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Freddy Quinn
wird 70

von Alf Rolla

August 2001

 

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Freddy Quinn
Ein P o r t r ä t

ER Lebensweg der meisten Menschen ist schon festgelegt, noch ehe er richtig begonnen hat. Auf die Schule folgt die Ausbildung. So geht es weiter, bis die Arbeit schließlich von der Rente abgelöst wird. Doch bei dem kleinen Manfred ist alles ganz anders:

   DER Wiener Gymnasiast schaut Zirkusartisten bei der Probe zu und holt sich so seinen Adrenalin-Stoß. Wenn er einige Stunden später den Heimweg antritt, bewegen sich seine Schultern im Rhythmus der Schritte weit nach rechts und links. Meistens kommt er zu spät und wird von einem wütenden Stiefvater empfangen. Der ist Baron und hat seine Lebensaufgabe im Verfassen von Tiergedichten gefunden. Äußerlich ganz ruhig, doch innerlich gespannt, kaut der Junge an seinen Lippen und hört sich wortlos die Strafpredigten an. Eines Tages aber explodiert der Kessel: Manfred türmt von zu Hause. Seine Mutter holt ihn schon bald zurück. Und wie das meistens so ist: Das Spiel wiederholt sich einige Male.

Nur ganz selten stand Freddy Quinn mal nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit:
Bei einem Gratiskonzert im Evangelischen Krankenhaus in Castrop-Rauxel sprang ein kleiner Patient auf die Bühne: „Onkel, ich muss mal.“ Eine Krankenschwester im Publikum wusste einen Ausweg – sie begleitete ihn zur Toilette.

   SEINE Reifezeit genießt er später in Amerika (wo sein leiblicher Vater lebt), in Nordafrika (Grundausbildung bei der Fremdenlegion ***) und auf den Weltmeeren. Und irgendwann kommt er auch (den Vornamen längst auf Freddy verkürzt) nach Hamburg und wird Sänger.

*** uns erreichte im Januar 2004 ein Leserbrief: "Freddy Quinn.war niemals in der Fremdenlegion. Er selbst hat dieses auch nie gesagt, sondern das Gerücht dementiert . Richtig ist , Freddy Quinn war in den 50iger mal in Sidi Bel Abbes in Algerien und traf dort auch mit Legionnairen zusammen."

Freddy singt vor Kiez-Größen und Seeleuten aus aller Welt

Das sieht zunächst so aus: Abend für Abend singt der Weltenbummler in einer Bar auf St.-Pauli zur Gitarre. Die Gäste sind nicht nur bekannte Kiez-Größen, sondern auch Seeleute aus aller Welt, entsprechend ist das Repertoire: Folk- und Country-Songs, manchmal auch Rock'n'Roll.

Die "Washington-Bar" ist übrigens so ein Schuppen, in dem der Musikbox schon nach dem dritten Takt der "Saft abgedreht" wird, wenn sie wirklich mal einen deutscher Schlager "ausspuckt". Ironie des Schicksals: Freddy soll eben diese Musik plötzlich singen, so will es sein erster Plattenvertrag. Ihm sträuben sich die Nackenhaare, aber er gehorcht, findet schnell seinen eigenen Stil und wirkt deshalb nie wie eine magere Imitiation von seinem Vorbild Hans Albers.

 

Eine Leserin suchte ein Lied von Freddy Quinn. Und zwar geht es um ein Lied, das Freddy Quinn in africaans gesungen hat.

Theo Janssen aus den Niederlanden schrieb: "Das Lied von Freddy Quinn in Africaans gesungen im Jahre 1963 und heisst "Huisie In Die Bergen".

Freddy Quinn mit Bert Kaempfert
Bert Kaempfert (rechts), in den 60-er Jahren erster Produzent der „Beatles“, schrieb für Freddy Quinn den Titel „Spanish Eyes“, aber Al Martino landete mit seiner Version einen Welthit.
Jahre später versucht Freddy noch einige Male sein Glück mit Kaempfert-Melodien („Only A Fool Like Me“, „Sag mir wo“) – doch sie wurden keine Bestseller.
Foto: Polydor-Archiv

Flensburg online: Freddy Quinn

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

MIT pulsierender Halsschlagader ist er dann auf der Bühne und im TV-Studio der "singende Seemann vom Dienst". Wie Don Quichotte gegen Windmühlen, so kämpft er später gegen dieses Image an, wird es aber nie richtig los.

