Nachtwind

  Literatur

 


  

   
 
 
 

 

   
   
   
   
   

 

Ich hab nicht viel nachzudenken.
Alles ist klar.
Alles ist einfach.
Du warst Venus.
Und ich war Mars.
Und jetzt steh ich hier in der Marienhölzung und stiere zum Himmel hoch.

 

 

 

 

Der Nachtwind bringt dein Lächeln und deine Streichler zu mir.
Aber wo du jetzt bist, kann ich nicht hin.
Und es führt kein Weg von dir zu mir.
Drum laß den Nachtwind ziehen. Und komm nicht mehr mit ihm zu mir.

 

 

 


Dir konnte ich von A. und von K. erzählen. Und du lächeltest. Und streichtest mir die Haare aus dem Gesicht. Und dann krochen wir ineinander und nichts konnte sich mehr zwischen uns drängen.

"Auf ewig?"
"Ja, auf ewig & immer."
Aber dann endete unsere Ewigkeit, als wir lachten und uns anfaßten und dachten, wir könnten alles und alles könnte uns nichts.

Das Leben ist schon verrückt, sagte der kosmische Kaugummi-Clown. Und ich verstand nicht, warum mir das widerfahren mußte.

K. hätte gesagt: "Let's make love". A. hätte gesagt: "Komm, wir schlucken uns den Schmerz von der Seele."
Und du? Du lächelst einfach verlangend aus dem nächtlichen Nordwind, und ich kann zusehen, wie ich klar komme.


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Ich hab nicht viel zu tun.
Alle eMails geschrieben.
Alle Telefonate geführt.
Und so steh ich auf dem Museumsberg,
vom Hafen wabert ein undurchdringlicher Nebel hoch,
und ich lass mich von einem Nachtwind raus bis weit hinter Dänemark
hinaus auf die Ostsee tragen.

Ich hab nicht viel nachzudenken.
Alles ist klar.
Alles ist einfach.
Und so lauf ich durch die Marienhölzung,
kein Waldgnom kann mich ablenken,
und ich laß mich von einem Nachtwind
rauf bis über alle Wolken tragen.

Ich hab noch nicht alle Tränen geheult.
Noch nicht alle Trauer gespürt.
Noch nicht den ganzen Schmerz erlebt.
Und so steh ich hier am Fenster,
längst sind schon alle im Bett,
und ich weine, weil du nicht mehr bist.

Und dann bringt mir der Nachtwind dein Lacheln. Schiebt mir den einen und anderen Streichler von dir rüber. Und flüstert mir zu, was du sagtest.
Und dann wird alles noch schlimmer.

Warum reitest du auf dem Nachtwind
zu mir? Bleib doch dort, wo du bist.
Warum wanderst du nicht weiter durch den Kosmos weit, weit weg von mir?
Wo du jetzt bist, kann ich nicht hin.
Und es führt kein Weg von dir zu mir.
Warum schnappst du dir also immer wieder den Nachtwind und kommst zu mir?
Klar, ich liebe dich auch. Aber laß uns doch in Ruhe. Ich, der dich für alles auf der Welt festgehalten hätte, sagt, daß du loslassen mußt, weil es doch keinen Sinn hat.

Du weißt, wie verzweifelt ich bin.
Und ich weiß, wie es dich kirre macht.
Aber nichts wird mit uns jemals wieder so wie es war. Drum laß den Nordwind alleine ziehn und laß los, was nicht mehr zu greifen ist.

Du warst Venus. Und ich war Mars.
Aber jetzt steh ich hier in der Marienhölzung und stiere
zum leeren Himmel hoch.
Und aus dem Nordwind kommen deine Streichler und dein Wispern und all das, was du mir ins Ohr flüstertest, als du unsere Zukunft plantest.
Aber jetzt liegt es nicht mehr an uns.
Du bist weg. Und ich bin hier.
Und nichts, nichts, nichts wird uns über all die Grenzen zusammenbringen.
Drum laß den Nachtwind ziehen.
Drum laß mich zur Ruhe finden.
Und geh deinen Weg.
Weit, weit weg von mir.

 

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