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Flensburg online *16-Jani 2002









 

 

 

 

 

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Heide Simonis über das Scheitern von Angela Merkel als Kanzlerkandidat

   Hamburg (ots) - Angela Merkel ist mit ihrer Kanzlerkandidatur gescheitert, weil sie eine Frau ist. Diese Ansicht vertritt die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern.

Wenn Merkel ein Mann gewesen wäre, hätte sie als CDU-Vorsitzender jedes Recht gehabt, den Kandidaten zu bestimmen. "Dieses Recht haben ihr die Parteifreunde weggenommen."

   WENN in Deutschland eine Frau nach der Kanzlerschaft greife, frage die Mehrheit voller Entsetzen: "Kann die das?"
Bei einem Mann frage man das nie.

"Und dann kommt diese ganze unsägliche Geschichte, die ich… bis zum Abwinken kenne: Wie sieht sie aus? Was trägt sie? Welche Frisur hat sie?"
Die Kandidatur sei kein Schönheitswettbewerb, sagte Simonis dem stern. "Wenn ich mir die Männer ansehe: Da wird vom einem Anzug das Jackett, vom anderen die Hose aufgetragen. Da könnte ich mich zu Tode graulen." Und: "Macht der Stoiber Edi keine Fehler? Ist er denn so kompetent, sieht er so schön und elegant aus, wie man es von ihm erwartet hat? Ist sein Friseur der beste aller Herrenfriseure?"

   ANGELA Merkel habe durchaus das Zeug zur Kanzlerkandidatin gehabt.
Sie sei "stur wie ein Panzer" und "mutig". Leider neigten Frauen dazu, sich Kritik mehr zu Herzen zu nehmen als Männer. "Frauen wollen geliebt werden. Wollen es allen recht machen." Um sich in der Politik durchzusetzen, dürften Frauen keine Angst davor haben, "dass die anderen Sie nicht mehr nett finden. Denn sobald Sie sich durchgesetzt haben, sind Sie für viele Männer eine Art blöde Zicke. Oder man gilt als bissig, als kleiner Kläffer." Die Kompetenz spiele auf einmal überhaupt keine Rolle mehr. "Stattdessen: Was kann die Kleine eigentlich?"

   UM mit männlichen Potenzritualen richtig umgehen zu können, bräuchten Frauen in der Politik "Nerven wie Drahtseile, eine Unempfindlichkeit wie ein Schlachterhund, ein Gedächtnis wie eine Elefantin und absolute Verhandlungsfestigkeit". In ihrer Position als Ministerpräsidentin sei sie Gott für eine zusätzliche Gabe dankbar, nämlich eine belastbare Blase. "Sie dürfen in einer heißen Verhandlungsphase nicht rausgehen müssen. Ich kann stundenlang am Tisch sitzen, bis das Ergebnis in der Scheune ist. Glauben Sie mir, das macht Männer fertig."

Quelle: stern / presseportal.de