Was ist das Wort?

Und du in der untergehenden Sonne

Der Anfang

Das Bürozimmer

Was ist das Wort?

Und dann das Ende

 

 

 

Das Wort ist love.
Und der Sound ist cosmic.

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Das kann kein Wort und kein Ton beschreiben. Und dennoch ist jedes Wort geschrieben und jeder Ton gespielt worden, um genau das zu beschreiben.
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In diesen Augenblicken war ich nicht mehr ich und du warst nicht mehr du – na ja, fast jedenfalls.
Aber wir segelten immerhin völlig berauscht durch den Kosmos und konnten unser Glück kaum fassen.

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Irgendwer zündete eine Atombombe. Irgendwer ließ das gesamte Universum erzittern. Du hattest angerufen.

 

 

The word is love

„What is the word?“, fragtest du.

„I give it to you”, sagte ich, “The word is love“.

“Love, he?”, sagtest du, und es kam ein kleines, feines Lachen auf deine Lippen. Und deine Strümpfe knisterten, weil du deine Beine bewegtest.

„And the sound? What is the sound?”, fragte ich.

Und du schautest mich überlegend an und sagtest dann: “The sound is cosmic“. Strecktest deine Arme aus und machtest es mir einfach.

Ich hatte alles richtig gemacht. Vorhin in dem muffligen Büro nein zu sagen, war richtig.
Jetzt neben dir aufs Bett zu rutschen und nichts zu sagen, war richtig.
In deine weichen Arme zu rutschen, war richtig.
Sich in deinem Parfüm zu verkriechen, mein linkes Bein über deine schmalen Hüften zu schieben, mich ganz nah an dich ran zu kuscheln und mich gegen deinen Körper zu drücken, all das war richtig.

Und ich wusste, es würde schön werden mit uns. Du strecktest deine Hand aus. Und ich nahm deine Hand aber in Wirklichkeit nahm ich einen Stern. Du strecktest deine Lippen aus und ich nahm deine Lippen aber in Wirklichkeit nahm ich ein explodierendes Universum, und wir beide sprangen mitten rein.

Schaut her, ihr bösartigen Kobolde und Blödmänner, ich fliege einfach davon

Und du strecktest deinen Körper zu mir aus und ich kroch in deinen Körper rein. Einsame Nächte adé. Guckt her, ihr bösartigen Kobolde, die ihr mir Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in meine Wohnung schaufelt, schaut her, ihr Blödmänner, ich fliege davon. Ich lass euch einfach stehen.

Und du strecktest das aus, was kein Wort und keine Musik beschreiben kann und was dennoch jeglicher Grund für jedes Wort, das je gesprochen, und für jeden Ton, der je gespielt wurde, ist. Und ich nahm, was du mir gabst. Und ich gab dir, was du haben wolltest.

Kann es sein, dass das alles wirklich schon ein Vierteljahrhundert her ist? Ich rieche noch heute manchmal dein Parfüm. Spüre deine nassen Lippen auf meinem Hals. Und es reißt mich auseinander, weil ich dran denke, wie es war, zwischen deinen Schenkeln in deine Wärme reinzurutschen. Meistens jedenfalls.

„Love is the sound“, sagtest du hinterher, um das Gespräch von vorher wieder fortzusetzen, und nahmst mir meine Zigarette weg. Ich konnte dir stundenlang in deine Augen schauen. Sie waren so schön. Sie waren so freundlich und leicht. In deinen Augen war alles so einfach und leicht. Du redetest, und ich schaute einfach nur in deine Augen ohne zuzuhören, was du sagtest. Und irgendwann drückte die Sehnsucht die Befriedigung zur Seite. Und wir legten die Zigaretten weg und krochen wieder ineinander, schmiegten uns so eng es ging aneinander.

