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Meine wilde Liebesnacht mit
Elfriede Jablonsky

Früher bekannt als Nadja Abdel Farrag
 






Ungelogen
Ungelogen
von Nadja Abd El Farrag

Wenn man genau liest, stellt sich die Frage: Was bringt eine gebildete Frau aus guter Familie dazu, an der Beziehung mit Dieter Bohlen festzuhalten, die immer wieder – auch in den Medien dokumentiert – verletzend und entwürdigend war? "Ich bin froh, dass das Thema Bohlen erledigt ist. Was hinter den Türen von Tötensen passierte, war ja nicht so toll" und "Heute weiss ich, dass man sich nicht alles gefallen lassen darf. Auch nicht aus Liebe... Zu einem Leben in Selbstaufgabe führt kein Weg mehr zurück. Ich bin endlich frei." Weitere Infos mit bequemer Online-Bestellmöglichkeit




















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I CH war ein armer Kerl. Mein Nase ein wenig zu lang und zu schief. Und mein Selbstvertrauen kam nie wesentlich über die Tanzstunde in der Schülerzeit hinaus.
Als dann auch noch Frieda ihre Zahnbürste und die erste U-Bahn mit Worten, die ich hier nicht wiedergeben mag, nahm, blieben in meiner Wohnung nur ich und die Einsamkeit mit ihrer Freundin, der Hoffnungslosigkeit, zurück.

   NUN ja, ich benannte meine linke Hand in Naddel und meine rechte in Verona um. Sie krochen nachts unter meine Bettdecke, und wir hatten das bisschen Spaß, das es braucht, um kein Fall für den Psychiater zu werden.

   DANN aber wurde mein Leben mit einem Schlag zum Erfolg. Ich las das Buch "Sie können haben, was Sie wollen! Und Ihre Träume werden wahr". Klar, selber schuld, dass ich jahrzehntelang in die falsche Richtung gelaufen war. Es ist doch so einfach.

Sie können haben, was Sie wollen!
Ihr Träume werden wahr


   EINE Woche später lag ich mit Nadja Abdel Farrag in meinem frisch bezogenen Bett. Haare frisch gewaschen und mit anderthalb Litern Kräuterwasser mundhygienisch nachgeholt, was in den letzten zwei Monaten auf der Strecke geblieben war.

   VOLLER Erregung griff ich mit meiner Hand nach ihrem Busen. Wohl irgendwie ein wenig zu wild. Denn plötzlich schob sich das Ding erst langsam hoch zu ihrer Schulter, dann gut fünfzehn Zentimeter runter auf ihren Rücken, wo es endlich zum Stillstand kam.

"Der Schönheitschirurg hat so etwas angedeutet", sagte die verwirrte Frau, "Aber dass das jetzt tatsächlich…"

   MACHT ja nix, dachte ich mir und suchte mit meinen viel zu lange einsam gewesenen Lippen den Mund der Traumfrau. Was war das? Ein beißender Geschmack, der eine Mischung aus Salzsäure und intensiven Bleichmitteln war, ließ meine Zunge regelrecht dampfen.

   NACH fünfundvierzig Minuten Dauerberieselung meiner Zunge unter dem Wasserhahn im Badezimmer hatte ich zwar eiskalte Füße und einen schmerzhaften Krampf im linken Beckenbereich, dafür aber brannte meine Zunge nicht mehr.

"Wer schön sein will, muss leiden", sagte Naddel, "Und weiße Zähne sind so wichtig."


Was war das? Eine Glatze?

   KLAR. Aber ich wollte endlich zur Sache kommen. Kroch wieder ins Bett. Dabei hat sich irgendwie mein Ellbogen in ihren Haaren verheddert und riss ihr die Perücke vom Schädel. Was war das? Eine Glatze? Meine Güte! Ich weiß, es kommt auf die inneren Werte an, aber so kahl?

   VOR Schreck bin ich der armen Frau dann auch noch gegen die Backenknochen gekommen, die klappernd in ihre ursprüngliche Stellung, bevor der Schönheitschirurg einst sein Handwerk verrichtete, zurückrutschten.

"Was ist denn überhaupt echt an Dir, Naddel?!"
"Naddel? Wer ist Naddel? Ach so ja, klar, ich…"

   STAUNEND ließ ich mir erklären, dass das Show-Business nun mal so sei. In unserer Welt sei der Schein wichtiger als das Sein. Das habe schon der alte Karl Marx mit seiner Stamokap-Theorie vorweg genommen, und es wäre nichts Schlimmes dabei, wenn auch sie versuchen würde, ihr Stück vom Kommerzkuchen abzubekommen. Außerdem hätte Dieter Bohlen seinerzeit, als er noch bei den Jusos mitmischte, ähnliches gesagt.

   WANN fährt eigentlich die erste U-Bahn?, fragte ich mich. Aber es kam noch schlimmer. Naddel riss sich die perfekt gestaltete Gummimaske vom Gesicht, entfernte die Beinprothese, die sie gut und gerne fünfzehn Zentimeter größer machte, und gestand, dass ihr richtiger Name eigentlich Elfriede Jablonsky sei und sie aus einer alten Bergmannfamilie aus Wanne-Eickel und nicht aus dem sonnigen Nordafrika stamme. That's Show-Business.

   MEINE Tage waren wieder einsam geworden. Und meine Nächte in die Verzweiflung abgedriftet. Als ich mich dabei ertappte, dass ich im Supermarkt beim Einkaufen schon mit mir selber redete, entschloss ich mich, meine linke Hand in Sabine Christiansen und meine rechte in Ulla Kock am Brink umzubenennen.

Nicht vordrängeln, Frau Christiansen! Es ist genug für alle da.


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