Als Engel Raabe
nicht mehr mochte

Als Engel Raabe nicht mehr mochte
 

 

Wofür ich dich liebe
 

 

Mit Engel Raabe am Rhein

 
 

 

   
   
   
   
   

 

Literatur

Ausgerechnet du,
von deren Lachen ich nie genug bekommen konnte, schießt sich ein Nichts in den Kopf.

Ausgerechnet in den Kopf, den ich so oft in meinen Händen hielt, wenn wir uns liebten.
Und hinterher schauten wir uns an und lachten oder weinten.

Und ausgerechnet du schießt dir ein Nichts in den Kopf?

Was hast du dir angetan, dass so viel Verzweiflung nach so viel Nichts schrie?


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Ich hab' immer gedacht, daß ich dir irgendwann mal von meiner Beziehung mit K. erzählen müßte.
Nach uns beiden und all den kalten und steifen Frauen danach war es mit ihr so schön. Ganz anders als mit uns. Aber so schön. Und weißt du, so richtig eifersüchtig war ich nur bei dir und bei ihr.
Ich stand mal hinter der Bühne. Und sie kam zurück, durchgeschwitzt und leer. Aber mit einem entrückten Lächeln auf ihrem Gesicht, das mich neidisch machte.
"It's out there. And it's so strong."
Und ich wurde eifersüchtig, weil ich wußte, dass ich damit nie würde konkurrieren können.



 

Wo sie bloß den Revolver her hatte?
Wie sie bloß sowas machen konnte?
Ob ich was wüßte.
Aber ich wußte nichts.
Und erzählte auch nichts.
Kein Wort von der kalten Herbst-Nacht vor 35 Jahren, an die ich sofort dachte.

Wir waren damals weit hinaus aufs Heimbacher-Feld gegangen. Und du zogst plötzlich mitten in dem eisigen Regentreiben aus deiner Umhängetasche den Revolver.

Eisig-kalte Herbst-Nacht

'Hey, laß den Mist', sagte ich.
Aber du knalltest in die eisige Nacht.
Ich hab dir nie was abschlagen können, also nahm auch ich den kalten Stahl und schoss zwei, drei Kugeln irgendwo in die verregnete Ferne. Meine Hand zitterte dabei. Und kleine Funken brannten sich bei jedem Schuß schmerzend in meine Haut.

Jetzt hast du also nicht mehr gemocht.
Du, von deren Lachen ich damals nie genug bekommen konnte. Ausgerechnet du schießt dich aus diesem Leben. Du, deren Kopf ich so oft in meine Hände nahm. Und manchmal, wenn wir uns so geliebt hatten, dass es kaum ein Zurück für uns aus den fernen Wellen der sanften Ozeane gab, dann stiegen mir die Tränen in die Augen, wenn ich deinen Kopf so in meinen Händen hielt, und du mich tief anschautest.
"Oh, es ist so..."
"Ja, ich weiß", sagtest du und lächeltest.

Ich hab dann deine Knarre nie wieder gesehen. Doch. Ein paar Monate später waren wir im kalten Januar in diesem Ferienhaus in Dänemark. Wir kämpften uns gegen den Nordwind durch die Dünen und froren. Da hast du deine Pistole dabei gehabt, und wir schossen hinaus auf die dunkle Nordsee.

'Wofür brauchst du das?', fragte ich.
'Macht', sagtest du und schautest mich an.
'Macht? Über wen?'
Du stecktest das Ding weg und es tauchte nie wieder auf. Nicht in Paris. Nicht in Amsterdam. Nicht in London. Nicht in Hamburg.
Wir gingen zurück ins Haus, brachten das Feuer im Kamin zum Lodern und krochen ins kalte Bett und liebten uns.

Ich hätte damals gerne gewußt, von wem du den Revolver hattest.
Ich hätte gerne gewußt, von wem du die Yellow Sunshine LA und all das Preludin bekamst.
Ich hätte gerne gewußt, wer die Männer waren, von denen ab und an Briefe auftauchten.
'Das ist nicht wichtig', sagtest du dann.
'Absolut nicht wichtig für uns.'
Und wenn ich zweifelte, schobst du nach:
'Du weißt es doch. Für uns wirklich nicht wichtig.'

Und wenn ich nicht locker ließ, wenn mich die Eifersucht schüttelte und verrückt machte, wenn ich mich reinsteigerte in die Zweifel und Fragen, dann kam immer dein "Oh Nane". Und dann wußte ich, dass es nichts und niemanden hier auf Erden gab oder jemals geben würde, der sich zwischen dich und mich drängen konnte. Wie hab ich das "Oh Nane" von dir geliebt!

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