Menschenjuwel

Literatur
 

 


  

   
   
 

 

   
   
   
   
   

 

Literatur

A



 


Und dann standst du wieder mal vor meiner Tür. Mit einem deiner Schuhe in der Hand.
Die Augen verheult. Die Schminke verlaufen.
Und dann saßen wir wieder stundenlang in meiner Küche. Und ich hörte deinem ewig gleichen Gejammer zu.

Am Samstag oder Sonntag stürztest du dich in deine neue Liebe. Die hielt dann bis Dienstag oder Mittwoch. Und dann war ich wieder mit meiner Küche dran.

Und ab und an standst du vor meiner Tür.
Und einer deiner Lieben hatte dir die Augen grün und blau geschlagen. Deine Lippe blutete und war aufgesprungen. Und es war trotz allem irgendwie lustig, wie du dann ausgerechnet bei mir über Männer schimpftest.

Wir trafen uns, wenn ich am Wochenende durch die Kneipen und Discos auf der Suche nach ein bißchen Wärme und Nähe zog.
Ich geb es gerne zu, dass ich es natürlich genoß, wenn du, der kleine Disco-Star für ein paar Stunden, mich überschwenglich begrüßtest. Und ich hatte nix dagegen, dass die Typen um dich herum dachten, wir beide seien ganz dicke miteinander.

Und dann standst du vor meiner Tür. Abgefüllt mit Cognac bis zur Unterlippe. Und ich durfte nicht weggehen, wenn du über meine Badewanne gebeugst, all das Elend eines traurigen Lebens aus dir rauskotztest. Und ich mußte dir den Waschlappen für deine Stirn immer wieder neu naß machen.

Wie hatte das eigentlich mit uns angefangen?
Ich war zur Theke der Disco gegangen, um mir ein Bier zu holen. Du hattest neben mir gestanden. Und für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke. Du warst abgefüllt. Und neben dir arbeitete ein Typ an dir rum, um dich doch noch in sein Bett zu bekommen.
"Je suis fatiqué", sagtest du.
Und ich sagte: "Trop fatiqué."
Du schautest zu mir rüber und lachtest.
"Ja, trop fatiqué."

Und dann ein, zwei Wochen später trafen wir uns in Koblenz. Du hocktest von vier Typen umgeben, die dich mit Schnaps abfüllten.
Ich hätte dich gar nicht gegrüßt, weil ich viel zu schüchtern dir gegenüber gewesen bin.
Aber dann machtest du einen Zauber, als wenn wir uns seit Ewigkeiten kennen würden. Und ich genoß die neidischen Blicke deiner Typen.
"


 

 

 




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