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Ich bin so oft traurig wegen dem Leben und dem Tod. Aber du sagtest nur: "Sei doch nicht traurig."


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Du kamst zu mir in mein Zimmer.
"Magst du mit mir schlafen?", fragtest du.
Und ich sagte nein, aber dann ja.
Ach, warum muß ich immer so kompliziert sein?

Ich war traurig. Weil ich so oft traurig bin wegen dem Leben und dem Tod.
Und du lachtest und sagtest:
"Sei doch nicht traurig."
Tja, wenn das mal so einfach wäre.

Und wir lagen die Nacht eng beisammen und liebten uns. Und als es hell wurde, standen wir auf und du brachtest mich zum Bahnhof. Ich fuhr nach Gießen.
Und du bliebst in Hamburg.

Drei Tage später, als ich wieder zurück war, fragte ich dich mit klopfendem Herzen in der WG-Küche: "Magst du mit mir schlafen?" Ja klar, sagtest du.
Und wir gingen in dein Zimmer und krochen in dein Bett und ließen bis zum nächsten Tag nicht die Finger von uns.

Und wir waren dann zwei oder drei Wochen zusammen. Lachten und fuhren mit deinem Auto quer durch Hamburg. Saßen in den Nachtkneipen und erzählten uns die Welt in unsere Köpfe. Ein Perverser sprach uns im "Gewinde" an und wollte, daß wir mit ihm nach Hause gehen und vor ihm miteinander schlafen. Und du schraubtest ihm ein Gespräch ins Ohr, daß wir uns scheiden lassen würden, weil ich dich immer betrüge und überhaupt. Und am Ende stand der Perverse auf und beschimpfte mich als Schwein, weil ich ein so patentes Mädchen wie dich so mies behandeln würde. Und wir lachten, als er weg war. Und ich schaute deine Augen an und verschoß mich noch ein wenig mehr in dich.

Und dann kam der Tag, an dem wir die Küsse, die es für uns gab, ausgetrunken hatten.
Und dann hatten wir die Streichler, die das Leben für uns vorgesehen hatte, aufgebraucht.
Und wir waren am Abend in die Innenstadt ins Kino gefahren. Und statt in der schummrigen Dunkelheit uns zärtlich ineinander zu verschlingen, langweilten wir uns nur. Und hinterher sagtest du, du wolltest noch wo hin, ich solle mit der S-Bahn nach Hause fahren. Ich stand stundenlang am Fenster und wartete auf dein Auto. Aber du kamst nicht.

Und dann stirbst du. Und ich stolpere bei eBay über gebrauchte Buchtitel von dir. Meine Güte, denke ich, wie schnell die Jahrzehnte der Zeit vergehen. Und ich werde traurig. Wegen dem Leben, der Zeit und dem Sterben.
Und du lachst und sagst:
"Sei doch nicht traurig."
Tja, wenn das mal immer so einfach wäre.

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