Flensburgs Straßennamen

Von Dieter Pust ist 1990 in der "Kleinen Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte" (Heft 19) sein Buch "Flensburgs Straßennamen" erschienen.


Einführung der Buchausgabe

Die meisten Straßennamen kann man als Stadtgeschichte vor der Haustür auffassen; sie sind sozusagen Stadtgeschichte zum Anfassen.

Es gibt die unterschiedlichen Möglichkeiten der Straßenbenennung, nämlich nach überregionalen, regionalen und örtlichen Sach- oder Personennamen. Die meisten Bezeichnungen hängen direkt oder indirekt mit Personen zusammen, es geht also um "groote un lütte Lüüd". Und hier liegt ein weites Feld stadtgeschichtlicher Forschung. Bei dieser sozialgeschichtlichen Forschung gewinnt der Grundsatz, "die Liebe zum historischen Detail zu beachten", eine zentrale Bedeutung. Dabei zeigt sich, daß es nicht nur schwierig ist, konkrete Belege aus früheren Zeiten zu finden, sondern daß es auch in der Gegenwart bei volkstümlichen Überlieferungen oft kein Weiterkommen gibt. Andererseits ist positiv festzustellen, daß Familien- und Bekanntenkreise äußerst aufgeschlossen zur Mitarbeit bereit waren. Auf diesem Wege der Telefon- und Briefforschung sind viele aufschlußreiche Lebensläufe zutage gekommen, und eine Menge von Personenfotos wurde aufgestöbert. Dafür danke ich allen bisher Beteiligten und hoffe auf weitere Hilfen.

Eine große Bedeutung für die Identität der Bürger mit ihrer Stadt haben die stadtgeschichtlich wichtigen Straßennamen. Voraussetzung ist allerdings die Kenntnis der historischen Zusammenhänge. Sie kann hier erfolgen. Für die Einteilung der Straßennamen gibt es vielfältige Gesichtspunkte, z.B. wären folgende Aspekte möglich: Der alphabetische, der typologische, der soziologische, der chronologische, der emanzipatorische, der kulturelle, der geiste, der politische usw.

Zum Beispiel der politische Aspekt. Er hat so manche Straßennamengebung durch die städtischen Gremien geprägt. Dazu kamen die ideologisch motivierten Umbenennungen: Mit dem Jahr 1933 erhielt auch Flensburg Namen, die vom NS-System propagiert wurden, und die Namensgebung selbst geschah übrigens auch nach dem neuen Führerprinzip durch den Oberbürgermeister allein. 1945 erhielten diese Straßen ihre alten Namen zurück. Und 1947 gab es eine Anordnung des alliierten Kontrollrates, Straßen umzubenennen, die nach Personen benannt waren, "die sich nach dem 1.8.1914 kriegsmäßig betätigt haben". Danach fielen folgende Benennungen weg: Gallwitz-, Hindenburg-, Kaiser-Wilhelm-, Scheer-, Falkland- und Tirpitzstraße.

Seit der preußischen Zeit (außer den Jahren 1933/45) sind die Straßenbenennungen eine originäre Selbstverwaltungsaufgabe. Die Namensgebung erfolgte und erfolgt also durch die gewählte Bürgerschaftsvertretung. Und in diesen "Sternstunden" kommunaler Selbstverwaltung hat es häufig Überraschungen gegeben - vorbereitete Vorschläge wurden oft, nach teilweise heftiger Diskussion, verworfen und spontan andere Namen beschlossen. Hierauf ist im einzelnen aber nicht eingegangen - es sind lediglich bei allen Straßennamen das erste Auftreten bzw. das Datum der Benennung in Klammern genannt. Aus diesen Angaben sind meistens Rückschlüsse auf das Alter der Straßen möglich.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen außer den Personen die historischen Sachverhalte und die sprachgeschichtlichen Aspekte der Namen. Neben den allgemein bekannten Wörtern (Etymologie) spielen dabei die Ortsnamen (Laur) und die Flurnamen (Holdt, Voigt) eine wichtige Rolle.

In den folgenden Darlegungen wird erstmalig versucht, alle zur Zeit bestehenden 639 Flensburger Straßennamen zu erklären. Grundlage waren die Vorarbeiten einiger Stadthistoriker (Holdt, Callsen, Nöbbe, Philippsen, Roeper, Voigt), vor allem aber die Ausführungen von Hans-Friedrich Schütt in FGG (1972), SFSt 22, S. 432 ff. - die prägnantesten Formulierungen wurden bei manchen Namen übernommen.

Die Anordnung der Straßennamen entspricht alphabetischer Folge. Eine Klassifikation der Namen ist nicht vorgenommen worden. Jedoch muß unterschieden werden zwischen Straßennamen mit Bedeutungsinhalt und blßen Gruppennamen (z.B. Sterne, Vögel, Bäume usw.), die aus postalischen bzw. verwaltungstechnischen Gründen zur Benennung von Straßengruppen verwendet worden sind. Meine Absicht, AUsführungen auch zu allen Gruppennamen vorzulegen, ließ sich praktisch nicht durchführen. Lediglich dort, wo Beziehungen zu Flensburg nachweisbar sind, ist darauf eingegangen, mehr oder weniger ausführlich.

Das im Grunde endlose Thema wäre gar nicht zu erfassen gewesen, wenn nicht auf zahlreiche Vorarbeiten hätte zurückgegriffen werden können. Die Übernahme von Formulierungen, insbesondere von zeitgenössischen Äußerungen, macht dies deutlich. Die Fülle des Materials zwang zu Kürzungen. Bereits Gedrucktes, wenn auch an entlegener Stelle, konnte nur vereinzelt und stark reduziert aufgenommen werden. Dennoch hoffe ich, daß die Grundidee, eine Art stadtgeschichtliches Lesebuch vorzulegen, noch deutlich geblieben ist. - Die Nachweise finden sich am Schluß, mit dem Quellen- und Literaturverzeichnis.

Die genealogischen Angaben sind in der Regel anhand der Kirchenbücher überprüft bzw. zusammengestellt worden. Daraus ergeben sich z.B. Abweichungen zu manchen anderslautenden gedruckten Daten.

Die Auswahl der Fotos erfolgte im Prinzip nach dem Grundsatz des direkten stadtgeschichtlichen Bezuges. Bei einigen für die Stadt wichtigen Themen habe ich, pars pro toto, ein Beispiel herausgenommen, um die Konkretisierung am Einzelfall darzustellen. Dadurch sollte auch der Zusammenhang mit der Zeitungserie erhalten bleiben.

Die Grundidee der auf einzelne Personen bezogenen Darstellug und ihre Realisierung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion des FT, insbesondere den Redakteuren Wulf Buschardt und Gerhard Nowe und dem Photographen Günter Grätsch. Ihnen möchte ich auch an dieser Stelle für die vielfältigen Hilfen beim Zustandekommen der Artikelserie vom Juni 1987 bis zum Oktober 1988 herzlich danken. Es sind 79 Artikel erschienen - die Hinweise darauf befinden sich am Ende der jeweiligen Beiträge, z.B. Grönlandgang (FT 11.8.1988).

Mein Dank gilt meiner Familie für großzügige Tolerierung des Vorhabens und der bewährten Stadtarchiv-Crew für immer engagierten Einsatz, insbesondere den Mitarbeiterinnen Hanna-Erika Kastendiek und Irmgard Nicolaisen.

Flensburg, im Juli 1989
Der Verfasser


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