"Unter fremden Sternen", "Die Gitarre und das Meer", "Junge, komm bald wieder" heißen einige seiner Millionen-Hits auf dem orangeroten "Polydor"-Etikett.

Die Vorstellung aber, nur auf Heimweh und Fernweh festgelegt zu werden, lässt ihn fast wahnsinnig werden. In Nashville nimmt er 1968 eine vielbeachtete Country-Platte ("Tennessee Saturday Night") auf. In der Vorstandsetage seiner Plattenfirma ist man aber am Rande eines Nervenzusammenbruchs, denn sie verkauft sich ausgesprochen schlecht. Doch das "neue" Repertoire ist nur ein Schluckauf, verglichen mit der Sprengkraft, die seine nächste Forderung im Hause "Polydor" auslöst. Er besteht darauf, dass auf den Plattenhüllen sein Nachname nicht mehr verschwiegen wird. Dabei hat man es doch mit dem Verschweigen. Ein Beispiel: Obwohl Freddy längst eine feste Freundin hat, wird in Biographien weiterhin der Eindruck erweckt, der "Zauberlehrling" sei ein Leben lang an den Zölibat gebunden. Und als er auch nicht mehr über seine Zukunftspläne schweigt, meinen Showexperten, mit der neuen Theater-Karriere wird es soundso nicht klappen.

Heimweh nach St. Pauli

   DAS hätten sie besser nicht gesagt! Nach dem Sensationerfolg in Hamburg mit "Heimweh nach St. Pauli" stehen ihm viele Türen offen. Und die rennt Freddy auch ein: in Lübeck ("Der König und ich"), London ("Beyond The Rainbow") und Bad Segeberg ("Karl-May-Festspiele"). Und jedes Mal wird sein Talent mehr gefordert.

Freddy Quinn nach einer Grubenfahrt auf der Zeche Waltrop bei Dortmund
Nach einer Grubenfahrt auf der Zeche Waltrop (bei Dortmund) wurde Freddy
Quinn (rechts, neben ihm der Autor Alf Rolla) zum „Ehrenhauer“ ernannt.
In der Hektik hatten die Kumpel allerdings seinen Vornamen auf der Urkunde falsch geschrieben – es fehlte ein „d“.
Foto: Uschi Albrecht

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ABER als er es dann wagt, einen Kinofilm ("Haie an Bord") fast ganz ohne Gesang zu drehen, spielen selbst seine härtesten Fans nicht mehr mit – die Kinos bleiben leer. Auch bei der "Polydor" wird für ihn die Luft dünner. Die Trennung nach 28 Jahren bedeutet für Freddy aber nicht das persönliche Waterloo. Er nimmt neue Lieder ("Wenn ein Gaukler Tränen weint", "The Singer") auf eigene Rechnung auf, doch in Zeiten der Zahnspangensender ("Viva" und "MTV") bringen sie ihm keine weiteren Lorbeeren ein.

Freddy Quinn und
seine Auszeichnungen

Freddy Quinn und seine Auszeichnungen, das ist trotzdem ein ganz dickes Kapitel: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, acht Goldene Löwen von "Radio Luxemburg", Medaille zum Cirkus-Oskar, Goldene Filmleinwand... Aber rundum zufrieden scheint er damit nicht zu sein. In der Art tibetanischer Gebetsmühlen klagt er seit zwei Jahrzehnten über fehlende Angebote für TV-Rollen.

Gesegnet mit allerlei göttlichen Gaben kann er am 27. September 2001 seinen 70. Geburtstag feiern: Sein Haupthaar ist noch immer dicht, die Figur sportlich und das Gesicht strahlt viel Lebensfreude aus.

Und auch die Konzerthallen und Theaterbühnen haben ihn wieder. In dem Musical "Große Freiheit Nr. 7" wird er umjubelt. Allerdings muss er dafür noch einmal alte Klischees vom "singenden Seemann" bedienen.

Auch 2002 setzt Freddy seine Fans nicht auf Diät: Er plant eine neue Gesangstournee. Natürlich wird er auch seine alten Hits (wie "Heimweh" und "Heimatlos") singen. Warum diese Abende trotzdem für ihn nicht zur Strafexpedition werden, weiß nur er allein.

Vielleicht ist alles ganz simpel, und sein Erfolgsrezept läßt sich auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Es funktioniert seit Jahrzehnten so gut, weil Freddy Quinn stets einer von uns geblieben ist – einer, dem die Sehnsucht nach dem großen Ausbruch ein ständiger Begleiter ist.

Alf Rolla

 

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