Hals. Meine Güte, lass mich nie aus deiner Umarmung raus.
Wir gingen wieder die knarrenden Treppenstufen runter. Ich hatte keine
Lust mehr auf den Presseempfang. Klar, du musstest wieder rein. Mit den
zwei Worten, die im Moment alles Glück dieser Welt bedeuteten, ging
ich raus in die frische Nachtluft. Der Name deines Hotels! Ich würde
schnell duschen. Ich würde mir die Zähne putzen. Ich würde
mir die Haare waschen. Ich würde mit dem Taxi zu deinem Hotel fahren.
Ich würde mit dem Codewort an den Empfang gehen und mich zu dir
durchstellen lassen. Du würdest runterkommen. Wir würden zu
mir nach Hause fahren. Ah! Das Leben ist herrlich. Und wie zur Bestätigung
funkelten über mir im dunklen Nachthimmel die Sterne. Lachten mir
zu. Jubelten, denn hier unten ging der Gewinner.
Ich dackelte am Pförtner
vom Filmgelände vorbei. Ich ließ mir kein Taxi rufen. Viel
zu teuer. Stattdessen ging ich zur Straßenbahnhaltestelle. Die
Fahrt dauerte ewig. Aber egal. Ich hatte den Namen deines Hotels. Und
ich hatte das Codewort, um zu dir durchgestellt zu werden. Und ich hatte
noch das gierige Zittern deines Körpers, als ich dich vorhin im
Arm gehalten hatte. Ich hatte noch das süße Strömen deiner
Lenden, als wir uns vorhin aneinander gedrückt hatten.
Dann ging
alles so schnell. Ich mutigen Schrittes durch die Hotelhalle zum Empfang.
Sofort warst du am Haustelefon. Hattest du etwa genauso ungeduldig, wie
ich zu dir lief, auf mich gewartet? Dann warst du auch schon unten.
Was sollte ich machen,
als du aus dem Fahrstuhl kamst? Dich umarmen? Hier vor allen Leuten?
Aber ich sah sofort, dass du dich umgezogen hattest. Ob du so wie ich
aufgeregt und unsicher warst? Wir lächelten uns an. Wir ließen
unsere Hände durch den schier unendlichen Raum hängen und wussten
nicht, ob wir uns umarmen oder einfach nur die Hände geben sollten.
Uns die Hände geben? Wir, nachdem ich vorhin mit runter gelassenen
Hosen vor deinen geöffneten Beinen vor dem Schreibtisch gestanden
hatte?
Was bleibt einem kleinen Mädchen und einem kleinen Jungen, die Angst
vor sich und der Welt haben, anderes übrig? Wir sagten nichts. Wir gingen nebeneinander raus und stiegen in
ein Taxi. Und jetzt schon hier in meiner Wohnung. Alles geht so schnell.
Und dabei bräuchte ich Zeit. Zeit, weil ich so unsicher bin. Ich
würde reden wollen, um die Unsicherheit zu vertreiben. Aber wofür
sollte das gut sein? Waren wir zusammen gekommen,
um zu reden? Oder waren wir hier, weil sich meine Hände nach deiner Haut sehnten! Du nur
wenige Zentimeter von mir entfernt. Jetzt einfach so zu dir aufs Bett
kommen? Ich schaute dich an. Und du schautest mich an. Reden? Aber was
bleibt einem kleinen Mädchen und einem kleinen Jungen, die Angst
vor sich und der Welt haben, anderes übrig?
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