Unsere Beziehung:
Die eine Hälfte war, dass du immer weiter mußtest. Die andere Hälfte war, dass ich auf dich wartete

Ich weiß nicht mehr, über was wir redeten. Die Nacht war fast schon vorüber. Wir lagen in meinem Bett und ich hätte dich gerne für die nächsten zwei oder drei Ewigkeiten nicht weggelassen. Aber du musstest weiter. Unsere ganze Beziehung bestand eigentlich zur Hälfte daraus, dass du immer irgendwie weiter musstest. Die andere Hälfte bestand darin, dass ich auf dich wartete. Aber der Rest, für den sich alles lohnte, war dieses süße Zucken unserer Körper in den kurzen Augenblicken, die zu kosmischen Ewigkeiten werden konnten. In diesen Augenblicken war ich nicht mehr ich und du warst nicht mehr du. Fast jedenfalls. Den allerletzten Rest konnten auch wir nie aufgeben. Wilhelm Reich hatte es Orgastische Potenz genannt, um die Fähigkeit zu beschreiben, sich ganz und gar im sexuellen Höhepunkt hinzugeben und mit dem Kosmos, mit der Natur eins zu werden. Die Grenzen des eigenen Ichs wirklich hinter sich zu lassen. Wir waren nicht orgastisch potent. Na gut, man kann nicht alles haben. Wir segelten immerhin völlig berauscht quer durch den Kosmos und konnten unser Glück kaum fassen.

Ein Zettel, rausgerissen aus
einem Notizbuch mit deiner Telefonnummer

Als es draußen langsam hell wurde, fuhr ich mit dir in dein Hotel. Als jemand, der es gewohnt ist, aus dem Koffer zu leben, hattest du deine sieben Sachen schnell beisammen. Runter. Bezahlen tut das Management. Rein ins Taxi. Ich stand dann lange am Flughafen und stierte in den Morgenhimmel, in welchem dein Flugzeug von der frühen Sonne angestrahlt metallen glitzernd verschwunden war. Was war mir geblieben? Der Zettel, rausgerissen aus einem Notizbuch, mit deiner Telefonnummer in England. Ob du den Zettel mit meiner Telefonnummer noch haben würdest?

In der S-Bahn rechnete ich aus, wann du zu Hause sein würdest, damit ich dich anrufen könnte. In meinem Kopfkissen fand ich noch die Schwaden deines Parfüm. Im Zimmer hatte sich das Rascheln deiner Strümpfe versteckt. Und in meinem Herzen fand ich eine schon wieder aufflackernde Sehnsucht nach deinem Körper.

Für die Fahrt vom Flughafen in deine Wohnung hatte ich knappe fünfundvierzig Minuten eingerechnet. Und auf die Sekunde genau hatte sich mein Anruf bis zu deiner Nummer in England rübergehangelt. Es klingelte, aber niemand ging ran. Auch nicht nach siebenundvierzig Minuten. Gut, vielleicht war viel Verkehr, und es dauert eben anderthalb Stunden vom Flughafen bis in deine Wohnung.

Immer klingelten irgendwo irgendwelche Telefone

Ich glaube, ich habe alle Telefone dieser Welt bimmeln gehört, weil ich dir immer hinterher telefonierte. Hotelzimmer in Kanada und Amerika. Konzerthallen in der australischen Pampa. Oslo und Kopenhagen? Auch dort. Meine Sehnsucht telefonierte ich um die halbe Welt und überall klingelten immer irgendwo irgendwelche Telefone. Musstest du denn wirklich immer auf dem Sprung sein? So weit weg. So unerreichbar weit weg. Hättest du nicht öfters einfach bleiben können? Denn es half nicht, dass ich mir vorstellte, du würdest ja wieder zurückkommen. Aber damals, an diesem Morgen nach unserer ersten Nacht, tat mir das noch nicht weh.

Ich stand unter der Dusche. Es war schon später Nachmittag. Ich hatte mir die Finger wund telefoniert aber dich nicht erreicht. Nun würde ich es am Abend wieder versuchen. Oder vielleicht sogar mich mit dem Gedanken anfreunden, dass alles nur ein einmaliges Erlebnis war. Ja, was wird sein, wenn ich dich nie wieder sehen werde? Panik! Und wenn alles in drei Wochen schon so unwirklich geworden ist, dass ich selber nicht mehr weiß, ob es tatsächlich passiert ist, oder ob ich’s mir nur eingebildet habe… in die aufkommende unsichere Hektik klingelte mein Telefon. „Ja? Hallo?“

„Hi, you there.“ Fünfzigtausend Schmetterlinge flatterten aufgeregt in den Himmel. Irgendwer zündete eine Atombombe. Irgendwer sprengte diesen Planeten in die Luft. Irgendwer ließ das gesamte Universum erzittern. Und dieser irgendwer warst du.

