Meine Sehnsüchte

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Sehnssüchte
In einer Silvester-Nacht stand ich in Skagen-Grenen an der Landspitze. Vor mir schlugen die wilden Wellen der Nord- und Ostsee zusammen. Und aus dem schwarzen, dunkel funkelnden Kosmos zog eine unerklärliche Kraft, die mir Angst machte und die mich zurück in die Stadt laufen ließ.
Was für ein Feigling bin ich!


Ich glaubte damals nicht mehr an Gott. Aber als ich ihm all die billigen Küsse, all die kalten Streichler, all die traurigen Augen mit der tiefen Hoffnungslosigkeit,
all die verzweifelten Schenkel, all die oberflächlichen Lächler geklagt hatte und fragte, ob das wirklich die Liebe sein soll und ihn bat "Oh schenk mir doch endlich das, wonach es mich zerreißt", da ließ der himmlische Vater sein Kind nicht im Stich. Aber weil ich damals immer noch nichts verstanden hatte, war ich ihm noch nicht mal dankbar.

 

Als ich Kind war und wir stundenlang in der Hitze eines Sommertages Fußball gespielt hatten, lag ich manchmal hinterher auf dem Rücken in der Wiese vom dörflichen Fußballplatz, streckte alle Viere von mir weg und verlor meine Blicke in den endlosen Weiten des blauen Sommerhimmels über mir.

Wie herrlich wird es sein, wenn ich von Wolke zu Wolke springen und lachend mit großen Schritten über den weiten Himmel laufen werde.

Hinter dem Wasser.
Und hinter dem Kosmos

Als ich älter war, stand ich an den Küsten der dänischen Nordsee und träumte von den fernen Kontinenten, die am anderen Ende des großen Wassers liegen mußte, und die nur der Wind erreichen konnte.

Später dann sah ich die großen, weißen Wolken über mir. Jede von ihnen ein großes Schiff, das alle Segel voll in den Wind gesetzt hatte und davonfuhr... ohne mich.

Und an den lauten Bahnhöfen stand ich, wenn die großen Züge mit freudig aufgeregten Leuten in die geheimnisvollen Fernen fuhren.

Jahre später hab ich all die faszinierenden Orte besucht. Und hab mich von den großen Winden raustragen lassen über alle Wasser und alle Kontinente hinweg.
Und von warmen Frauen hab ich die Streichler geklaut, auf denen ich weit raus in meine Sehnsucht segeln konnte.

Ich weiß nicht,
was mich zerreißt

Was suchst du denn bloß?, fragte mich manche. Und ich wußte es nicht zu sagen.
Als A. dann kam, fragte und suchte nichts mehr. Nichts zerriß mich mehr vor Sehnsucht. A. lächelte mich an und hatte alles mitgebracht, was ich immer hatte haben wollen.
Und ich hätte mit ihr und vier oder fünf Kindern irgendwo in Wales oder in Dänemark oder oben im nordenglischen Lake-Distrikt alt werden können. Und ich hätte einfach ab und an einfach ihre Hand genommen und mich mit ihr im Ozean unserer Zärtlichkeit verloren. Oder mich einfach nur in ihren Augen verloren.

Aber deswegen war sie nicht gekommen: "Nerv mich nicht mit deinem kleinen Glück!"

 

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