Schwer was los in Flensburg heute Nacht

 Schwer was los in Flensburg heute Nacht

Literatur
 

 

Wieso bin ich hier oben so allein und so einsam?

Flensburg online: Poems

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Wir hatten die letzte U-Bahn verpaßt und waren den langen Weg von Haidhausen bis in die Landshuter Allee zu Fuß gegangen.

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Die Bustüren gehen zischend zu. Und jeder schlägt seinen Mantelkragen hoch und sieht zu, dass er schnell nach Hause kommt.
Ich lauf von der Marienallee bis zum Nordertor rund um den Hafen. Steh oben auf dem Kinderspielplatz vor der St. Jürgen Kirche und schau über die Stadt.

Kein Heilsarmee-Soldat heute Nacht in den Kneipen unterwegs, um Geld zu sammeln.
Kaum ein guter, starker Gedanke, der sich seinen Weg zum Ursprung sucht. Dafür aber jede Menge Gedrücke und Gereibe einsamer kalter Körper, um ein bißchen Glück zu finden.
Ich lauf runter zum ZOB. Keine Pizzeria mehr auf.
'Komm, schnell. Um drei macht's Adria zu'. Und wir düsten mit deinem Wagen in die Leopoldstraße. Es war immer so einfach mit dir.
Wieso bin ich hier oben so einsam und so allein?

Oh ne, ich versuch' erst gar nicht, dich aus meiner Erinnerung zu trinken. Kann dich weder im Wodka-Ozean ersäufen noch von den Rum-Piraten vertreiben lassen.

Kein ICE mit dir läuft im Flensburger Bahnhof ein

'Du bekommst alles, wenn du es dir wirklich wünschst', hast du so gerne gesagt.
Ja und? Ich wünsch' mir dich heute Nacht.
Aber es läuft kein ICE mit dir im Flensburger Bahnhof ein. Kein Flugzeug setzt dich am Schäferhaus ab. Noch nicht mal per Zeitreise stehst du plötzlich vor meiner Tür.

'So einfach geht das dann auch nicht', würdest du sagen und dabei lachen. Mich dann in den Arm nehmen und sagen 'Ach, Nane. Ich hab' dich so gern.' Und wir würden ineinander fließen und uns vor der Welt verstecken. So wie wir es immer getan haben, wenn uns die Bösartigkeiten und der Haß so schreckliche Angst machten.

Es ist kalt in Flensburg

Aber jetzt bist du nicht da. Draußen weht ein kalter Nordwind. Durch die Rathausstraße schleichen böse Typen. Und im Hafen landen gerade 5.432 kranke Träume. Ich steh auf dem Museumsberg und blick über die Stadt.
Unten durch den Nordergraben fährt ein Bus und sucht die Endhaltestelle. Es ist kalt in Flensburg.

Weißt du noch, wie wir durchs kalte München liefen?
Wir hatten die letzte U-Bahn verpaßt und gingen den langen Weg von Haidhausen bis in die Landshuter Allee.
Dann standen wir vor deiner Wohnung. Hatten den ganzen Abend uns nicht getraut, uns bei den Händen zu nehmen. Froren auf der Straße vor deiner Wohnung. Redeten und redeten. Und deine Augen sagten nur: Komm, lass uns reingehen. Und meine Augen sagten: Ich würd so gerne zu dir rein gehen. Und wir redeten und redeten. Über deine Zeit mit Fassbinder. Über meine Filmträume. Du warst so wild. Ich war so far out. Aber in jener Nacht standen wir vor deiner Tür wie zwei armselige Trottel, die sich nicht zu ihren Wünschen bekennen konnten.

Und ich ging nach Hause.Und kaum war ich da, riefst du an: 'Warum hast du nicht gefragt, ob du noch mit reinkommen kannst?' Als ich dann wieder vor deiner Tür stand, hattest du deine Meinung geändert: 'Ne, jetzt will ich auch nicht mehr.' Ich wieder nach Hause und dich angerufen. Irgendwann morgens um neun hatten wir uns beruhigt und endlich zueinander gefunden. Es war nie leicht mit dir. Es war nie leicht mit mir. Aber was würde ich drum geben, wenn du diese Nacht hier bei mir sein könntest.

Ein SOS durch die Nacht

Ich stand auf dem Rodelberg im Hirschgarten.
In der Ferne der tiefen Nacht der Olympiaturm.
Seine roten Lampen funken ein SOS.

Und ich stand da im frischen Regen
und war allein.

Der Nachtzug brauste von Pasing nach Altona.
Niemand bei der Abfahrt. Niemand bei der Ankunft.
Niemand, der mich in den Arm nimmt.
Niemand, der fragt, wie's mir geht.
Und niemand, der sein brennendes Verlangen mit mir stillen will.
Wenn ich jetzt acht oder zehn der gelben Pillen nehmen würde, könnte ich auf dem Dach über die Waggons laufen und vergessen, dass ich allein bin.

Millionen und Milliarden an Notrufen
schwanken durch diese Nacht.
Und ich funke mein S.O.S. auch noch hinterher.
Ach, wenn du doch jetzt hier wärst.

Ich hab mich hier am Ende Deutschlands verkrochen. Mit einem Fuß im ewigen Eis des Nordpols, mit dem anderen weit draußen irgendwo zwischen Jupiter und Unendlichkeit. Und ich würd' mir heute Nacht wünschen, dass du mich in den Arm nimmst und sagst 'Ach, Nane. Ich hab' dich so gern.' Und ich hätt's heute Nacht gern, dass wir ineinander fließen und uns vor der Welt verstecken. So wie wir es immer getan haben, wenn uns die Bösartigkeiten und der Haß so schreckliche Angst machten. Aber es kommt kein ICE mehr heute Nacht. Und kein Flugzeug setzt dich hier bei mir ab.

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