Kommentar

Flensburg online

Am 1. Oktober 1997 berichtet das "Flensburger Tageblatt" im Lokalteil über die von Stadtbaurat Roedigs Behörde ohne Deckung außerplanmäßig ausgegebenen 285.000 Mark.
Es ist in diesem Zusammenhang verniedlichend von 'Patzern' die Rede.: "Roedig raumt Patzer ein".

"Flensburg online" kommentiert am 2. Oktober '97 auf seiner Startseite "Ist Stadtbaurat Roedig schon zu mächtig?" und fragt: "Was muß noch alles geschehen, ehe Stadtbaurat Roedig seine Schaufel nehmen und gehen muß?"

Kaum erschienen erreicht "Flensburg online" eine eMail von Stadtbaurat Roedig. Androhung von straf- und zivilrechtlichen Schritten.

Folgend aus unserem Archiv der Kommentar in "Flensburg online" vom 2. Oktober 1997

 
KOMMENTAR
Ist Stadtbaurat Roedig schon zu mächtig?   
Wenn Politiker kontrollieren… Der Finanz Ausschuß hat nachträglich 285.000 Mark für Stadtbaurat Roedig bewilligt. Diesen Betrag hat Roedigs Amt außerplanmäßig bei der Renovierung des zweiten Museumsbaus ausgegeben. Roedig, wußte er, daß ihm ohnehin nichts passieren kann?, räumte "diverse Verwaltungsfehler" seiner Behörde ein.

Stadtbaurat Roedig, um das architektonische Erscheinungsbild besorgten Flensburgern schon des öfteren nicht gerade angenehm aufgefallen, trieb die selbstgefällige Arroganz des Mächtigen noch auf die Spitze, indem er vor dem Finanz-Ausschuß äußerte, "daß es einen derartigen Vorfall im Bauamt seit mehr als sechs Jahren nicht mehr gegeben hat."
Sollen wir, die jetzt die 285.000 Kracher, die Roedigs Amt zusätzlich ausgab, bezahlen müssen und auch noch Stadtbaurat Roedig selber jeden Monat nicht gerade zum Sozialhilfesatz bezahlen, sollen wir darüber etwa auch noch froh sein, daß er seiner Pflicht als Stadtbaurat ordentlich nachgekommen ist?! Ein merkwürdiges Verständnis von Pflichtauffassung und Verantwortung den Bürgern Flensburgs gegenüber.
"Hey, Herr Wachtmeister! Ich bin ohne Alkohol Auto gefahren! – dafür bekommt man schließlich vom Verkehrsministerium ja auch einen Orden.

SPD-Mann Helgert im Finanzausschuß, der laut "Flensburger Tageblatt" [Ausgabe 1.10.97] zeitweilig darüber nachdachte, die Verantwortlichen schadenspflichtig zu machen, fiel aber um. So weit mochte er dann wohl mit seiner Verantwortung den Flensburger Steuerzahlern gegenüber doch nicht gehen.

Das "Flensburger Tageblatt" zitiert ihn mit "Ein zweites Mal werde ich ein derartiges Vorgehen aber nicht mittragen". Na, das freut und tröstet uns aber ungemein. Aber bei nur 285.000 Mark drückt man ja schon mal ein Auge zu. Wir haben's ja. Das Auge. Das Geld nicht.
Es ist diese klare entschlossene Haltung für die Interessen und das Portemonnaie der arbeitenden und Steuern zahlenden Bevölkerung, die der SPD immer größere Wahlerfolge beschert.

Klar, SPD-Mann Helgert hat leicht reden. Seine 285.000 Mark sind es nicht. Die werden uns Steuerzahlern abgezwackt  – während sich Rolf Helgert keine Sorgen darüber machen muß, daß er auch noch nächsten Monat seine Aufwandsentschädigungen aus der Stadtkasse bekommt.

Können die SPD-Genossen den Laden nicht mehr sauber halten? Muß erst von außen Druck auf die Genossen kommen, damit mit eisernem Besen für Ordnung und Korrektheit gesorgt wird? Oder ist Stadtbaurat Roedig so mächtig, daß sich keiner mehr an ihn rantraut? Haben sich die Genossen in einer Art Filz- und Vetternwirtschaft von ihrer Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen und uns Bürgern entfernt? Was muß noch alles geschehen, ehe Stadtbaurat Roedig endlich seine Schaufel nehmen und gehen muß?
tst

 

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