Der tollste Typ zwischen München-Neuhausen und der einsamen Außenstation einer fremden Zivilisation auf dem 15. Jupiter-Mond

Und du kamst tatsächlich mit dem letzten Nachtflug von London zurück nach München. Hier bin ich Welt! Der Größte und Beste! Der Glücklichste! Der tollste Typ zwischen München-Neuhausen und der einsamen Außenstation einer fremden Zivilisation auf dem fünfzehnten Jupiter-Mond. Diesmal war die Unsicherheit zu Hause geblieben. Ich umarmte dich. Wir lachten. Wir konnten es im Taxi vor Sehnsucht kaum aushalten. Und in meiner Wohnung stürzten wir schon im Flur übereinander her. Meine Güte, was ist das Leben schön!

Weißt du eigentlich, dass wir nie einen Morgen danach im Bett geblieben sind? Stets mussten wir hektisch aufstehen, weil irgend ein Flugzeug auf dich wartete, irgendein Auto den Motor schon laufen hatte, um dich wegzubringen. Immer liefen wir mit im Wind flatternden Haaren die Eisentreppe von meiner Souterrain-Wohnung rauf einem deiner Termine hinterher. Und das mir, der ein Langschläfer ist! Selbst damals in Cannes, als wir eine ganze Woche zusammen waren, klopfte uns jeden Morgen der Zimmerservice erbarmungslos aus dem Bett.
Und dabei sind doch die verschlafenen Flüsterer morgens zwischen Schlaf und Liebe so schön. Schlaftrunken, noch teils in der Nacht stehend, mit einem Fuß schon vorsichtig den neuen Tag austestend, flüstert man sich zu, was schwer zu sagen ist. Ich bin immer an deiner Seite. Ich werde dich nie verlassen. Du bist mein Mann. Ich bin deine Frau. Du bist meine Frau. Und ich bin dein Mann.

Ist es noch Traum oder schon Wirklichkeit? Die Unbefriedigtheit oder gar die Geilheit sind in der Nacht zurück geblieben. Die Ängste hängen verlassen und überflüssig geworden in den Ästen vieler Zärtlichkeiten der vergangenen Stunden. Die Unsicherheiten haben sich in der Dunkelheit der Nacht verirrt und kommen einfach nicht mehr zurück.

Aber all diese zärtliche Unbekümmertheit der frühen Morgende, wenn die Wolken noch ungemacht am Himmel standen, haben wir eigentlich nie richtig erlebt. Immer wartete ein Flieger auf dich. Immer irgendwo ein Auto. Immer ein Termin. Immer nur schnell-schnell, weil die Zeiger der Uhr gnadenlos unsere gemeinsame Zeit wegtickten.

Wenn ich jetzt die Augen zumache, könnte ich dich sagen hören: Wir brauchen das nicht. Wir haben doch uns. Ja, ja, so hättest du das gesagt. Genau so. Und dabei hättest du leicht gelächelt. Und mein bis oben hin mit Liebe gefülltes Herz hätte es dir nur zu gerne geglaubt. Nun gut, ich gebe gerne zu, dass mein Körper, der dich und deine Zärtlichkeiten so sehr liebte, es auch gerne glaubte. Wir haben doch uns. Und vielleicht, vielleicht hast du es wirklich so gemeint.

So wie ich damals auf dem Pressempfang gleich wusste, dass wir uns finden würden, so wusste ich eines Tages, dass Schluss ist. Oh, ich drückte das Gefühl weg, verscheuchte es mit allen schönen Gedanken an uns, aber der Schatten wurde größer und dunkler.

Ich weiß, wann was anfängt. Und ich weiß, wann was zu Ende ist. Und das war an diesem Tag, als du im Flugzeug irgendwo über den Wolken saßt, und ich an einem Artikel über den Botanischen Garten in München arbeitete. Ganz banal. Aber da kam der Schrecken, dass ich dich nicht mehr liebte. Und so sehr ich das Gegenteil denken wollte, war mir klar, dass du mich auch nicht mehr liebst. Man spürt das. Quer über die Kontinente. Hört es hinter allen Liebesschwüren. Fühlt es in der Feinstofflichkeit, auch wenn es sich grobstofflich noch gar nicht in Desinteresse am anderen manifestiert hat.

Ich liebe dich, sagte ich in mein Zimmer, obwohl du nicht da warst. Und ich lauschte dem Klang meiner Worte. Eindeutig, es war zu Ende.
Du hattest mich verloren.
Und ich hatte dich verloren.

Und dann das Ende

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